Tausende Rekruten durchliefen ihre Ausbildung mit Willibald Schenk zunächst als Kompaniechef und dann als Bataillonskommandeur. <BR /><BR />Schenk war 27 Jahre in Meran stationiert, zuletzt als Oberstleutnant. Nach 1999 bis zur Pensionierung 2007 leistete er in Bozen als Oberst Dienst und trat dann als Alpini-Brigade-General in den Ruhestand. Er war zudem Skilehrer beim Heer – auch für Amerikaner. „Bei meinen Englischkenntnissen“, sagt er und lacht. Er ist Vater 2er Töchter und Opa von 4 Enkeln.<BR /><BR /><b>Herr Schenk, wie verschlägt es einen Südtiroler zu den Alpini?</b><BR />Willibald Schenk: Als junger Mann sagte ich zu meinem Vater, wenn es nicht sein muss, gehe ich nicht zum Militär. Aber in unserem Haus hat ein Oberstleutnant gewohnt, der meinte, da ich die Matura gemacht hatte, dass ich doch ein Ansuchen für die Offiziersschule für Reserveoffiziere der Gebirgsjäger in Aosta stellen sollte. Ich wurde genommen, da war ich 20. Und nicht der einzige Südtiroler in Aosta. Beispielsweise Siegfried Spögler vom Ritten war auch mit mir dort.<BR /><BR /><b> Waren sie dort nicht die „Crucchi“?</b><BR />Schenk: Nein, nie. Dass wir Deutsch redeten, war nie ein Problem. Nach Abschluss der Ausbildung und einer 3-monatigen Probezeit in Sterzing kam ich am 2. Jänner 1972 als Alpini-Leutnant nach Meran.<BR /><b><BR />Damals hielten die Alpini noch Mulis. Erinnerungen daran?</b><BR />Schenk: Ja, einmal sind wir mit der 51. Kompanie – rund 110 bis 120 Mann – vom Veltlin nach Meran durch die Berge. Wir waren einen Monat unterwegs, ich war das Schlusslicht („Ufficiale di coda“). Die Mulis mussten ihr eigenes Fressen und die Feldküche tragen. Aber auf Strecken, auf denen es über die Gletscher ging, wurden die Mulis mit dem Lkw transportiert. Unser Weg führte von Santa Caterina Valfurva über die Casati- und Zufallhütte ins Martell, nach Schlanders, ins Schlandrauntal, dann nach Schnals und ins Pfossental, hinauf auf die Stettiner Hütte, hinunter nach Pfelders und über die Pfelderer Scharte zum Hochganghaus.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1088673_image" /></div> <BR /><BR /><b>Wurden Mulis nicht auch manchmal gepiesackt?</b><BR />Schenk: Ja, leider. Manche Leute können leider auch boshaft sein. Einmal habe ich 90 ausgemusterte Mulis – alte und Problem-Mulis, die sich nicht mehr haben aufzäumen lassen – in seitlich offenen Waggons von Meran nach Grosseto begleitet. Von Meran nach Bozen brauchten wir 3,5 Stunden, bis nach Grosseto 2 Tage. Einigen Mulitreibern, die Tiere dort abgegeben haben, rannen Tränen über die Wangen. Auch das gab es.<BR /><BR /><b>Ich habe gehört, dass Sie ein sehr strenger Vorgesetzter gewesen sein sollen, der die Jungen auf Südtirolerisch „gschualt“ hat. Stimmt das?</b><BR />Schenk: Ich war in meinen Anweisungen sehr bestimmt – auch gegenüber den Ausbildnern, aber gestraft habe ich nicht. Und fluchen tu ich auch nicht. Dann sage ich höchstens „Zio Canellone“. Viele rufen mich heute noch so. Mir wird auch Gutes zugetragen. Andere sagen, ich sei ein sehr korrekter Vorgesetzter gewesen. Erst heute (gestern, Anm. d. Red.) hat mich der Vater eines Rekruten, der bei mir war, angerufen und gesagt, dass sein Sohn gern am Wochenende zum Treffen der Ex-Edolo-Soldaten gekommen wäre, aber leider nicht kann. Und mit Südtiroler Soldaten, die sich mit Italienisch schwer taten, habe ich logischerweise auch Deutsch geredet. <BR /><BR /><b>Bekannte Rekruten-Gesichter in Ihrer Zeit in der Rossi-Kaserne?