Der Wissenschaftler aus Bruneck erklärt auch, warum es unfair wäre, sich jetzt einen „Freedom Day“ zu wünschen, ohne die Konsequenzen zu berücksichtigen. <BR /><BR /><BR /><b>Herr Falk, die Corona-Lage scheint einigermaßen stabil zu sein, wenn auch täglich sehr viele neue Fälle dazukommen. Wie wird sich die Situation in den nächsten Tagen und Wochen entwickeln?</b><BR />Markus Falk: Man kann derzeit davon ausgehen, dass wir ab Juni mit niedrigen Inzidenzen rechnen können. Bis dahin kann es immer wieder ein Auf und Ab geben, je nachdem, wo es gerade kleinere oder größere Ausbrüche gibt. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="748196_image" /></div> <BR /><BR /><b>Werden wir auch im Sommer Masken tragen müssen?</b><BR />Falk: Die Maske wird im Sommer größtenteils verschwinden, sofern es die Infektionslage zulässt. <BR /><BR /><b>Auch in geschlossenen Räumen?</b><BR />Falk: Im Restaurant muss man jetzt schon nur beim Hineingehen eine Maske tragen. Ich gehe davon aus, dass die Maskenpflicht auch im Büro fällt. Aufgrund der Durchimmunisierung sehe ich bei Erwachsenen keinen Bedarf, in Altersheimen, Krankenhäusern usw. hingegen schon. Man bräuchte eine differenzierte Masken-Sensibilisierung. <BR /><BR /><b>Was meinen Sie damit?</b><BR />Falk: Dass die Menschen lernen, in bestimmten Situationen, etwa bei Symptomen wie Schnupfen, selbst die Maske aufzusetzen. Ich bin eher für eine Sensibilisierungskampagne: In gewissen Bereichen soll die Maskenpflicht ab Mai fallen, aber gleichzeitig sollte man fordern, dass jemand immer dann, wenn er Erkältungssymptome hat, sie aufsetzt. Sich jetzt einen „Freedom Day“ zu wünschen, ohne die Konsequenzen zu kennen, ist hingegen unfair. Weil ich damit den schwarzen Peter jenen zuschiebe, die am wenigsten mitzureden haben – den Vulnerablen. Momentan habe ich die ungute Aufgabe, auf die Maskenpflicht bestehen zu müssen. <BR /><BR /><b>Gibt es Daten, die belegen, dass Masken Leben retten?</b><BR />Falk: : Eine kürzlich erschienene wissenschaftliche Arbeit belegt, dass die Sterblichkeit mit der Omikron-Variante bei der Altersgruppe 80+ nach wie vor bei 5 Prozent liegt. Genau das kann man auch in Südtirol beobachten. Wenn die Maske wegfällt, steigt das Rt mit Sicherheit um von 0,1 bis 0,2 Punkte an. Derzeit sind wir bei 1. Dadurch würden wir 15 Todesfälle mehr pro Woche generieren. Wer jetzt die Aussetzung der Maskenpflicht fordert, sollte auch sagen, dass er zu den Todesfällen steht. Die Maske verhindert nämlich, dass ich Tröpfchen und Aerosole verteile und schützt mich auch beim Einatmen, allerdings weniger, weil viele Leute die Maske schlampig tragen. Offensichtlich ist die schützende Wirkung trotzdem da: Auch die Kellner in Restaurants tragen ihre Maske nicht immer richtig und laufen ein hohes Infektionsrisiko, dennoch beobachtet man in diesem Bereich wenige Fälle. <BR /><BR /><embed id="dtext86-53399003_quote" /><BR /><BR /><b><BR />Besteht nicht das Risiko, dass die Impfbereitschaft in Südtirol aufgrund der Lockerungen weiter sinkt?</b><BR />Falk: Da in Südtirol nur mehr 3 Prozent der Jugendlichen und Erwachsenen weder geimpft noch genesen sind, hat der Grüne Pass kaum mehr eine Bedeutung. Offen ist aber nach wie vor, wie gut ein Omikron-Genesener ohne Impfung vor der Delta-Variante geschützt ist. Erste Daten zeigen, dass dieser Schutz bescheiden ausfällt, sodass eine Impfung nach wie vor angeraten ist. Ob man diese mittels einer 2G-Pflicht einfordern soll, ist aber fraglich, da wir hier hauptsächlich von einer Gefährdung des Einzelnen und weniger der Gemeinschaft sprechen. Viele sind eingelullt von Omikron, vom Mythos, dass es weniger gefährlich wäre. Omikron greift nicht so stark die Lungen an, aber das Herz: Das kann genauso gefährlich werden. <BR /><BR /><b>Warum ist es wichtig, die Impfquote auch unter den 5- bis 11-Jährigen zu erhöhen?</b><BR />Falk: Solange das Virus noch unter den Kindern ungebremst zirkulieren kann, solange wird es auch immer wieder Durchbrüche bei den Erwachsenen geben und das Infektionsgeschehen nicht zur Ruhe kommen. In Südtirol sind etwa 39.000 Kinder unter 12 immunnaiv, d.h. sie sind weder geimpft noch genesen. In Italien hat sich ein Drittel der Eltern für die Impfung bei 5- bis 11-Jährigen entschieden, in Südtirol nur ein Fünftel. Um bei den 5-11-Jährigen das Infektionsgeschehen ausreichend zu drücken, fehlen noch etwa 12.000 Impfungen. Für die Altersklasse 0 bis 4 stünden hingegen noch an die 13.000 Infekte an, da man in dieser Klasse noch nicht impfen kann.<BR />