Dienstag, 13. Oktober 2020

Wildwest-Szenen in Bozen: Unbekannter schießt 4 Mal auf Mann

15.30 Uhr: Wild winkte der Mann am Straßenrand dem Streifenwagen der Verkehrspolizei zu. An seinem Bein klafften blutende Wunden – Schusswunden. 2 glatte Durchschüsse und 2 Streifschüsse, zugefügt von einer halbautomatischen Großkaliberpistole, Kaliber 9x21. Der Verletzte wurde notoperiert, bei Redaktionsschluss war der Schütze noch auf der Flucht.

Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen. - Foto: © DLife/DF
Passiert ist das Ganze am helllichten Nachmittag am Autobahnkreuz Bozen-Süd, genauer gesagt, dort, wo früher das Nomadenlager „Spaghettata“ war. Etwas abgelegen von der Straße ist dort eine Wiese, dort dürfte sich die Sache abgespielt haben.

Zeugen gibt es für den Vorfall keine. Gesichert ist lediglich, dass ein Mann auf den 29-jährigen Tunesier geschossen hat. Vor Ort hat die Spurensicherung der Polizei Patronenhülsen gefunden: Sie gehören zu Patronen des Kalibers 9x21, welche mutmaßlich aus einer halbautomatischen Pistole abgeschossen wurden. Ersten Rekonstruktionen zufolge dürfte der Täter 5-mal gefeuert haben, ein Geschoss verfehlte das Opfer, 2 sollen Durchschüsse am linken Bein sein, weitere 2 Streifschüsse – immer am linken Bein. Glücklicherweise scheinen die Hauptschlagader und andere große Gefäße intakt geblieben zu sein.

Verletzter holt selbst Hilfe

Der Verletzte selbst schaffte es, bis zur Straße zu gelangen, wo zufällig eine Streife der Verkehrspolizei vorbei kam; er schaffte es, die Aufmerksamkeit der Polizisten auf sich zu lenken. Diese setzten dann den Notruf ab und alarmierten Verstärkung – die Fahndungsabteilung der Polizei unter der Leitung von Giuseppe Tricarico. Anfangs konnte noch niemand einschätzen, welche Tragweite der Vorfall hatte: Hatte hier einfach jemand wild um sich geschossen oder handelte es sich um eine Abrechnung unter „Geschäftspartnern“ im kriminellen Milieu?

Schnell waren ein ganzes Polizeiaufgebot, Carabinieri und ein Notarztteam des Weißen Kreuzes vor Ort. Arzt und Sanitäter versorgten die Wunden des Mannes und stabilisierten ihn für den Transport ins Krankenhaus.

Der Tunesier war die ganze Zeit über ansprechbar, so konnte die Polizei vor dem Abtransport auch noch kurz mit ihm reden. Der Verletzte ist mehrfach polizeibekannt, ihm wurden in Vergangenheit verschiedene Delikte zur Last gelegt, unter anderem Drogendelikte. Er soll allerdings keine brauchbaren Hinweise auf den Schützen oder ein Motiv gegeben haben. Doch ließen sein Verhalten und auch der Ort, an dem sich der Mann befand, die Polizei darauf schließen, dass es sich um eine Straftat unter mutmaßlichen Kriminellen handelt. Am Tatort sollen keine Transportmittel gefunden worden sein – Täter und Opfer scheinen also zu Fuß dorthin gelangt zu sein.

Kein Zufallsopfer


Der Verletzte wurde ins Bozner Krankenhaus gebracht und dort noch gestern Nachmittag einer Notoperation unterzogen. Seine Verletzungen waren schwer, allerdings soll der Mann nicht in Lebensgefahr schweben.

Der Schütze hat den Tatort fluchtartig verlassen – bewaffnet. Er soll in Richtung Stadt gelaufen sein. Weil die Polizei durch die Umstände am Tatort wohl einen konkreten Verdacht hat, in welchem Umfeld der Täter zu suchen ist, wurde keine Großfahndung mit Straßenblockaden – wie in solchen Fällen sonst üblich – durchgezogen, sondern konkret gefahndet. Wie durchsickerte, dürfte es sich auch beim Schützen um einen nordafrikanischen Einwanderer handeln. Bis Redaktionsschluss waren Polizei und Carabinieri noch auf der Suche nach dem Täter und auch der Tatwaffe.

uh

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