Nach jahrelangen Debatten wird der Bozner Gemeinderat kommende Woche das Projekt Tiefgarage am sogenannten Siegesplatz definitiv verabschieden. Eine letzte, entscheidende Hürde, die seit langem für Streit sorgt, muss dann genommen werden. Die Anrainer fürchten aber, dass dann genau das passiert, was sie seit langem befürchten – und wehren sich lautstark.<BR /><BR /><BR />Ab Dienstag wollen die Parteien im Gemeinderat die Karten auf den Tisch legen und bis Ende des Monats entscheiden, was den Anrainern „große Sorgen“ bereitet, betont Simonetta Nardin, Vertreterin einer Bürgerinitiative von Anrainern der Quireinerstraße. <BR /><BR />„Denn auf dem Tisch liegt das Projekt, das in der Kommission für öffentliche Arbeiten genehmigt wurde. Dieses sieht überwiegend blaue Parkplätze vor, genauer gesagt 232, und nur 158 für die Anrainer“, kritisiert Nardin. „Das ist schriftlich so festgehalten, ist also der Stand der Dinge. Deshalb sind wir sehr besorgt.“ Denn über die Tiefgarage sei viel geredet worden, aber am Konzept habe sich trotz allem bis jetzt nichts geändert. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1065609_image" /></div> <BR /><BR /><BR />„Das vorliegende Projekt ist eine Tiefgarage für Touristen und nicht für uns Anrainer. Wir fordern das genaue Gegenteil, also eine Tiefgarage für die Anrainer und damit für das Viertel und nicht für jene, die von außen nach Bozen kommen und noch mehr Verkehr in die Stadt bringen“, unterstreicht Simonetta Nardin. Das widerspreche schließlich der Verkehrspolitik, die die Stadt selbst beschlossen und zu der sie sich verpflichtet habe. <BR /><BR />Dabei gehe es darum, Bürger, Pendler und Touristen davon zu überzeugen, Bozen vor allem mit öffentlichen Verkehrsmitteln, dem Fahrrad und zu Fuß zu erreichen, um den Autoverkehr zurückzudrängen. „Wird aber eine Tiefgarage für Touristen gebaut, damit diese sich wenige Meter weiter den Ötzi ansehen können, erreicht die Gemeinde genau das Gegenteil, nämlich noch mehr Verkehr“, betont die Anrainervertreterin. „Auch deshalb ist das Projekt in seiner derzeitigen Form nicht gut für das Viertel.“<BR /><BR /><BR />Die Sorgen der Anwohner seien alles andere als unbegründet, so Nardin, denn „die zu groß geplante Tiefgarage“ werde von Privaten gebaut und geführt. „Natürlich will jedes private Unternehmen in erster Linie, dass sich die Investition lohnt und je mehr blaue Parkplätze angeboten werden können, desto höher sind die Einnahmen. Anrainerparkplätze sind nicht so profitabel.“ Das sei das grundlegende Problem dieses Projekts. <BR /><h3> „Eine Bedarfserhebung wäre nötig“</h3><BR />Dabei sei es die Gemeinde, die bei diesem strategischen Bau eigentlich klare Vorgaben machen müsse, zumal auch 5 Millionen Steuergelder in die Tiefgarage flössen. „Dafür wäre eine Bedarfserhebung durch die Gemeinde im Viertel notwendig, um dann mit konkreten Zahlen in der Hand sagen zu können: So viele Parkplätze brauchen wir. Es läge dann an den Firmen zu entscheiden, ob sie an Bau und Führung interessiert sind.“ Derzeit passiere das Gegenteil. <BR /><BR /><BR />„Ende Juli hatten wir ein Treffen mit Bürgermeister Renzo Caramaschi und Vize-Bürgermeister Stephan Konder, um unsere Anliegen vorzubringen und um zu hören, was die Stadt plant. Wir sind dankbar für das Treffen, aber uns wurde dabei kein grundlegend anderes Konzept vorgelegt als das bisherige, also eine Tiefgarage überwiegend für blaue Parkplätze. Vorgesehen ist wohl, dass es bei der Ausschreibung für Bau und Führung der Garage im Ermessen der Unternehmen liegt, wie viele der Parkplätze im noch nicht verplanten dritten Stock für die Anrainer vorgesehen wären, und wie viele blaue Bezahlparkplätze, zusätzlich zu den von der Gemeinde vorgegebenen, angeboten würden. Das ist derzeit unser Kenntnisstand und das bereitet und natürlich Sorgen“, erklärt die Vertreterin der Anrainer, die sich gegen „teure Garagenboxen für einige wenige“ ausspricht und „erschwingliche, offene Parkplätze zum Beispiel für 80 Euro Monatsmiete“ und „klare Zuteilungskriterien“ fordert.