Donnerstag, 19. Januar 2017

„Wir sterben“: Verschüttete schicken Hilferufe per SMS

Erdbeben-Tragödie in den Abruzzen: Eine Lawine verschüttet ein Hotel mit vermutlich 30 Menschen. Retter befürchten viele Tote. „Hilfe, Hilfe, wir sterben vor Kälte“, soll in einer SMS aus dem Gebäude stehen.

Foto: © APA/AFP

Eine Lawine hat in Italiens Erdbebenregion ein vierstöckiges Hotel bis zum Dach verschüttet und nach offiziellen Angaben zahlreiche Menschen in den Tod gerissen. „Es sind viele Tote“, sagte ein leitendes Mitglied der Rettungskräfte laut Nachrichtenagentur Ansa am Donnerstag. In dem Gebäude in der Gemeinde Farindola werden 30 Menschen vermutet. Ein Standbild einer Videokamera zeigt, dass die Lawine eingedrungen ist.

Die Einsatzkräfte verschafften sich am Donnerstag Zutritt zu dem Hotel und suchen mit Spezialhunden, Geophonen – mit denen Bodenschwingungen erfasst werden können – und Kameras nach den Vermissten. Der Feuerwehr zufolge hatten sich viele Menschen in der Bar aufgehalten, als die Lawine am Mittwoch über das Hotel hineingebrochen war.

Aus dem Gebäude soll es einen Hilferuf per SMS gegeben haben, wie Medien berichteten. „Hilfe, Hilfe, wir sterben vor Kälte“, zitierten Ansa und die Zeitung „La Repubblica“ die Textnachricht.

Immense Lawine

„Wir rufen, aber niemand antwortet“, berichteten Helfer vom Unglücksort in der Region Pescara der Nachrichtenagentur Ansa zufolge. Die dramatische Szenerie, die sich den Helfern zeige, sei ein „tragisches Gemisch aus Erdbeben und Lawine“. Die Lawine sei „immens“.

Einige der Rettungskräfte steckten im Schnee fest. Auch Krankenwagen kamen zeitweise wenige Kilometer von dem Hotel entfernt nicht weiter.

Weil sie sich im Freien aufgehalten haben, haben mindestens zwei Menschen aus dem Hotel überlebt.

In der Nacht kam es zu weiteren Erdstößen in der Region. Schneemassen und Kälte erschwerten die Rettungsarbeiten. Einige Orte waren von der Außenwelt abgeschnitten, Tausende Haushalte ohne Strom.

Einsatzkräfte hatten bereits am Mittwochabend eine Leiche aus den Trümmern eines Hauses in der Gemeinde Castel Castagna in der Provinz Teramo geborgen. Binnen einer Stunde hatten am Mittwoch mehrere schwere Erdstöße – alle mit einer Stärke über 5 – die Region um den bereits zerstörten Ort Amatrice erschüttert. Die Beben waren auch in der 150 Kilometer entfernten Hauptstadt Rom deutlich und lange zu spüren. Die Region wird seit Monaten immer wieder von schweren Erdbeben erschüttert.

dpa

stol