„Das Bedürfnis nach Aufklärung ist gewaltig“, sagte Nuzzi in einem Interview des Bonner „General-Anzeiger“ (Montag), aus dem die deutsche katholische Nachrichtenagentur KNA zitierte. Der Journalist hatte mit seinen Veröffentlichungen den Skandal um den Diebstahl von vertraulichen Papieren aus dem päpstlichen Arbeitszimmer ins Rollen gebracht.Vor allem diejenigen Kardinäle, die aus dem Ausland kommen und nicht an der Kurie tätig sind, wollten nun den Inhalt des Dossiers wissen, den eine zur Aufklärung der Affäre eingesetzte Kardinalskommission erarbeitete habe, so Nuzzi weiter. Zugleich sagte der Journalist, die herrschenden Verhältnisse an der päpstlichen Kurie seien einer Aufarbeitung der Geschehnisse wenig dienlich. „Nirgendwo ist die Angst, die Wahrheit ans Licht kommen zu lassen, so groß wie im Vatikan.“Lager spielen bedeutende RolleZur bevorstehenden Papstwahl werden nach Ansicht Nuzzis verschiedene Lager um einflussreiche Kirchenmänner eine besondere Rolle spielen. Als einen der „stärksten Pole“ bezeichnete der Journalist Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone. „Für ihn ist Macht ein Selbstzweck, sie ist sein einziges Ziel.“Bedeutsam sei auch die Riege der Diplomaten, die sich um Kardinaldekan Angelo Sodano scharen würden. Dann existiere beispielsweise auch eine „Genua-Connection“, zu denen Kardinal Mauro Piacenza gehöre, der bereits als Nachfolger Bertones gehandelt werde.Alle Gruppen hätten „verschiedene Vorstellungen von Politik, von der katholischen Lehre und sie ringen um Einfluss“, so Nuzzi. Von Bedeutung seien darüber hinaus auch Gruppierungen wie Opus Dei, die Legionäre Christi oder die Laienbewegung „Comunione e Liberazione“.Er persönlich wünsche sich, dass weder der künftige Papst noch sein Kardinalstaatssekretär Italiener sein werden, schloss Nuzzi: „Die italienischen Kardinäle sind allesamt viel zu sehr verstrickt in den Sumpf.“apa