Donnerstag, 18. Juni 2015

WWF: Deutsche verschwenden jedes Jahr Millionen Tonnen Lebensmittel

In Deutschland landen pro Jahr 18 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Das schätzt die Umweltstiftung WWF in einer Studie. „Im Schnitt werfen wir jede Sekunde 313 Kilo genießbare Nahrungsmittel weg“, erklärte WWF-Ernährungsexpertin Tanja Dräger de Teran am Donnerstag in Berlin. Die Menge entspreche fast einem Drittel des deutschen Nahrungsmittelverbrauchs.

18 Millionen Tonnen Lebensmittel landen pro Jahr in Deutschland im Müll.
18 Millionen Tonnen Lebensmittel landen pro Jahr in Deutschland im Müll. - Foto: © shutterstock

Übrig gebliebenes Brot beim Bäcker oder Reste vom Buffet im Hotel: Das ist beim Lebensmittelabfall in Deutschland nur die Spitze des Eisbergs, wie eine Studie des WWF zeigt.

In der Studie „Das große Wegschmeißen“ wurden mehrere vorhandene Untersuchungen zusammengeführt. Beleuchtet wird die Menge der Verluste während der gesamten Kette vom Acker bis hin zum Verbraucher. Während Lebensmittel in ärmeren Ländern bereits bei der Ernte, bei Transport und Lagerung verloren gingen, sei das bei reichen Ländern eher am Ende der Kette der Fall, beobachten die Autoren. Knapp 40 Prozent des Mülls falle in Deutschland in Privathaushalten an, hinzu kämen unter anderem Verluste bei der Produktion sowie in der Gastronomie.

Der Großteil dieser Verschwendung lasse sich vermeiden, etwa durch bewussteres Einkaufen. 

Würden Landwirtschaft, Handel und Verbraucher gemeinsam Abfälle vermeiden, ergebe sich ein „signifikanter Beitrag zum Ressourcen- und Klimaschutz“, sagte Träger de Teran. Denn etwa Treibhausgasemissionen durch Düngung, Transport und Kühlung fielen für die weggeworfenen Lebensmittel vergeblich an. Der verschwendete „riesige Essensberg“ befeuere damit den Klimawandel.

Gerade bei Kleinverbrauchern gelten viele Abfälle laut WWF als vermeidbar, vor allem bei Brot sowie Obst und Gemüse: „Bewusst einkaufen, frisch kochen und richtig lagern – so wirft man weniger weg“, empfiehlt Fernsehkoch Christian Rach im Vorwort zur Studie.

Schon 2011 ging etwa der Film „Taste the waste“ den Müllbergen aus Lebensmitteln auf die Spur. Seitdem haben sich einige Initiativen gebildet: Auf Internetplattformen wie „Foodsharing.de“ geben Nutzer übrig gebliebene Nahrungsmittel gratis ab. Öffentlich zugängliche Kühlschränke sieht die Freiwilligen-Initiative VoluNation im Kommen: Diese teilte mit, im deutschsprachigen Raum seien mehr als 7500 freiwillige „Essensretter“ im Einsatz, die bisher rund 200 Schränke mit nicht mehr verkäuflichen Produkten aus dem Handel füllten.

dpa

stol