Dienstag, 26. Juni 2018

„Wir suchen nur mehr tote Tiere“

45 Schafe hat Wernhard Holzner vergangenen Sommer auf der Kirchbergalm in St. Gertraud verloren, den überwiegenden Teil durch Wölfe. „Das letzte Jahr war eine Katastrophe“, sagt der Ultner Hirte, „anstatt Schafe zu hüten, haben wir nur mehr tote Tiere gesucht.“

Der Frust sitzt bei Wernhard Holzner tief. - Foto: Bauernbund
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Der Frust sitzt bei Wernhard Holzner tief. - Foto: Bauernbund

Wernhard Holzner, Bauer vom Haisnhof, ist seit 17 Jahren Hirte auf der oberhalb St. Gertraud gelegenen Kirchbergalm. So hohe Verluste wie letztes Jahr hatte er noch nie: „Ein paar tote Schafe haben wir jedes Jahr, wie zum Beispiel durch Abstürze; aber 45 tote Tiere gab es am Ende des Almsommers noch nie“, bedauert Holzner.

Im Video, das der Südtiroler Bauernbund erstellt hat, sind Aufnahmen der übrig gebliebenen Tierkadaver zu sehen. Holzner unterstreicht, dass auch jene Schafe, die Wolfsangriffe überleben, Schaden erleiden. „Es geht nicht nur um die toten Tiere. Die Schafe, die überleben, sind danach total verstört.“

Kein Herdenschutz möglich

Der Hirte kümmert sich um rund 500 Schafe und 100 Ziegen, die 40 Bauern aus dem Ultental und angrenzenden Gebieten auf die Alm bringen. Die Kirchbergalm ist 1850 Hektar groß und eine der extremsten Almen in Ulten. Die Flächen haben eine gute Grasqualität, sind aber steinig und sehr steil. Maßnahmen zum Herdenschutz, wie Elektrozäune oder Nachtpferche, sind deshalb nicht umsetzbar.

„Herdenschutz ist vom Gelände her unmöglich“, bestätigt Holzner. Auch die Tiere jeden Tag zusammentreiben gehe auf der steilen und weitläufigen Alm nicht. „Dann würden jedes Mal Tiere durch Abstürze oder Steinschlag getötet werden.“

„Dann ist Schluss auf der Alm“

Der Frust sitzt bei den Ultner Bauern nach den vielen Rissen tief: „Wir füttern die Tiere nicht den ganzen Winter, damit sie im Sommer die Wölfe reißen“, meint Holzner.

Der Hirte weist darauf hin, dass die Ultner Schafhalter allesamt Kleinbauern mit Nebenerwerb sind. Wenn die Almbeweidung wegen den Wölfen nicht mehr möglich sein wird, werden die Bauern ihre Tiere aufgeben und sich auf ihren Nebenberuf beschränken. „Dann ist Schluss auf der Alm“, sagt Holzner.

stol

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stol