Dienstag, 07. November 2017

Wieder Todesdrohungen gegen „Charlie Hebdo“

Das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ hat wegen Todesdrohungen die Justiz eingeschaltet. Auslöser soll eine Karikatur zum Fall des bekannten Schweizer Islamwissenschaftler Tariq Ramadan sein.

Der bekannte Schweizer Islamwissenschaftler Tariq Ramadan findet sich auf der Titelseite von "Charlie Hebdo" als "die sechste Säule des Islam" wieder.
Der bekannte Schweizer Islamwissenschaftler Tariq Ramadan findet sich auf der Titelseite von "Charlie Hebdo" als "die sechste Säule des Islam" wieder.

Die Pariser Staatsanwaltschaft leitete nach einer Anzeige Vorermittlungen wegen Todesdrohungen und Rechtfertigung eines Terroraktes ein, wie am Montagabend aus Justizkreisen bestätigt wurde.

Die sechste Säule des Islam

Islamisten hatten im Jänner 2015 einen Anschlag auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“ verübt und zwölf Menschen ermordet. Laut französischen Medien hatten manche Nutzer sozialer Netzwerke mit Drohungen auf die jüngste Titelseite des Magazins reagiert.
Es handelt sich um eine Karikatur zum Fall des bekannten Islamwissenschaftlers Tariq Ramadan, der in Frankreich wegen Vergewaltigungsvorwürfen in den Schlagzeilen steht. Die französische Justiz hatte eine Untersuchung eingeleitet, ihr liegen zwei Anzeigen gegen Ramadan vor. Dieser hatte im Gegenzug Anzeige wegen falscher Anschuldigung gestellt und von einer „Verleumdungskampagne“ gesprochen, die von seinen „langjährigen Gegnern“ orchestriert werde.

In der „Charlie“-Karikatur zeichnet sich unter der Hose der Figur eine übergroße Erektion ab, daneben steht als „Verteidigung Tariq Ramadans“: „Ich bin die sechste Säule des Islam“. Die fünf Säulen des Islam sind zentrale Pflichten für Muslime, dazu gehört etwa das Gebet.

Der bekannte Schweizer Islamwissenschaftler Tariq Ramadan findet sich auf der Titelseite von "Charlie Hebdo" als "die sechste Säule des Islam" wieder. 

„Charlie Hebdo“ ist für provokante Karikaturen bekannt, die immer wieder Debatten auslösen.

„Charlie“-Publikationsdirektor Riss sagte dem Sender Europe 1: „Es gibt eine rote Linie, die man nicht überschreiten darf. Man kann über 'Charlie' sagen, was man will, das ist nicht das Problem. Aber jemandem mit dem Tod zu drohen, ist weder auf der Straße erlaubt, noch in einer Zeitung, nirgendwo.“ Riss begründete die Darstellung Ramadans damit, dass dieser sich als Islam-Experte präsentiere – deshalb zeichne „Charlie“ ihn auch so.

dpa

stol