Samstag, 08. Juni 2019

„Wolf muss weg!“: Großdemo in Sterzing

Bauern aus allen Landesteilen und darüber hinaus, aber auch Wolfsgegner aller anderen Bevölkerungsschichten, sind am Samstag in Sterzing auf die Straße gegangen, um gegen den Wolf zu demonstrieren. Insgesamt beteiligten sich laut den Organisatoren mehr als 1500 Menschen an der Demonstration.

Die Berglandwirtschaft wurde symbolisch zu Grabe getragen. Foto: DLife
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Die Berglandwirtschaft wurde symbolisch zu Grabe getragen. Foto: DLife

„Wolf? Nein Danke“, „Stop“, „Los vom Wolf“: Mit Plakaten, Spruchbändern, Kuhschellen und mächtig Lärm demonstrierten am Samstagvormittag zahlreiche Bauern und weitere Wolfsgegner gegen das Raubtier. Die Demonstranten waren sich einig: „Der Wolf muss weg!“. 

Nach dem Protestzug mit Traktoren am Mittwoch in Bozen ging der Aufmarsch der ländlichen Bevölkerung für ein Südtirol ohne Wölfe damit in eine eindrucksvolle zweite Runde: Mehr als 1500 Teilnehmer versammelten sich bis gegen 10 Uhr am Parkplatz der Rosskopf-Seilbahn, um gegen den Wolf zu demonstrieren. Neben Bäuerinnen und Bauern, Jungbauern und Kleintierhaltern, die aus allen Landesteilen nach Sterzing kamen, waren auch zahlreiche bäuerliche Familien bei der Kundgebung dabei. Dazu gesellten sich Delegationen von Tierhaltern aus den Nachbarregionen Tirol, Salzburg und Trentino.

Zu Grabe getragene Almwirtschaft

Ausgerüstet mit Schildern und Spruchbändern machte sich der Protestzug kurz nach 10 Uhr in Richtung Innenstadt auf. Mit Kuhglocken und Schellen wurde lautstark ein Südtirol ohne Wölfe gefordert. Zwei selbstgezimmerte Holzsärge symbolisierten die zu Grabe getragene Almwirtschaft. Angeführt wurde der mehrere hundert Meter lange Menschenzug von den Mitgliedern des Landesbauernrats mit Landesobmann Leo Tiefenthaler, Bezirksobmann Daniel Gasser und Bergbauernsprecher Alberich Hofer.

Die Almwirtschaft wurde symbolisch zu Grabe getragen. Foto: DLife

Vorbei an Stadtplatz und Theater ging es über Untertorplatz und Neustadtgasse zurück zum Stadtplatz, wo anschließend die Kundgebung mit mehreren Rednern stattfand.

„Die enorme Beteiligung zeigt, wie sehr das Thema unter den Nägeln brennt“, rief Bezirksobmann Gasser. Er brachte die Problematik auf den Punkt: „Mit dem Wolf wird es die Berg- und Almwirtschaft wie wir sie kennen, in Zukunft nicht mehr geben.“ Landesobmann Tiefenthaler betonte, dass in Südtirol die Almen noch beweidet und der ländliche Raum dicht besiedelt sind: „Bei uns hat der Wolf deshalb einfach keinen Platz!“

Klare Worte gegen Wolf

Klare Worte kamen auch von Bergbauernvertreter Hofer. „Der Wolf bedroht die Berglandwirtschaft. Diese können wir in Südtirol aber nicht wegdenken und wir wollen sie auch nicht wegdenken.“

Hofer betonte die Leistungen, die mit der Berg- und Almwirtschaft verbunden sind: „Wir produzieren hochwertige Lebensmittel und nicht Industrieware, wir pflegen eine Landschaft, um die wir überall beneidet werden und die Erholungsraum für uns und unsere Tiere ist. Das alles wollen wir auch in Zukunft haben. Deshalb geht der Wolf nicht allein die Bauern, sondern die ganze Gesellschaft etwas an.“

