Mittwoch, 06. Juli 2016

Wollte seine Frau verteidigen: Flüchtling erschlagen

Ein Flüchtling aus Nigeria ist bei einem rassistischen Überfall in Fermo in den Marken auf offener Straße getötet worden. Der Angreifer wurde wegen Mord unter bedingtem Vorsatz angezeigt.

Foto: © shutterstock

Emmanuel Chidi Namdi war am Dienstag mit seiner Frau unterwegs, als sie von einem Fußballfan zunächst verbal rassistisch angepöbelt wurden: Der Italiener nannte sie "afrikanischen Affen", anschließend versetzte er der 24-Jährigen einen Stoß, berichtet die italienische Nachrichtenagentur Ansa.

Bekannter des Angreifers als Augenzeuge in Ermittlungen aufgenommen

Um seine Frau zu verteidigen, habe Namdi einen Pflock genommen und den bereits polizeibekannten Angreifer damit geschlagen. Der Fußballfan soll daraufhin erneut angegriffen haben und dem Flüchtling so fest ins Gesicht geschlagen haben, dass dieser zu Boden ging. Dann soll der 35-jährige Italiener weiter auf den Mann aus Nigeria eingeschlagen haben.

Der Asylbewerber fiel ins Koma, am Mittwoch starb er im Krankenhaus, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben. Die Gewalttat habe sich bereits am Dienstag ereignet.

Der Angreifer, der in der Vergangenheit Stadion-Verbot erhalten hatte, wurde sofort auf freiem Fuß wegen Mord unter bedingtem Vorsatz angezeigt. Ein Freund des Angreifers wurde als Zeuge in die Ermittlungen eingeschlossen.

Der Bürgermeister der Stadt, Paolo Calcinaro, zeigte sich schockiert. „Ich habe das Gefühl, in einem Albtraum zu sein“, sagte er der Agentur. Seine Stadt wolle für Migranten offen und aufgeschlossen sein.

Der Verstorbene hatte mit seiner Frau seit acht Monaten in der Gegend gelebt; untergebracht war er zuletzt in einem Heim der Caritas. Sie waren aus ihrer Heimat geflüchtet, nachdem sie ihre Angehörigen bei einem Angriff der terroristischen Organisation Boko Haram verloren hatten, berichtet Ansa.

Vertreter der Regierung reisen nach Fermo

Regierungspräsident Matteo Renzi zeigte sich solidarisch: Auf Twitter erklärter er, die Mitglieder der Regierung wollen nach Fermo reisen, in Andenken an Namdi: "Gegen den Hass, gegen den Rassismus und gegen die Gewalt."

Unter anderem wird Innenminister Angelino Alfano anreisen, um einem einberufenen Ordnungs- und Sicherheitskomitee vorzustehen.

stol/liz/apa/afp

stol