Samstag, 22. Dezember 2018

Wien: 1 Toter und 1 Verletzter nach Schüssen

Ein Mann ist bei der Wollzeile vor einem Wiener Innenstadt-Lokal am Freitag regelrecht hingerichtet worden. Das Opfer starb durch mehrere Schüsse noch am Tatort, ein zweiter Mann befand sich in Lebensgefahr, berichtete die Polizei. Nach dem Täter wurde in ganz Wien gefahndet. Laut Medienberichten dürfte es sich um eine Abrechnung zwischen montenegrinischen Mafia-Clans gehandelt haben.

Bei den Schüssen in der Innenstadt kam eine Person ums Leben Foto: APA
Bei den Schüssen in der Innenstadt kam eine Person ums Leben Foto: APA

Die Opfer waren gegen 13.30 Uhr in der Passage, die Lugeck und Wollzeile miteinander verbindet, unterwegs, als laut Zeugen fünf bis zehn Schüsse abgegeben wurden. Ob die Männer zuvor in dem bekannten Schnitzeltempel Figlmüller essen waren und der männliche Täter auf sie gewartet hat, ist unklar. Die Betreiber des Lokals betonten in einer Aussendung, dass Gäste und Mitarbeiter des Restaurants zu keinem Zeitpunkt in Gefahr waren.

Polizei fahndet nach Täter

Ein Ohren- und Augenzeuge berichtete, dass die Männer zu dritt unterwegs waren. Der russische Tourist, der in einem Geschäft in der Wollzeile war, hörte die Schüsse und sah, wie Passanten die Flucht ergriffen. In der Passage lagen die beiden Angeschossenen, ein dritter Mann stand daneben und sprach mit den etwa 30 bis 40 Jahre alten Opfern. Der 57-Jährige nahm an, dass es sich um einen Angehörigen gehandelt hat. Der Mann sprach eine slawische Sprache, der Tourist vernahm mehrmals ein besorgtes „Bruder, Bruder”, wie er der APA berichtete. Den Täter hat der Russe nicht mehr gesehen.

Dass ein dritter Mann die beiden Opfer begleitete, wollte Polizeisprecher Daniel Fürst auf APA-Anfrage nicht bestätigen. Die Identität des Toten und des Verletzten sind geklärt, wurden aufgrund laufender Ermittlungen aber nicht bekannt gegeben. Zeugen gaben nicht nur eine Täterbeschreibung ab, sie berichteten auch, dass der Bewaffnete mit einem Auto geflüchtet sein könnte. Deshalb gab es im Laufe des Nachmittags nahe des Tatorts mehrere Anhaltungen, jedoch keine Festnahmen. Die Polizei setzte bei der Fahndung, die ganz Wien umfasste, auch Hubschrauber und Diensthunde ein.

Polizei schließt Terrorakt aus

Die Schüsse im größten Weihnachtstrubel in der Innenstadt lösten Panik wegen eines möglichen Terroraktes aus. Das schloss die Polizei jedoch sofort aus. Es habe sich vielmehr um eine „gezielte Straftat” gehandelt. „Es besteht derzeit keine Gefährdung für Unbeteiligte”, twitterte die Exekutive.

Der Tatort wurde großräumig zwischen Lugeck und Wollzeile abgesperrt. Polizisten waren mit Helmen und schusssicheren Westen zur Verwunderung zahlreicher Touristen an neuralgischen Punkten postiert. Die Sperre wurde drei Stunden nach der Bluttat aufgehoben. Nur die Passage blieb für die Tatortarbeit vorerst geschlossen, mittlerweile ist aber auch dieser Bereich wieder freigegeben.

Opfer vermutlich Teil eines Mafia-Clans

Laut serbischen und montenegrinischen Medien handelt es sich bei den Opfern um zwei Angehörige eines Clans, der seinen Namen nach einem Stadtviertel der montenegrinischen Adria-Stadt Kotor trägt. Der Clan führt bereits seit Jahren einen regelrechten Krieg mit einem weiteren Clan, der nach einer anderen Kotor-Siedlung benannt ist. Der „Krieg der Kotor-Mafia reicht bis nach Wien: Ein Toter und ein Verletzter”, titelte das Internetportal „Vijesti” am Freitagabend in einem Bericht.

Der Tote war laut der Tageszeitung „Vijesti” im Vorjahr in Belgrad wegen Dokumentenfälschung zu acht Monaten Haft verurteilt worden. Montenegro soll ihn wegen einem falschen Bombenalarm in einem Nachtklub per Haftbefehl gesucht haben. Er soll in Montenegro auch wegen illegalen Waffenbesitzes verurteilt worden sein.

Drogenstreit als mögliches Motiv

Die Reihe von blutigen Abrechnungen zwischen den beiden Mafia-Gruppen aus Kotor, die in den letzten Jahren häufig in Belgrad ausgetragen wurden, soll ihren Ursprung in einem Drogenstreit haben.

Wie serbische Medien Anfang des Jahres berichteten, soll einer der beiden Clans Ende 2014 rund 200 Kilo Kokain aus Südamerika in einer Wohnung in Valencia versteckt haben. Die Information darüber sei zu Mitgliedern des anderen Clans gekommen, die sich zum Kokain-Diebstahl entschlossen hätten. Kurz danach starteten die blutigen Abrechnungen, zuerst in Valencia, danach in Montenegro und Serbien.

Die Polizei hielt sich zu den Hintergründen der Tat zunächst sehr bedeckt. Eine Bestätigung oder ein Dementi gab es nicht.

apa

stol