<a href="https://www.stol.it/artikel/kultur/bildung/das-gruber-de-gasperi-abkommen-der-vertrag-der-suedtirols-zukunft-praegte" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Im s+Artikel erklärt Prof. Rolf Steininger Gründe und Hintergründe,</a> die 1946 in Paris zwar nicht zur erhofften Wiedervereinigung Tirols, aber immerhin zu einer international verankerten Autonomie führten.<BR /><BR /> Entscheidend dabei war die Aufnahme der Vereinbarung zwischen De Gasperi und Gruber in den Friedensvertrag der Siegermächte mit Italien. Das eröffnete den komplizierten, mühevollen und auch mit Opfern gespickten Weg zur heutigen Autonomie.<BR /><BR />Der Rahmen in Paris 1946 erscheint beinahe unwirklich: Auf der Konferenz der Siegermächte – USA, Sowjetunion, Großbritannien und Frankreich – verhandeln Italiens Ministerpräsident und Österreichs Außenminister über das Schicksal Südtirols. Der erste kommt aus Trient, der zweite aus Innsbruck! Die Konferenzsprache ist Englisch, doch De Gasperi und Gruber verständigen sich auf Deutsch, schließlich saß Alcide Degasperi ab 1911 als Vertreter des Trentino im österreichischen Reichsrat in Wien und 1914 im Tiroler Landtag; Karl Gruber war ab 1945 der erste Landeshauptmann von Tirol.<BR /><BR />Der knapp und allgemein gehaltene Text des „Pariser Vertrages“ bot zunächst während eines guten Jahrzehnts hindurch Rom, aber noch mehr Trient die Möglichkeit, die Autonomie auf eigene Weise auszulegen – und das zum Nachteil Südtirols. <BR /><BR />Exakt der gleiche Text bot jedoch 1960 Österreichs Außenminister Bruno Kreisky die Möglichkeit, die Südtirol-Frage vor den Vereinten Nationen aufzuwerfen, und er bot vor allem Silvius Magnago die Möglichkeit, daraus 137 Maßnahmen abzuleiten, um eine möglichst umfassende Autonomie für Südtirol zu erreichen.<BR /><BR />Das Hickhack um das Detail, ob tatsächlich beide Seiten die Vereinbarung unterzeichnen sollten und ob diese in den italienischen Friedensvertrag einfließen sollte oder nicht, fand ein gutes Ende – vor allem im Rückblick betrachtet. Lag es vielleicht auch daran, dass sich in Paris ein welscher und ein deutscher Tiroler gegenüber saßen? <BR /><BR />Die Wende zum Besseren brachte dann – nach dem ersten ernüchternden Jahrzehnt – Silvius Magnago, der aus einem zweisprachigen Elternhaus stammte. Auch das erlaubt (schöne) Gedankenflüge.<BR /><BR />Eine Besonderheit war, dass die Südtiroler die Verhandlungen mit den häufig wechselnden italienischen Regierungen selbst führten. Das ist insofern bemerkenswert, weil ein Staatsapparat über ein Heer an ausgebildeten, erfahrenen Diplomaten und Juristen verfügt. Südtirol hatte Magnago, Riz und Benedikter. <BR /><BR />Mitglieder des SVP-Ausschusses aus jener Zeit erinnern sich noch gut, wie Magnago einzelne Sätze von Durchführungsbestimmungen oft stundenlang erläuterte. Handgefertigt. Solide.<BR /><BR />Schnell ging das alles nicht. Magnago verhandelte ab 1957 bis 1969 um das Paket und gewann nur knapp die Mehrheit. 1992 schließlich erklärten Österreich und Italien – mit Einverständnis Südtirols – die aufgrund der UNO-Resolution im Jahr 1960 begonnenen Verhandlungen für beendet, den „Streit für beigelegt“.<BR /><BR />Magnago hat unglaubliche 35 Jahre lang Verhandlungen geführt, um die Autonomie in ihrer heutigen Form zu erreichen. Ausgehend vom Pariser Vertrag.<BR /><BR />Auch die Sturheit und manch überraschende Wende der Südtiroler gehören zur Geschichte. Sie ließen unter anderem Bruno Kreisky verzweifeln. Legendär auch die Episode, als eine kleine Südtiroler Delegation in Rom in aller Herrgottsfrühe vor der Privatwohnung von Ministerpräsident Giulio Andreotti stand und meinte, man habe ein Detail vergessen. Dabei hatte man sich erst wenige Stunden zuvor, spät in der Nacht, die Hände gereicht, weil die Verhandlungen definitiv beendet waren. Diplomaten tun so etwas nicht, Südtiroler schon. <BR /><BR />Wir sollten demütig sein und dankbar für die Entwicklung Europas seit jenem Donnerstag, 5. September 1946 in Paris – der gegenwärtigen Hektik, Unzufriedenheit und gerade den Kriegswirren zum Trotz. Vor allem sollten wir beherzigen, dass es Jahrzehnte gebraucht hat, um das zu erreichen, was heute allen gehört und um das uns viele beneiden. <BR /><BR />Es ist auch ein Sieg der oft gescholtenen Diplomatie. Leichter ist es, etwas zu zerschlagen.<BR /><BR /> <a href="mailto:elmar.pichlerrolle@athesia.it" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">elmar.pichlerrolle@athesia.it</a>