Das Erdbeben in L’Aquila (Abruzzen) 2009, das Vinschger Zugunglück 2010 oder die Bluttat von Innichen im vergangenen Jahr: „Am meisten gelernt haben wir durch diese komplexen Einsätze“, blickte Erwin Steiner, Leiter der Notfallpsychologie, bei einer Fachtagung am Samstag in Bozen zum 20-jährigen Jubiläum zurück. <h3> Was machen Notfallpsychologen eigentlich?</h3>Gemeinsam mit der Notfallseelsorge betreut der Dienst Menschen in akuten Krisensituationen. In einem Notfall werden beide alarmiert: Die Notfallseelsorge gibt menschlichen Beistand und setzt sich aus Ehrenamtlichen zusammen. Bei der Notfallpsychologie sind ausgebildete Fachkräfte für Psychotraumatologie tätig, die versuchen, mögliche Traumafolgestörungen zu verringern oder abzufangen.<BR /><BR />Derzeit besteht das Team aus 34 Notfallpsychologen. Im vergangenen Jahr wurden Notfallseelsorge und -psychologie zu 421 Einsätzen gerufen, bei 97 davon waren Notfallpsychologen vor Ort (siehe Infografik).<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1224654_image" /></div> <BR /><BR />Menschen in Krisensituationen reagieren meist mit Schock, Weinkrämpfen oder sind total erschüttert. „Unser Ziel ist es, die Betroffenen in einen Zustand zu begleiten, in dem sie wieder handlungsfähig werden und Boden unter den Füßen gewinnen.“<BR /><BR />In den Anfangsjahren habe man sich darauf konzentriert, die Menschen aufzufangen, heute gehe es darum, durch die Krise zu coachen. Dabei spiele das vertraute Umfeld, das den Betroffenen zur Seite steht, eine wichtige Rolle. Welche Worte verwendet man in einer Situation, die einem sprachlos machen? <BR /><BR /><embed id="dtext86-71828199_quote" /><BR /><BR />Steiner erachtet einen Erste-Hilfe-Kurs für die Psyche hilfreich, um Menschen auf solche Situationen vorzubereiten, der z. B. an Schulen oder beim Arbeitssicherheitskurs angeboten werden könnte. Denn der Mensch sei grundsätzlich widerstandsfähig und in der Lage, auch schwierige Lebenssituationen zu meistern. <BR /><BR />Damit man als Freund oder Arbeitskollege zusätzlich bei der „Erstversorgung“ der „Wunde“ unterstützend helfen kann – gemeinsam mit den Notfallpsychologen. Zudem sind die Notfallpsychologen auch in den ersten Tagen nach dem Schockereignis erreichbar und verweisen bei Bedarf an die psychologischen Dienste im Land. <BR /><BR /><b>Wo man Hilfe findet:</b><BR /><Fett><BR />Notrufnummer</Fett> 112, <Fett>Psychologisches Krisentelefon</Fett> (rund um die Uhr) 800 101 800, <Fett>Telefonseelsorge Caritas</Fett> (rund um die Uhr) 0471/052 052.