Donnerstag, 18. Mai 2017

WLAN an Schulen: VZS sagt „So nicht“

Die Verbraucherzentrale Südtirol (VZS) hat am Donnerstag im Rahmen einer Pressekonferenz die Ergebnisse einer Analyse vorgestellt, die zahlreiche Stellen des Gutachtens der Landesregierung über die vermeintliche Unschädlichkeit von WLAN-Netzen an Südtirols Schulen kritisiert.

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Foto: © shutterstock

2015 hatte der Landtag einen Beschluss über die Anwendung des Vorsorgeprinzips in Südtirols Schulen und öffentlichen Gebäuden verabschiedet. „Hier war auch von der Notwendigkeit einer Bestandsaufnahme der elektromagnetischen Belastung im Land durch eine Expertenkommission die Rede, aber lange Zeit hörte man nichts mehr darüber, bis gegen Ende 2016 die Landesregierung den Landtagsabgeordneten ein Gutachten vorlegte, das gerade das Vorsorgeprinzip bei Kommunikationsinstallationen (z.B. WLAN an Schulen) als unbegründet abstempelt“, schreibt die VZS in einer Aussendung.

Auf diesem Gutachten basiert mittlerweile ein Beschlussantrag, der im Frühling angenommen wurde. Dieser animierte die Landesregierung zu noch mehr Engagement in der Realisierung von Funknetzen, vor allem an Schulen. 

„Schüler sind den Risiken schutzlos ausgeliefert“

Die am Mittwoch vorgestellte Analyse bringe einige Elemente ans Licht, wie VZS-Geschäftsführer Walther Andreaus formulierte: „Das Gutachten der Landesregierung gibt den Weg frei für die Einführung digitaler mobiler Medien und WLAN an Schulen, in dem es einseitig Vorteile herausstellt, Nutzen und Risiken nicht gegeneinander abwägt und alle psychosozialen und strahlungs­verursachten Risiken als vernachlässigbar darstellt.“

Auch die Autoren der Analyse unterstützen diese Aussage: „Das Gutachten der Landesregierung verzerrt die Studienlage, enthält kein Konzept für eine Erziehung zur Medienmündigkeit. Den Abgeordneten werden pädago­gische und medizinische Studienergebnisse vorenthalten. Die Abgeordneten werden desinformiert, die Schüler schutzlos den Risiken ausgeliefert“, erklärte etwa Peter Hensinger. 

Verbraucherzentrale, Bürgerwelle und Diagnose Funk fordern nun, dass das Vorsorgeprinzip weiterhin bei jeder Entscheidung zum Thema Kommunikation und EDV-Vernetzung herangezogen werden muss. Wichtige Aufgabe der Schule bleibe die Erziehung zur Medienmündigkeit, nicht die marktwirtschaftliche Erschließung von Bildung und Familie. 

Abschließend forderte VZS-Geschäftsführer Walther Andreaus die Landesregierung auf, das Gutachten unverzüglich zurück­zuziehen und eine unabhängige Expertengruppe mit den notwendigen Kompetenzen neu einzusetzen.

stol

stol