Montag, 21. Juni 2021

Wolfsrisse auf der Dachsalm: Züchter holen Tiere von der Weide

Vor 3 Wochen hatten die Züchter ihre Schafe auf die Dachsalm am Brenner gebracht, am Sonntag trieben sie die Herde wieder ab. „Wir haben in dieser kurzen Zeit schon über ein Dutzend Tiere an den Wolf verloren, so kann es nicht weitergehen“, klagt Paul Reiterer, einer der geschädigten Züchter, deren Herz am weißen Tiroler Bergschaf hängt.

Der Wolf hat wieder zugeschlagen.
Groß ist der Schmerz beim Anblick der Tiere, die einer der Züchter am Freitagmorgen arg zugerichtet auf der Alm fand. Sie starben einen qualvollen Tod. 11 Schafe hatte der Wolf gerissen, 3 verletzt – sie mussten notgeschlachtet werden – und 5 Stück waren unauffindbar.

Das ist die traurige Bilanz eines Almsommers, der nur 3 Wochen dauerte. Dass der Wolf hinter den Rissen steckt, war schnell klar und wurde auch von den Förstern bestätigt. Letzte Gewissheit sollen die DNA-Proben geben, die am Samstag genommen wurden. Vor Ort war auch der Amtstierarzt, der die Notschlachtung der verletzten Tiere veranlasste.






Die Dachsalm nutzten 6 Züchter seit einigen Jahren gemeinsam für die Reinzucht. Sie stammen aus dem Eisack- und Wipptal; Reiterer ist Möltner und Burggräfler Bezirksobmann im Südtiroler Kleintierzuchtverband. 110 Tiroler Bergschafe mit gekörten Widdern hatten die Züchter heuer aufgetrieben, keine 100 sind verblieben. In der selben Nacht soll es auch in Pfitsch zu Rissen gekommen sein.


„Wir züchten nicht für den Wolf und wollen nicht noch mehr Schafe opfern“, klagt Reiterer. Er ist aufgebracht, weil die Politik nicht handelt. So entschieden sich die Züchter für den frühen Abtrieb – zum Schutz ihrer Tiere. So entschieden sich die Züchter für den frühen Abtrieb – zum Schutz ihrer Tiere.

Aber wohin mit ihnen? Diese Frage stellt sich jetzt. Auf einer anderen Alm wartet vielleicht schon der nächste Wolf. „Sicher sind die Tiere nur daheim im Stall, aber das darf – bei der Sommerhitze – nicht die Lösung sein“, sagt Reiterer. Da würden die Tiere nur leiden: Tiere gehörten im Sommer auf die Weide.

Die Gefahr von Wolf und Bär besteht für die Weidetiere schon seit Jahren, und Reiterer ist überzeugt: Es wird nicht besser. Der Schutz der Beutegreifer stehe über dem Schutz der Nutztiere, für die Reiterer so aber keine Zukunft sieht. „Sollen doch die Tierschützer auf die Dachsalm gehen und die Kadaver der gepeinigten und zerfleischten Tiere holen“, fordert er.

Unter diesen Vorzeichen sieht Reiterer den Fortbestand der Kleintierzucht in Gefahr und kündigt an, dass der heurige Almauftrieb der letzte gewesen sein wird – für ihn und wohl auch für die anderen Züchter der Gruppe.

br

Alle Meldungen zu: