Hier die dramatische Geschichte seiner Flucht.<BR /><BR />Wilens Mutter lebt in Bruneck, ist dort verheiratet. Und auch Wilen hat viele Jahre in Südtirol gelebt, hier die Schule besucht, bevor er sich entschloss, zu seinen Großeltern nach Kiew zu ziehen. „Mein Leben ist in der Ukraine, dort habe ich meine Freunde, mein Zuhause“, sagt er. Doch der Krieg hat ihn dazugebracht, das alles hinter sich zu lassen. Wilen hat einen italienischen Pass, nur so war es ihm möglich, die Ukraine zu verlassen. Ukrainische Männer zwischen 18 und 60 dürfen bekanntlich nicht ausreisen. <BR /><BR />In Kiew hat er im Stadtzentrum gewohnt, wo es bislang noch vergleichsweise ruhig ist. „Die Raketen schlagen noch außerhalb des Stadtzentrums ein. Aber die Explosionen und Schüsse, die hört man den ganzen Tag, auch in geschlossenen Räumen“, berichtet er. „Putin sagt, er greife nur militärische Strukturen an. Aber das stimmt nicht. Es werden Wohnhäuser und Schulen und andere zivile Einrichtungen beschossen, alles wird bombardiert, die Soldaten machen alles kaputt“, erzählt er. Er könne das Ausmaß und seine Gefühle gar nicht schildern, dazu fehlten ihm die Worte. „Der Bruder eines Freundes wollte mit dem Auto nach Kiew fahren, Soldaten haben ihn auf der Straße angehalten und erschossen, einen einzelnen Zivilisten, ohne Waffe“ – der Tod ist mittlerweile allgegenwärtig in der Ukraine. Und auch die Zerstörung. Vieles hat der 18-Jährige auf der Fahrt an die Grenze gesehen: „Was man im Fernsehen an Bildern zu sehen bekommt, das zeigt vielleicht die Hälfte der tatsächlichen Zerstörung. Es ist alles viel schlimmer, als die Berichte zeigen“, weiß er daher. <BR /><BR />Die vergangenen Tage war die Angst sein ständiger Begleiter. „Natürlich hat man Angst. Ich bin froh, dass sie uns nicht im Bus erschossen haben“, so Wilen. <BR /><BR />Gerechnet hat er wie die meisten Ukrainer nicht mit dem Einmarsch der Russen. „Das war eine schreckliche Überraschung für uns alle. Am ersten Tag um 5 Uhr in der Früh haben wir in Kiew die erste Bombe einschlagen gehört – und dann haben die Sirenen aufgeheult. Wir haben gar nicht gewusst, was das bedeuten soll“, erinnert er sich. In die Trauer mischt sich Wut und Unverständnis: „Wir haben doch nichts gemacht, die Menschen in den Städten, die nun bombardiert werden, haben doch nichts getan.“ So sehr er es sich auch wünscht, an ein schnelles Ende des Krieges glaubt er nicht wirklich. „Ich weiß nicht, wie lange das gehen wird. Die Ukraine bekommt Hilfe, auch Geld und Waffen. Das hilft schon. Aber egal wie viel Hilfe wir bekommen werden, Putin beeindruckt das nicht“, meint Wilen. Keiner weiß, wie viele Menschen in den vergangenen Tagen ihr Leben bereits verloren haben. Auch das scheint Putin nicht zu interessieren, sagt Wilen. Ein Beispiel sei der Angriff auf das Atomkraftwerk in Saporischschja. „Getroffen wurde nur ein Nebengebäude, nicht der Reaktor. Wäre der getroffen worden, würden wir jetzt nicht mehr telefonieren“, sagt Wilen. <BR /><BR />Was er sich wünscht? „Dass die Leute nicht mehr sterben.“<BR />