Freitag, 16. Juli 2021

X-Jam erstellt neues Sicherheitskonzept für Maturareisen

Nach Übergriffen und Missbrauchsvorwürfen auf der diesjährigen X-Jam-Maturareise in Kroatien - ein Security-Mitarbeiter wurde wegen mehrfacher sexueller Belästigung angezeigt, gegen einen 19 Jahre alten Teilnehmer wird wegen Vergewaltigung einer jungen Oberösterreicherin ermittelt - krempelt der Veranstalter sein Sicherheitskonzept um. Das kündigte X-Jam-Geschäftsführer Alexander Knechtsberger am Freitag im Interview mit der APA an.

X-Jam-Geschäftsführer Alexander Knechtsberger kündigte ein neues Sicherheitskonzept für die X-Jam-Maturareisen an. - Foto: © HELMUT FOHRINGER
Demnach werden Sicherheits- und Ordnerdienste zukünftig ausschließlich Mitarbeiter von professionellen Security-Firmen verrichten. Sogenannte Volunteers - Freiwillige, oftmals Studenten, die bisher für niederschwellige Tätigkeiten herangezogen wurden und aufgrund des geringen Altersunterschieds Maturantinnen und Maturanten auf Augenhöhe begegnen konnten - wird Knechtsberger nicht mehr einsetzen.

Das Volunteering habe in den vergangenen 20 Jahren gut funktioniert, es habe nie Beanstandungen gegebenen, betonte Knechtsberger. Aus dem Umstand, dass heuer ein Freiwilliger 2 Mädchen bedrängt haben soll - in einem Fall folgte der Verdächtige der Betroffenen auf ihr Zimmer, soll sich zu ihr ins Bett gelegt haben und zudringlich geworden sein -, werden nun aber Konsequenzen gezogen.

„Sicherheit wird bei uns groß geschrieben. Bei mir gibt es null Toleranz, wenn es um sexuelle Übergriffe, Diskriminierung oder Gewalt geht“, sagte Knechtsberger.

Ab 2022 - die X-Jam im kommenden Jahr ist bereits ausgebucht - wird es daher vor Ort auch eine eigene Unit geben, die als unmittelbarer Ansprechpartner für Übergriffe, Belästigungen oder sonstiges ungebührliches Verhalten fungieren und umgehend und konsequent reagieren soll. Ein entsprechendes Konzept lässt Knechtsberger erarbeiteten.

Hinsichtlich der Infektionen mit dem Coronavirus - bei mehreren Dutzend Teilnehmenden der X-Jam aus Deutschland und Österreich wurde nach ihrer Rückkehr in ihre Heimatorte SARS-CoV-2 nachgewiesen - wies Knechtsberger Unterstellungen zurück, die zur Weiterverbreitung des Virus geschaffene „Blase“ - der Wiener Umweltmediziner Hans-Peter Hutter hatte ein umfangreiches, von den kroatischen Behörden genehmigtes Präventionskonzept erstellt - sei durchlässig und damit nicht sicher gewesen.

Sämtliche Teilnehmende - insgesamt immerhin 7500 Burschen und junge Frauen - hätten vor der Anreise einen aktuellen, höchstens 72 Stunden alten negativen PCR-Test vorgelegt und unmittelbar vor dem Einsteigen in den Bus nach Kroatien noch einen negativen Antigentest abliefern müssen.

2 mit Virus Infizierte durch Kontrollen „durchgerutscht“

Dabei dürften 2 Abiturientinnen aus Bayern „durchgerutscht“ sein. Wie Knechtsberger erläuterte, waren beide Tests der Mädchen negativ, sie trugen allerdings das Virus bereits in sich. „Man kennt inzwischen den Patienten null“, teilte der X-Jam-Geschäftsführer mit. Die Betroffenen hätten kurz vor Antritt der Maturareise in Bayern einen infizierten Bekannten getroffen und so das Virus unwissentlich auf die „Partyinsel“ - ein Ferienressort auf der kroatischen Halbinsel Lanterna - gebracht.

Dort wurden die Infizierten „sofort detektiert“, sagte Knechtsberger. In Umsetzung des Präventionskonzepts wurden sämtliche Teilnehmende nach der Ankunft mit jeweils zwei PCR-Tests auf SARS-CoV-2 überprüft.

Die beiden Infizierten wurden laut Knechtsberger umgehend abgesondert und in weiterer Folge mittels einer Sondergenehmigung in einem Krankentransport zurück nach Bayern gebracht. Die ermittelten Kontaktpersonen hätten als „Selbstreisende“ mit Genehmigung der zuständigen Behörden im eigenen Pkw die „Partyinsel“ verlassen.

Insgesamt habe man im Rahmen der diesjährigen X-Jam 30.000 Coronatests vorgenommen, davon 23.000 aussagekräftige PCR-Tests, um den Maturantinnen und Maturanten ein sicheres Feiern bieten zu können, fasste Knechtsberger zusammen. Was das Contact Tracing betrifft, sei man in engem Austausch mit den Gesundheitsbehörden in Deutschland und Österreich. Es würden laufend Informationen geteilt.

apa