Samstag, 26. Juni 2021

Womöglich islamistisches Motiv für Bluttat in Würzburg

Die Frage nach dem Motiv für die tödliche Messerattacke in Würzburg steht am Samstag im Mittelpunkt . Nun gibt es offenbar neue Hinweise.

Der Schock sitzt tief: Würzburger legen Kerzen und Blumen für die Opfer  nieder.
Der Schock sitzt tief: Würzburger legen Kerzen und Blumen für die Opfer nieder. - Foto: © APA/dpa / Karl-Josef Hildenbrand
Einen Tag nach der Würzburger Messerattacke hieß es am heutigen Samstag aus Sicherheitskreisen, dass der mutmaßliche Täter bei seiner Vernehmung eine Äußerung gemacht habe, die auf religiösen Fanatismus schließen lasse.

Demnach gebe es offenbar Hinweise auf ein islamistisches Motiv des Angreifers. Allerdings schließen die Ermittler nach wie vor auch eine psychische Erkrankung als Hintergrund der Tat nicht aus. Ein Zeuge soll angegeben haben, dass der Verdächtige habe bei der Tat „Allahu Akbar“ (deutsch: Gott ist groß) gerufen.

Hinweise auf Kontakte zu militanten Salafisten gibt es dem Vernehmen nach bisher jedoch nicht. Der Angreifer soll 1997 in der somalischen Hauptstadt Mogadischu geboren sein. Er kam 2015 nach Deutschland. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur erhielt der Somalier subsidiären Schutz.

2 Menschen weiterhin in Lebensgefahr

Fest steht: Der Täter tötete mindestens drei ihm offensichtlich unbekannte Menschen und verletzte 5 schwer. 2 von ihnen befinden sich weiter in Lebensgefahr. Zudem gab es zwei Leichtverletzte, die laut Polizei nicht mehr im Krankenhaus sind. Ob der Mann weitere Menschen verletzte und welche Identität alle Opfer haben, wurde bisher nicht bekannt.

Der Somalier wurde nach dem Verbrechen in einem Kaufhaus, einer Bank und auf der Straße von der Polizei angeschossen und festgenommen. Am Samstagnachmittag wollen die Ermittler der Öffentlichkeit weitere Erkenntnisse präsentieren.

Bundesinnenminister Seehofer tief erschüttert

„Ich bin von dieser unfassbar brutalen Tat tief erschüttert“, sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). Seine Gedanken seien bei den Opfern und ihren Angehörigen. Eine abschließende Bewertung des Tatmotivs sei noch nicht möglich.

„Nach allem, was wir wissen, ist es dem couragierten Eingreifen mutiger Männer und Frauen in Würzburg und dem entschlossenen Handeln der Polizei zu verdanken, dass noch Schlimmeres verhindert wurde“, sagte Seehofer. Dieses selbstlose und mutige Handeln „unter Einsatz ihres eigenen Lebens verdient höchste Anerkennung“.

Ministerpräsident Söder kündigte für Bayern eine Trauerbeflaggung an. „Die Ereignisse sind unfassbar und schockierend“, sagte er in Nürnberg. Bayern trauere um die Opfer. „Wir bangen, beten und hoffen mit den Verletzten und den Angehörigen.“ Besonders dankte Söder den Bürgern, die am Freitag versucht hätten, den Täter zu stellen und in Schach zu halten: „Das war ein ganz beeindruckendes Engagement.“

Täter war polizeibekannt

Die Polizei war in der Nacht auf Samstag nach eigenen Angaben mit zahlreichen Einsatzkräften in der bayerischen Universitätsstadt am Main unterwegs, um die Hintergründe und den Ablauf der Tat zu klären. Der 24-Jährige soll seit etwa 5 Jahren in Deutschland leben und zuletzt in Würzburg in einer Obdachlosenunterkunft gewohnt haben.

Er war bereits vor der Attacke polizeibekannt, allerdings nicht wegen islamistischer Umtriebe. Herrmann zufolge war der Mann nach gewalttätigen Übergriffen zwangsweise in psychiatrischer Behandlung.

Der Mann kam nach einem Schuss aus einer Polizeiwaffe am Freitagabend verletzt in ein Krankenhaus. Dort machte er laut Polizei auch Angaben. Was genau er sagte, wollten die Ermittler zunächst nicht verraten. Unklar ist etwa, ob dem Verdächtigen bereits ein Haftbefehl eröffnet wurde und ob er in ein Gefängnis verlegt werden kann.

Würzburger gedenken der Opfer


In der Universitätsstadt herrscht auch am Tag danach Entsetzen. Menschen stellten in der Nähe des Tatorts brennende Kerzen in Gedenken an die Opfer auf. In den Blickpunkt gerieten auch die couragierten Bürger, die sich dem Angreifer in den Weg stellten.

Dank kam unter anderem von vielen Politikern, die offensichtlich die kurzen Videoclips in sozialen Netzwerken gesehen hatten, in den Passanten den Somalier attackierten.



apa/stol