Freitag, 04. Mai 2018

Young+Direct: Sex (fast) kein Thema mehr

Fragen über Sex haben Südtirols Jugendliche heute weniger als vor 20 Jahren. Dafür fällt es ihnen zunehmend schwerer, mit Gleichaltrigen ins Gespräch zu kommen. Young+Direct stellte am Freitag die Problemwelten junger Südtiroler vor.

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Die heutige Jugend ist digital, auch wenn es um ihre Probleme geht: 2017 wandten sich rund 1700 Jugendliche an die Beratungsstelle Young+Direct, aber nicht mehr wie früher über den Kummerkasten, sondern vor allem via Mail ([email protected]) und Whatsapp (345 0817 056). 144 Mal kamen Jugendliche für ein persönliches Gespräch nach Bozen, 216 Gespräche verliefen über das Telefon.

Noch immer sind es vor allem Mädchen, die sich an die Beratungsstelle wenden. Liegt der Prozentsatz normalerweise bei etwa 75 Prozent Mädchen gegenüber 25 Prozent Jungs, so wurde 2017 der Rekord gebrochen: 83 Prozent der Ratsuchenden waren weiblich.

Ebenfalls auffällig im Vorjahr: Es waren eher die älteren Jugendlichen, die Rat suchten: Während der Anteil der 13- bis 14-Jährigen wesentlich abgenommen hat und der Anteil der 15- bis 16-Jährigen etwa konstant geblieben ist, waren es vor allem die 17- bis 18-Jährigen, die sich an Young+Direct wandten (37 Prozent).

Die Probleme der Jugend

Auch 2017 lagen die persönlichen Probleme den Jugendlichen besonders am Herzen. So drehten sich 46 Prozent der Gespräche um Lebenskrisen, psychische Probleme, Trauer und auch um Suizidgedanken. Auch Einsamkeit, Ängste und mangelndes Selbstvertrauen beschäftigten die Jugendlichen.

Das Thema Familie landete im Vorjahr mit 27 Prozent auf Rang 2: Die Jugendlichen wollten wissen, wie sie mit familiären Problemen, Spannungen mit den Eltern oder Verboten und Regeln umgehen sollten. In vielen Beratungen ging es zudem um Vernachlässigung und Gleichgültigkeit vonseiten der Eltern.

Nur 17 Prozent wandten sich mit Liebesproblemen an die Beratungsstelle, Freunde und Schule landeten mit jeweils 14 Prozent auf den Plätzen 4 und 5. 

Auffällig nach hinten gerutscht ist das Thema Sexualität, das mit 11 Prozent gleichauf mit dem Thema Sucht liegt. Doch das, so sind sich die Berater sicher, liege nicht daran, dass die Jugend sich nicht mehr mit dem Thema befasst, sie suchen sich lediglich andere Ansprechpartner als früher.

stol/liz

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