In ihren pittoresken Uniformen zählen sie vor den Toren des Vatikan und auf dem Petersplatz zu den beliebtesten Fotomotiven für Touristen. Die Mitglieder der Schweizer Garde, die seit 1506 für den Schutz des Oberhaupts der katholischen Kirche zuständig istMit 31. Jänner gibt der bisherige Kommandant Daniel Rudolf Anrig sein Amt auf. Eine Entscheidung, die im Dezember mit wenigen nüchternen Zeilen in der Vatikan-Zeitung „Osservatore Romano“ angekündigt wurde, aber heftige Reaktionen auslöste. Schweizer Medien spekulierten, der 42-Jährige gehe nicht freiwillig.Aus für die Garde? Franziskus wolle Veränderungen an der Spitze der Garde durchsetzen. Sogar von einem kompletten Aus für die Garde war die Rede – stattdessen wolle sich der Pontifex lieber auf die gut ausgebildeten Sicherheitskräfte des Vatikan verlassen. Einen Nachfolger für Anrig gibt es ebenfalls noch nicht.Sogar der Papst äußerte sich anschließend zu der Entscheidung, was den Gerüchten jedoch kein Ende setzte. Es sei ihm nur um eine gesunde und normale Erneuerung gegangen, sagte Franziskus der argentinischen Zeitung „La Nacion“.Anrig sei eine „hervorragende Person, ein guter Katholik, mit einer hervorragenden Familie“. Trotz dieser Aussage scheinen weitere Veränderungen in den kommenden Monaten nicht ausgeschlossen – laut Nachrichtenagentur ANSA wünscht sich Franziskus jedenfalls eine weniger militärische und menschlichere Garde.Unterschriftenaktion zum Erhalt der GardeEhemalige Gardisten riefen sogar eine Unterschriftenaktion ins Leben, um den Papst zur Erhalt der Garde zu bewegen. Diese wurde jedoch kurze Zeit später auf Betreiben der Vereinigung der ehemaligen Gardisten wieder eingestellt. Es gebe „keinerlei objektive Anhaltspunkte“, dass der Papst die Garde abschaffen könne, heißt es in einer Mitteilung der Vereinigung. Man sei überzeugt, dass die Garde auch weiterhin „das uneingeschränkte Vertrauen und die Wertschätzung“ des Oberhaupt der katholischen Kirche genieße.Eine RufmordkampagnefDoch vor allem der scheidende Kommandant Anrig, der seit 2008 an der Spitze der Garde stand, war in die Schlagzeilen geraten. Ehemalige Gardisten warfen ihm in Schweizer Medien anonym vor, „jede Bodenhaftung“ verloren zu haben, „arrogant und überheblich“ gewesen zu sein. Auch der Bau eines neuen großen Apartments auf dem Gelände der Kaserne der Schweizer Garde für Anrig und seine Familie sei beim Bescheidenheit predigenden Franziskus nicht gut angekommen.Nach Ansicht der Vereinigung der Ex-Gardisten eine „Rufmordkampagne“.Die Schweizer Garde hat eine lange Tradition und legt viel Wert auf ihre Prinzipien. Wer Rekrut werden will, muss praktizierender Katholik, ledig, nicht älter als 30 und Schweizer Bürger sein. Jedes Jahr werden im Mai in einer feierlichen Zeremonie neue Rekruten vereidigt, die schwören, dem Papst und seinen Nachfolgern „treu, redlich und ehrenhaft zu dienen“.Wie die Prinzipien und die Zukunft der Garde unter Papst Franziskus aussehen werden, könnte laut italienischen Medienberichten zumindest hinterfragt werden.dpa