Donnerstag, 19. Mai 2016

Wrackteile von Egyptair-Flug MS804 entdeckt

Der Egyptair-Flug MS804 von Paris nach Kairo ist mit 66 Menschen an Bord über dem Mittelmeer abgestürzt und zerschellt. Wrackteile des Airbus A320 seien am Donnerstagabend im Meer bei der griechischen Insel Karpathos geortet worden, teilte die Fluggesellschaft am Donnerstag auf dem Kurznachrichtendienst Twitter mit.

War es ein Terroranschlag?
War es ein Terroranschlag? - Foto: © APA/AFP

Aus dem griechischen Verteidigungsministerium hieß es dagegen, das Gebiet, in dem die Wrackteile gefunden wurden, sei rund 200 Seemeilen südöstlich von Karpathos, also rund 70 Seemeilen vor der ägyptischen Küste. Von Überlebenden wurde nichts bekannt.

Frankreichs Präsident François Hollande sprach von der Möglichkeit eines Unfalls oder eines terroristischen Hintergrunds – keine Schlussfolgerung sei auszuschließen.
Ägyptens Regierung hielt einen Terroranschlag für plausibler als ein Unglück.

Die Umstände wiesen darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit eines Anschlags wesentlich höher sei als ein technischer Fehler, sagte Luftfahrtminister Scherif Fathi am Nachmittag.

Das Flugzeug war etwa zehn bis fünfzehn Seemeilen im ägyptischen Luftraum in einer Höhe von 37.000 Fuß (knapp 11.300 Meter) ins Trudeln geraten, wie der griechische Verteidigungsminister Panos Kammenos sagte.

„Dann machte es eine Drehung von 90 Grad nach links und danach eine andere Drehung von 360 Grad nach rechts und fiel auf eine Höhe von 15.000 Fuß. Sein Radarbild verschwand auf einer Höhe von 10.000 Fuß“, sagte Kammenos, der von einem Absturz ausging. Einen Notruf setzten die Piloten nicht mehr ab.

Ein Flugzeug gerät ins Trudeln, wenn der Auftrieb an den Tragflächen abreißt. Das Flugzeug dreht sich dann unter schnellem Höhenverlust immer wilder um die eigenen Achse.

Für das Trudeln kann es verschiedene Gründe geben – dass es kein Notsignal gab, spricht aber für ein plötzliches Ereignis wie etwa eine Explosion, sonst hätte die Cockpit-Crew wohl ein Notsignal gesendet. Sowohl in Ägypten als auch in Frankreich nahmen die Staatsanwaltschaften Ermittlungen auf.

Der Airbus war nach Angaben des Flughafens Charles de Gaulle um 23.21 Uhr am Mittwoch in Paris losgeflogen. Gegen 2.30 Uhr am Donnerstag – eine gute halbe Stunde vor der geplanten Ankunft in Kairo – verschwand er vom Radar. Das Flugzeug war zu dieser Zeit südöstlich der griechischen Insel Kreta und etwa 280 Kilometer vom ägyptischen Festland entfernt.

Angehörige der Passagiere harrten am Donnerstag am Flughafen Kairo aus und wurden dort betreut. Betroffenen Familien im Ausland bot Ägypten an, sie kostenlos nach Kairo zu fliegen.

Die Piloten von Flug MS804 hatten sich nach Angaben des Chefs der griechischen zivilen Luftfahrtbehörde noch gegen 1.55 Uhr (MESZ) normal bei den griechischen Behörden gemeldet und keine Probleme erwähnt.

Beim Verlassen des griechischen Luftraums hätten sie sich aber nicht mehr gemeldet – wie es üblich gewesen wäre. An Bord waren 56 Passagier, vor allem Ägypter und Franzosen, sowie 3 Sicherheitsleute und sieben Besatzungsmitglieder.

dpa

stol