Freitag, 26. Januar 2018

Wolkenstein: Eiskletterer tot gefunden

Der seit Mittwochnachmittag vermisste Eiskletterer aus Deutschland wurde am Freitag von der Bergrettung Gröden tot aufgefunden.

Schwierigste Bedingungen für die Bergretter. - Foto: Bergrettung Gröden
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Schwierigste Bedingungen für die Bergretter. - Foto: Bergrettung Gröden

Jetzt ist es traurige Gewissheit. Der 22-jährige kletterbegeisterte Mann, der am Mittwoch im Grödner Langental von einer Lawine mitgerissen wurde, ist tot.

Franz Xaver Mayr. - Foto: Blog/Franz Xaver Mayr

Franz Xaver Mayr aus Uffing am Staffelsee wurde von den Suchtrupps der Bergrettung am Freitag gegen 10 Uhr mittels Recco-Handsuchgerät gefunden, erklärte Hubert Moroder von der Bergrettung Gröden gegenüber STOL. Er war unter einer Schneedecke von rund drei Metern begraben.

Die Sicht auf die Unfallstelle vom Rettungshubschrauber Aiut Alpin. - Foto: Bergrettung Gröden

Die Fundstelle war etwas unterhalb des Einstieges zum Klettersteig, oberhalb des Wasserfalls in einer Höhle. Der Mann sei von der Lawine dort hineingedrückt worden, erklärt Moroder. Die Lawine sei rund 250 Meter oberhalb des Fundortes abgegangen und dann noch weitere 400 Meter zu Tal gedonnert.

Der junge Kletterer hatte nicht den geringsten Hauch einer Chance.

Äußerst schwierige Bedingungen

Die Suche gestaltete sich äußerst schwierig, erklärt Moroder gegenüber STOL. Das Gelände ist sehr steil, die Bergretter waren mit Steigeisen ausgerüstet und wurden mit 4 Seilen abgeseilt und gesichert.

Foto: Bergrettung Gröden

Außerdem sei der Schnee sei so hart gewesen, dass die Retter nicht mit Schaufeln graben konnten, sondern mit Hilfe von Harken. Nachdem sie etwa einen Meter tief gegraben hatten, empfing das Recco-Suchgerät endlich ein schwaches Signal. Nach weiteren zwei Metern endlich wurden die Männer fündig.

Der Leichnam wurde in die Leichenkapelle in Wolkenstein gebracht.

7 Mann der Bergrettung im Einsatz

Wie der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Anton Mussner gegenüber STOL erklärte, suchten am Freitagfrüh rund 7 Mann der Bergrettung Gröden seit etwa 8 Uhr weiter nach dem Mann. Die Bergretter wurden laut Mussner vom Rettungshubschrauber Aiut Alpin zur Einsatzstelle geflogen. Die Suche konzentrierte sich auf den oberen Teil der Eisrinne.

Die Bergretter waren wieder mit den Recco-Handsuchgeräten und auch mit Metalldetektoren ausgerüstet, da der Eiskletterer Karabiner und Eisschrauben am Körper trage.

Die Chronologie der Ereignisse

Wie berichtet waren am Mittwoch zwei deutsche Eiskletterer zwischen 15 und 16 Uhr dabei, einen Eisfall am Ende des Langentales in der Zone „Val dai Ciavei“ zu besteigen.

Als einer der Kletterer den Kameraden beim Abstieg behilflich war, kam es zu einem Lawinenabgang. Während sich sein 30-jähriger Bergfreund noch rechtzeitig einhängen konnte, wurde der zweite mitgerissen und verschüttet.

Die sofort alarmierten Einsatzkräfte begannen umgehend mit der Suche des Verschütteten.? Bis spät in die Nacht suchten die Rettungskräfte am Mittwoch fieberhaft nach dem jungen Mann. Die Suche erwies sich als besonders schwierig, da sich der Unfall in einem schwer zugänglichen Gelände zugetragen hat. 

Der Kletterer, der sich retten konnte, wurde vom Pelikan 1 mit leichten Verletzungen ins Krankenhaus von Bozen geflogen.

Suche am Donnerstag wieder aufgenommen

Seit 6.30 Uhr war die Suche am Donnerstag wieder im Gange. Im Einsatz standen die Bergrettung von Gröden, die Lawinenhundeführer des AVS und des CAI, die Freiwilligen Feuerwehren von Wolkenstein und St. Christina und die Carabinieri des Ausbildungszentrums Langental.

Wie der Kommandant der FFW Wolkenstein Anton Mussner gegenüber STOL am Telefon erklärte, überflog der Helikopter den Lawinenkegel und hatte Bergretter abgeseilt.

Die Lawine sei am Steviaberg, am Anfang der "Val di Ciavei" abgegangen und über die Eisrinne, wo sich die Kletterer befanden, in Richtung "Plan de la Ciajota" rund 600 bis 800 Meter ins Langental gedonnert. Die Breite der Lawine beträgt rund 100 bis 150 Meter, so Mussner.

Seit 7.30 Uhr suchte auch der Rettungshubschrauber Aiut Alpin, ausgestattet mit dem RECCO-Suchgerät, weiter nach dem Mann. 

Bedingt durch die warmen Temperaturen wurde die Situation für die Retter aber zu gefährlich. Weitere Lawinenabgänge seien möglich, sagte Kommandant der FFW Wolkenstein Anton Mussner. Die Suche musste deshalb gegen halb 10 Uhr vorübergehend eingestellt werden.

RECCO-Suchgerät 

Gegen 11 Uhr wurde die Suche aber wieder aufgenommen werden. Laut Mussner habe das RECCO-Suchgerät des Aiut Alpin gegen kurz nach 11 Uhr an 3 Orten am Ende des Lawinenkegels angeschlagen.

14 Mann der Bergrettung und 10 Mann der Feuerwehr waren zu jenen Stellen unterwegs. Ausgerüstet waren die Suchtrupps mit 2 Handsuchgeräten und Schaufeln. Gesucht wurde bis circa 21 Uhr.

Schlimmsten Befürchtungen sind eingetreten

Am heutigen Freitag wurde die Suche wieder aufgenommen. Die schlimmsten Befürchtungen haben sich bewahrheitet. Der junge Mann aus Bayern konnte nur noch tot gefunden werden.

Franz Xaver Mayr war leidenschaftlicher Kletterer, seine zahlreichen Erlebnisse und Abenteuer postete er regelmäßig auf seinem persönlichen Blog.

stol/pas/vs

stol