Freitag, 19. Juni 2015

Windeln, Binden und Schuhe: Was das Klo über Brixen erzählt

Die schmutzigsten Geschichten über Brixen weiß die Kanalisation zu erzählen. Windeln, Damenbinden und sogar Schuhe entsorgen die Domstädtler übers Klo – und locken damit ungeliebte Gäste an: Ratten krabbeln durch die Kanäle.

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Foto: © shutterstock

Im Frühjahr dieses Jahres fiel der Stadtwerke Brixen AG beim Reinigen der Kanäle auf, dass sich vermehrt organischer Müll im Kanalsystem befindet. „In den Abwasserkanälen findet man vorwiegend Speisereste und Altspeiseöl“, berichtet Landesrat Richard Theiner in seiner Antwort auf eine Anfrage des Freiheitlichen Walter Blaas. Aber nicht nur: Auch Windeln, Putzlappen, Damenbinden und sogar Schuhe gehören zu den Überbleibseln, die die Brixner offensichtlich über die Toilette beseitigen.

Eine etwas eigenartige Auffassung von Müllentsorgung, die nicht ohne Folgen bleibt: Denn der Müll lockt Schädlinge an.

Brixen rückt drei Mal jährlich mit Gift aus

„Wanderratten im Kanalsystem gibt es seit jeher überall auf der Welt, so auch in Brixen“, versucht der Landesrat zu beruhigen. „Das erhöhte Auftreten kann auch saisonal bedingt sein: Die vergangenen Winter haben sicherlich zu keiner natürlichen Dezimierung des Rattenbestandes beigetragen.“

Die Domstadt sieht sich also gezwungen, gegen die Schädlinge vorzugehen: Drei Mal pro Jahr rückt sie mit Gift aus. Die Einsätze würden flächendeckend im gesamten Gemeindegebiet durchgeführt, gibt Theiner bekannt.

Windeln blockieren die Pumpe: Das kostet

Doch nicht nur unliebsame Besucher im Kanal zählen zu den negativen Folgen der eigenwilligen Brixner Entsorgungs-Methode: „Putzlappen, Windeln oder harte Gegenstände verwickeln sich am Kreisel der Abwasserpumpe und blockieren diese“, berichtet Theiner. Meistens sei dann ein Austausch der Pumpe oder des Motors notwendig. Kostenpunkt: bis zu 6000 Euro.

„Eine unsachgemäße Müllentsorgung über den Abfluss führt nicht zu hohen Kosten für Personal und Geräte, sondern ist ein genereller Schaden für die Allgemeinheit“, findet Walter Blaas. „Solche Vorkommnisse dürfen keine Schule machen und gehören geahndet, obwohl dies sehr schwierig sein mag.“

stol

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