</b><BR />Schenk: Michl Ebner, Alexander von Egen, Arnold Tribus, Wolfram Gapp, Elmar Knoll, Architekt Hanspeter Abler Trojer oder Paolo Magri aus Bergamo, Zug-Kommandant bei mir und später Professor an der Bocconi.<BR /><BR /><b>Spezielle Erinnerungen?</b><BR />Schenk: Michl Ebner war nur kurz bei uns, er ist dann zur Flugstaffel nach Bozen. Aber ich war auch nachher noch mit ihm als Parlamentarier in Kontakt, wenn es darum ging, Rekruten aus schwerwiegenden familiären Gründen näher zur Familie zu versetzen. Arnold Tribus kam immer recht elegant daher, Knoll und Abler Trojer waren sehr gute Ausbildner. Wolfram Gapp war im Amt für die Zuteilung der Rekruten.<BR /><b><BR />Ihre schönste Zeit?</b><BR />Schenk: Als Kompanie-Chef und Bataillons-Kommandeur. Die Zeit, in der man jung ist, ist eine gute Zeit. Ich war auch viel als Dolmetscher unterwegs – beispielsweise in der Grenzkommission Italien-Österreich oder auf Generalstabsebene als Simultanübersetzer. Aber das habe ich nur einmal getan, das hat gereicht. Ich war bei jedem Besuch von auswärts dabei und bin wegen meiner Zweisprachigkeit auch nie außerhalb Südtirols versetzt worden. <BR /><BR /><embed id="dtext86-67119045_quote" /><BR /><BR /><b>Wie sehen Sie die Abschaffung der Wehrpflicht?</b><BR />Schenk: Ich glaube, den meisten hat der Militärdienst gut getan. Nur ein paar Beispiele: Als ein Sohn das erste Mal in der Kaserne übernachtet hat, hat die Mutter daheim im Bett des Sohnes geschlafen. Eine andere Mutter hat angeboten, in der Kaserne Teller zu waschen, um näher bei ihrem Sohn zu sein. Eine weitere Mutter hat am Tag des Einrückens des Sohnes in der Kaserne angerufen – der junge Mann war noch gar nicht angekommen. Sie wollte nur, dass wir ihm ausrichten, dass er die falschen „Bettpotschn“ mitgenommen hatte.<BR /><BR /><b>Und der „Nonnismo“?</b><BR />Schenk: Das ist doch wie in Heimen oder in der Schule. Kommt eine junge Lehrerin neu dazu, muss sie das Protokoll schreiben. Ältere lassen die Jüngeren spüren, dass sie schon länger da sind. Soldaten sind den jüngeren in der Mensa vorgegangen, haben sich eine Zigarette oder etwas zum Trinken spendieren lassen. Oder ein anderes Beispiel: Einer säuft sich beim „Campo“ abends einen an, am nächsten Tag müssen ihm die anderen den Rucksack tragen helfen und am Abend redet er wieder groß. Dann heißt es von den anderen, dem werden wir schon geben.<BR /><BR /><b> Italienisch-Immersion in der Kaserne: Wie kamen die Südtiroler damit zurecht?</b><BR />Schenk: Die haben schnell gelernt – manchmal auch schnell falsch, wenn sie auf Deutsch sagten: ,Ich bin puniert worden.‘ Aber das Mischmasch haben wir manchmal auch außerhalb der Kaserne, wenn etwa von den ,Militaristen‘ die Rede ist. Das sind Soldaten.<BR /><BR /><?O_Fett><?_O_Fett><b>Sie sind an der Organisation des 2-tägigen Treffens der Ex-Mitglieder des „Edolo“-Regiments, das von 1953 bis 2004 in Meran aktiv war, am Wochenende beteiligt. In den 1980-er und 1990-er Jahren rückten 600 bis 700 junge Südtiroler jährlich in die Kaserne Rossi ein. Glauben Sie, dass auch einige Südtiroler zum Treffen kommen?</b><BR />Schenk: Von einigen weiß ich, dass sie kommen. Und ich hoffe, ehemalige Kollegen zu sehen. Es sind Freundschaften entstanden, die ich immer noch pflege und für die ich kreuz und quer durch Südtirol fahre.