Die Menschen sind sich einige. Der Wolf muss weg. Foto: ast

Landwirtschafts-Landesrat Arnold Schuler begrüßte, dass so viele Bäuerinnen und Bauern zur Kundgebung kamen: „Es ist notwendig, dass man die Stimme derjenigen hört, die am meisten vom Wolf betroffen sind.“ Schuler erklärte das Ziel der Landesregierung, die traditionelle Almwirtschaft unter Schutz zu stellen. „So wie Schweden, wo große Gebiete mit Rentierhaltung wolffrei bleiben können.“ Bis dahin sei allerdings Herdenschutz notwendig, so der Landesrat, „auch wenn wir wissen, dass er nicht die Lösung ist.“

Andrea Staudacher, Bäuerin aus dem Jaufental, die kürzlich zwölf Schafe bei einer Wolfsattacke verlor, betonte, dass der Wolf auch eine Gefahr für die Familien in der Peripherie bedeute: „Wir brauchen nicht auf die Alm zu gehen, um einen Wolf zu sehen, er kommt inzwischen schon bis vor unsere Haustür.“ Sie fragte sich, wer die Verantwortung für die Kinder übernehme, wenn sie draußen sind. „Oder sollen wir unsere Kinder den ganzen Tag einsperren?“

Betroffene mit Appell 

Als betroffene Züchterin sprach Irene Stafler. Sie rief alle Mitbürger dazu auf, die Sorgen der Bauern zu verstehen. „Wenn es so weitergeht, zwingt der Wolf die Berglandwirtschaft in die Knie und mit ihr den Tourismus und in der Folge das Handwerk.“ Sie fragte: „Ist es wirklich wert, dass der Wolf auch in Südtirol verbreitet sein muss?“

Die Landtagsabgeordneten Franz Locher und Manfred Vallazza appellierten zu mehr Mut, die Alm- und Berglandwirtschaft zu schützen.

Zu einem gemeinsamen Einsatz in der Wolfsproblematik riefen Nationalrat Hermann Gahr und der Präsident der Landwirtschaftskammer Tirol, Josef Hechenberger, auf: „Wenn der Wolf heute in Südtirol ist, ist er morgen in Nord- und Osttirol“, sagte Hechenberger.

Personen aller Altersgruppen demonstrierten gegen den Wolf. Foto: DLife

Bauernbund-Landesobmann Tiefenthaler überreichte abschließend an Landesrat Schuler und die anwesenden politischen Vertreter das „Manifest für ein wolffreies Südtirol“, in dem die Forderungen des Bauernbundes zum Schutz der Almwirtschaft zusammengefasst sind: Senkung des Schutzstatus des Wolfes auf EU-Ebene, damit eine Regulierung der Populationen und die Entnahme von Wölfen möglich wird; die Anerkennung der besonderen Rolle des Südtiroler Berg- und Almgebiets für Landschaftsbild und Artenvielfalt und die Möglichkeit, dass diese sensiblen Gebiete wolffrei bleiben können, was letztlich auf ein „wolffreies Südtirol“, so das Hauptanliegen, hinausläuft.

Manifest für ein wolffreies Südtirol

In einem Manifest heißt es unter anderem, dass der Wolf die traditionelle Weidetierhaltung bedrohe. Herdenschutz sei auf den unwegsamen Almen keine Lösung, und auch nicht finanzierbar. Der Wolf sei keine vom Aussterben bedrohte Tierart. „In Südtirol ist aufgrund der dichten Besiedelung und der starken touristischen Nutzung kein Platz für den Wolf“, heißt es im Manifest für ein wolffreies Südtirol.

Der Bauernbund fordere deshalb erstens eine Senkung des Schutzstatus des Wolfes auf EU-Ebene, damit eine Regulierung des Bestands möglich werde; zweitens die Ausweisung des Südtiroler Berg- und Almgebiets als sensible Zone, um traditionelle Weidetierhaltung, offene Landschaften und Artenvielfalt zu erhalten. 

Drittens fordere man einen Managementplan, der vorsieht, dass sensible Zonen wolffrei bleiben können. Als vierter und letzter Punkt wird im Manifest die Entnahme der Wölfe gefördert. 

Das Manifest für ein wolffreies Südtirol, verteilt bei der Großdemonstration in Sterzing.

stol 

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stol