„Wir haben keine Zukunft gesehen“, soll Kerer, der in U-Haft im Gefängnis sitzt, gegenüber seinem Verteidiger erklärt haben. Seiner Frau sei es gesundheitlich sehr schlecht gegangen, der Gedanke, dass sie ohne ihn keine Aussicht haben würde, zu überleben, habe ihn nicht mehr los gelassen. Hinzu seien massive finanzielle Probleme gekommen, die Wohnung wäre ihnen auch bald aufgekündigt worden. Monika Gruber. - Foto: DDem am Freitag hinterlegten psychiatrischen Gutachten des Parteiensachverständigen Luciano Magotti zufolge sei Kerer zum Tatzeitpunkt nur teilweise, wenn nicht gänzlich unzurechnungsfähig gewesen. Das zeige schon die Tatsache, dass Kerer sich, nachdem er auf seine Frau eingestochen habe, neben sie gelegt und versucht habe, sich selbst das Leben zu nehmen. 3 weitere Versuche folgten – und scheiterten. Der letzte davon war schließlich von den Carabinieri vereitelt worden, die den 58-Jährigen mittels Handyortung am Brixner Bahnhof aufspürten, wo er sich unter einen Güterzug werfen wollte – mit einem Zettel in der Tasche, auf dem stand: „Ich bin ein Mörder“. Dessen hat ihn die Bozner Staatsanwaltschaft jetzt auch bezichtigt.Bezüglich Kerers Zustand zum Tatzeitpunkt ist der Amtssachverständige Eraldo Mancioppi übrigens zu einem anderen Schluss gekommen als der Gutachter der Verteidigung. Mancioppi berücksichtigt zwar, dass Kerer unter starkem psychischen Druck stand; er sei aber trotzdem voll einsichts- und willensfähig gewesen.D/rc