Sie erklärt, warum sie sich für die Ausbildung zur Allgemeinmedizinerin in Innsbruck entschieden hat, obwohl sie diese auch gerne in Südtirol gemacht hätte.<BR /><BR />Eines gleich vorweg: Dr. Daniela Negra geht es nicht um eine Polemik und auch nicht darum, in den allgemeinen Chor der Kritiker des Sanitätsbetriebes einzustimmen – im Gegenteil: Sie möchte lediglich einen konstruktiven Beitrag leisten, um in der leidigen Causa Hausärztemangel etwas zu bewegen. „Dieses Thema beschäftigt uns Jungmediziner natürlich stark, gerade weil viele von uns liebend gerne nach Südtirol zurückkommen würden, aber gewisse Voraussetzungen das einfach nicht zulassen“, meint Dr. Negra, die aus St. Lorenzen stammt und derzeit an der Universitätsklinik in Innsbruck die 3-jährige Ausbildung zur Allgemeinmedizinerin macht. <BR /><BR />Und genau das ist in diesem Fall der Knackpunkt: die Ausbildung. Dr. Negra erklärt: „Auch ich habe mich für einen Zeitraum von etwa 2 Jahren für eine Ausbildung an Südtirols Krankenhäusern interessiert, musste mich letztlich leider dagegen entscheiden, weil ich im Vergleich zum deutschsprachigen Ausland eine Reihe von Nachteilen hätte in Kauf nehmen müssen.“ <h3>Der Wunsch: ein regulärer Arbeitsvertrag </h3>Sie bringt das Dilemma auf den Punkt, indem sie sagt: „Unterm Strich sind die Vertragsbedingungen für die Hausarztausbildung in Südtirol einfach nicht konkurrenzfähig.“ Diese Aussage macht sie, nachdem sie die Entwicklungen rund um eine beabsichtigte Reform der Ausbildung für Allgemeinmediziner nach dem Modell von Österreich oder der Schweiz mitverfolgt hat, die aber aufgrund von staatlichen Bestimmungen nicht umgesetzt werden konnte. <BR /><BR />Insgesamt kommen dabei 3 große Punkte zum Tragen: die Folgen der Einstufung als Stipendiumbezieherin, die Rückzahlungsklausel und die Verpflichtungsklausel. „Während der 3-jährigen Ausbildungszeit zur Allgemeinmedizinerin bekommt man in Südtirol ein Stipendium anstatt eines regulären Gehalts wie es hier in Österreich der Fall ist. Damit ist eine Schleife an negativen Aspekten verbunden, allen voran fehlende Einzahlungen in die staatliche Pensionskasse und die damit fehlende Anrechnung der Rentenjahre“, beschreibt Dr. Negra die Grundproblematik. Man dürfe nicht vergessen, dass der Ausbildung das 6-jährige Medizinstudium vorausgeht, was in der Lebensplanung natürlich ins Gewicht fällt. Neben Österreich sei die Facharztausbildung auch in Deutschland und in der Schweiz so geregelt: Die Jungmediziner bekommen einen regulären Arbeitsvertrag und werden wie gewöhnliche Arbeitnehmer kranken- und sozialversichert. Neben den Absicherungen werde damit auch das Signal ausgesendet, dass man nicht länger als Studentin oder Student angesehen werden, sondern als vollwertige Arbeitskraft. „Und wer Ausbildungen zum Facharzt oder Hausarzt macht, kann ermessen, dass wir das auch sind: vollwertige Arbeitskräfte“, gibt Dr. Negra zu bedenken. Darüber hinaus liege es auf der Hand, dass man mit der Ausbildung die Basis für die Wahl des Arbeitsplatzes legt, also oftmals dort weitermacht, wo man das Umfeld zu schätzen weiß und sich ein Leben aufgebaut hat. <h3>2 Klauseln sorgen für Bauchschmerzen</h3>Weitere Punkte, die ihr bei der Wahl des Ausbildungsplatzes Bauchschmerzen bereitet haben, waren die Rückzahlungsklausel und die Verpflichtungsklausel. Generell gesprochen, müsse bei der Ausbildung an einem Südtiroler Krankenhaus das erhaltene Stipendium zurückerstattet werden, wenn man aus welchen Gründen auch immer die Ausbildung abbricht oder die abschließende Prüfung nicht besteht. „Dieser Passus sorgt für Unsicherheit in der Planung, denn im Laufe von 3 Jahren kann immer etwas dazwischenkommen“, meint Dr. Negra. Die Rückerstattung des Stipendiums werde sogar fällig, wenn man weiterhin in Südtirol bleibt, aber das Fach wechselt. Die Verpflichtungsklausel besage, dass in den 5 Jahren nach Abschluss der Ausbildung mindestens 3 Jahre als Allgemeinmediziner in Südtirol gearbeitet werden muss. Dr. Negra kann diese Klausel nachvollziehen, jedoch durchkreuzt sie den Wunsch vieler Jungmediziner nach einer zweiten Spezialisierung. Diese hängt man normalerweise gerne direkt an. „Ich könnte dann eben nicht meine zweite Ausbildung für Neurologie machen, andererseits möchte ich das nicht auf die lange Bank schieben“, erklärt Dr. Negra ihr persönliches Beispiel. <BR /><BR />Die Pusterer Medizinerin, die wie berichtet für ihre Arbeit über Endometriose erst vor wenigen Tagen in Bozen ausgezeichnet wurde und ausschließlich lobende Worte über ihre Erfahrungen am Krankenhaus von Bruneck übrig hat, hofft inständig auf eine Lösung dieser vertragstechnischen Details im Sinne der Allgemeinheit. „Viele von uns möchten in Südtirol arbeiten, weil wir an unserer Heimat hängen, zugleich ist dieser große Mangel da. Es muss doch möglich sein, gangbare Wege zu finden“, meint sie.<BR />