Montag, 05. August 2019

Wo man für See- und Bergblick bezahlen muss

Das Drehkreuz vor Südtirols beliebtestem Fotomotiv, dem Ranui-Kirchlein in Villnöß, sorgt nach wie vor für heftige Diskussionen und bei so manchem der weither angereisten Urlaubsgäste für Unmut. Dabei wird bei den meisten viel besuchten Naturschauspielen im Land indirekt „Eintritt“ verlangt, über die Parkplatzgebühr – und das seit Jahren.

Der Karersee. - Foto: Landesamt für Naturparke
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Der Karersee. - Foto: Landesamt für Naturparke

Wer etwa den Karersee besichtigen will, muss seit einigen Jahren notgedrungen sein Auto auf dem gebührenpflichtigen Parkplatz abstellen – und so indirekt Eintritt bezahlen. 135.000 Euro flossen im Ausnahmejahr 2018 dadurch in die Landeskassen. Im Schnitt lägen die Einnahmen laut Agentur Landesdomäne bei rund 120.000 Euro. „Das Geld wird wieder in die Infrastruktur und den Parkplatz investiert“, so Domänen-Chef Albert Wurzer (Bild). So wird der Platz derzeit erweitert, die Kapazität auf rund 400 Stellplätze ausgebaut.

Parken gegen Gebühr

Ebenfalls auf Gebiet der Landesdomäne befindet sich der Parkplatz in Zans, der als Ausgangspunkt zahlreicher Wanderungen ins Herz des Weltnaturerbes Dolomiten dient. Derzeit hat der Tourismusverein den Parkplatz in Konzession. Wie viel man hier jährlich an Parkplatzgebühren einhebt, will man nicht preisgeben. Vermutlich dürfte der Betrag aber über den 14.330 Euro liegen, die im Vorjahr an die Landesdomäne an Konzessionsgebühren abgeführt worden sind.

Doch nicht nur im UNESCO- Weltnaturerbe Dolomiten heißt es Ticket zahlen. Auch am Zugang der Rodenecker Alm wird Parkplatzgebühr fällig. Rund 60.000 bis 70.000 Euro brutto fließen jährlich in die Kassen der Gemeinde Rodeneck. „Das Geld wird für Instandhaltung von Anfahrtsstraße, Parkplatz und Infrastruktur sowie für die Bezahlung der Parkplatzwärter verwendet“, so Bürgermeister Klaus Faller (Bild links). Ein Teil davon fließt in die Co-Finanzierung der Busverbindung zur Alm. Und die nutzten im Vorjahr immerhin 18.000 Besucher.

Ahrntal und Martell

Stolze 140.000 Euro brutto pro Jahr bringt der Gemeinde Prettau der 600 Fahrzeuge fassende Parkplatz in Kasern. „50.000 bis 60.000 Euro davon nehmen wir her, die getätigten Investitionen beim Bau des Parkplatzes, dessen Instandhaltung und die Parkplatzwärter zu finanzieren“, sagt Bürgermeister Robert Alexander Steger. Und der Ankauf des Grundes und der Bau des Parkplatzes hätten ja auch einiges gekostet. Letzterer habe jedenfalls den gesamten Talschluss beruhigt, so Steger.

Ähnlich wie im hintersten Ahrntal sieht es im hinteren Martell aus. Seit 25 Jahren wird hier von Tagesausflüglern und Wanderern, die im Auto kommen, eine Parkplatzgebühr eingehoben. Proteste gab es deswegen bislang kaum. „Die jährlich 50.000 bis 80.000 Euro werden aber ausschließlich wieder in die Infrastrukturen investiert“, sagt Bürgermeister Georg Altstätter. Zudem hätten die Installationen am Plima-Schluchtenweg einiges gekostet, und somit würden die Ausflügler, deren Zahl seit der Eröffnung des Weges gestiegen sei, mit der Parkgebühr indirekt „Eintritt“ zahlen. Er plädiere generell für Auffangparkplätze am Eingang zu den Tälern.

Situation am Pragser Wildsee

Einen solchen Parkplatz gibt es auch bei Schmieden in der Gemeinde Prags. Damit und mit einer täglichen 5-stündigen Sperrung der Zufahrtsstraße zum Pragser Wildsee will man die Situation am See beruhigen. Wie im Vorjahr wurde ein eigener Shuttle-Dienst eingerichtet. „Mit den 3 Euro, die wir dafür pro Fahrgast kassieren, schaffen wir es aber gerade mal, einen kleinen Teil der Spesen zu decken“, so Bürgermeister Friedrich Mittermair. Und zumal der Parkplatz am See in privaten Händen ist und auch der heuer neue der Fraktion gehöre, fließe auch nichts an die Gemeindekassen zurück.

Murren hält sich in Grenzen

Die Gemeinde Welschnofen will nächstes Jahr nachziehen. „Dann wird es bei uns nur mehr 3 große Parkplätze geben: bei der Umlaufbahn im Dorf, beim Paolina-Lift und beim Frommer“, sagt Bürgermeister Markus Dejori. „Auf allen gilt parken gegen Bezahlung. Und der Rest wird rigoros kontrolliert.“ Dasselbe werde die Fassaner Nachbargemeinde Vigo direkt am Karerpass einführen, so Dejori. Damit wird dann auch unter Latemar und Rosengarten indirekt Eintritt eingehoben – das Murren darüber dürfte sich aber wohl wie allerorts in Grenzen halten.

D/em

stol