Im Interview spricht er über die Anfänge im Bergrettungsdienst und seine Erfahrungen im Zusammenspiel von Mensch und Tier.<BR /><BR /><b>Wie begann Ihre Tätigkeit bei der Bergrettung? </b><BR />Wolfgang Kinigadner: 1978 bekam ich meinen ersten Hund, einen Schäferwelpen namens Rocky. Das war eher ein Zufall, da mir ein Bekannter sagte, wo ich einen passenden Welpen finden könnte. Schon damals spielte ich mit dem Gedanken, eine Ausbildung zum Hundeführer zu machen. Bereits 1979 startete der erste Kurs für Lawinenhundeführer, an dem ich teilnahm. Bei den darauffolgenden Kursen waren Ausbildner aus der Schweiz, Österreich und Deutschland beteiligt, aber auch Südtiroler Hundeführer. <BR /><BR /><b>Wie waren die ersten Jahre als Hundeführer, und wie hat sich die Tätigkeit verändert? </b><BR />Kinigadner: Die Hunde wurden, wie heute, für Lawinen- und Suchaktionen im Sommer und Winter eingesetzt. Zu Beginn wussten wir vieles noch nicht, wir mussten ausprobieren und aus Erfahrungen lernen. In Brixen war ich zunächst allein, später kam mit Michaela Krause die erste Frau dazu. Anfangs waren die Hundeführer für das ganze Land zuständig, die Aufteilung in Bezirke erfolgte erst später. Rasch wurde klar, dass es mehr Hundeführer braucht, und wir haben intensiv nach Verstärkung gesucht. Heute haben wir im Bezirk eine engagierte, gut eingespielte Gruppe. Auch die Übungen haben sich verändert: Sie finden häufiger statt, was für den Ernstfall unerlässlich ist. Im Laufe der Jahre haben wir auch Kontakte ins Ausland aufgebaut: zum Erfahrungsaustausch wie für die Kameradschaft. Die Ausbildung ist strukturierter geworden: Zuerst erfolgt die rettungstechnische Grundausbildung, danach die Spezialisierung zum Hundeführer mit vielen Fortbildungsstunden.<BR /><BR /><b>Sie hatten im Laufe der Jahre mehrere Hunde. Wie haben sie sich unterschieden?</b><BR />Kinigadner: Rocky, mein erster Hund, war ein Schäfer und überall mit dabei. Wir haben viele Skitouren gemacht. Innerhalb der Familie war er, wie alle unsere Hunde, bestens integriert. Er wurde 14 Jahre alt, was ein beachtliches Alter ist. Danach kam Askan, ebenfalls ein Schäfer, aus dem Vinschgau, der 13 Jahre alt wurde. Rika war unsere erste Hündin, sehr fein und lieb, die jedoch nach 9,5 Jahren aus gesundheitlichen Gründen starb. Tommy, ein Border-Collie-Mischling, war ein geborener Suchhund und ging sehr fein mit Kindern und Menschen um. Seit zwei Jahren begleitet uns Lina, ebenso ein Border-Collie-Mischling.<BR /><BR /><b>Welche Eigenschaften sollte ein Suchhund haben?</b><BR />Kinigadner: Auch hier hat sich Vieles entwickelt. Früher dachte man, insbesondere Schäferhunde seien geeignet, weil sie besonders robust seien. Heute weiß man, dass auch kleinere Rassen Vorteile haben: Sie sind oft ausdauernd und verfügen über einen ausgeprägten Such- oder Jagdtrieb. Wenn man bedenkt, dass Hunde teilweise mit Seilwinden oder im Hubschrauber transportiert werden, ist das durchaus relevant. Entscheidend ist aber vor allem die Beziehung zwischen Hund und Hundeführer. Der Hund sollte einen guten Spieltrieb haben, gutmütig sein und sich auch mit anderen Hunden verstehen. Früher setzte man vor allem auf Rüden, heute werden auch Hündinnen ausgebildet. Der Einsatz hängt dann von verschiedenen Faktoren ab.<BR /><BR /><b>Wenn Sie an die Einsätze zurückdenken: Was ist wichtig, und was hat sich verändert?</b><BR />Kinigadner: Das Zusammenspiel ist das Um und Auf. Man muss den Hund genau kennen, der Hund muss den Hundeführer kennen. Regelmäßige Übungen sind wichtig, damit sich der Hund an diese Situationen gewöhnt und konzentriert arbeiten kann. Wenn ich an die Anfangszeit denke, gab es deutlich mehr Lawineneinsätze. Vielleicht lag das am Schnee, aber auch daran, dass Tourengeher heute besser ausgebildet sind und über bessere Ausrüstung verfügen. Die Sommereinsätze haben sich durch das Handy deutlich verändert, weil die Ortung dadurch viel einfacher geworden ist.<BR /><BR /><b>Welchen Tipp geben Sie Hundebesitzern oder zukünftigen Hundeführern?</b><BR />Kinigadner: Mir war es immer wichtig, mit einem Welpen zu beginnen, um den Hund von Anfang an kennenzulernen. Schon davor habe ich beobachtet, wie er auf Spielzeug oder Futter reagiert und wie er sich im Umgang mit Mensch und Tier verhält. Entscheidend sind dann Zeit, Geduld und der Aufbau von Vertrauen. Der Hund braucht ausreichend Platz und Bewegung sowie eine klare Bezugsperson. Auch das Umfeld muss mitziehen: Familie, Nachbarn, Kinder. Mit einem Hund verändern sich die Prioritäten, etwa bei der Urlaubsplanung. Ganz wichtig ist der Rückhalt der Familie. Auch Einsätze können belastend sein, das muss gemeinsam getragen werden. Unsere Hunde waren immer Teil unseres Lebens, wir haben mit ihnen gelebt und um sie getrauert. <h3> Lebenslauf</h3>Wolfgang Kinigadner wurde 1953 geboren. Nach seiner Tätigkeit als Zimmermann war er 22 Jahre Lehrer an der Berufsschule in Bruneck. Von 1979 bis 2025 war er in der Bergrettung tätig und engagierte sich in der Ausbildung von Hundeführern auf Bezirks- und Landesebene. Der Vater von vier Kindern und Großvater von drei Enkeln bewirtschaftet mit seiner Frau Hermine den „Bachbauer“-Hof in Vahrn.