Freitag, 12. März 2021

Zahl der Thrombose-Erkrankungen entspricht Normalbevölkerung

Der Corona-Impfstoff des Herstellers Astrazeneca kann nach Einschätzung der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) schwere allergische Reaktionen auslösen. Anaphylaxie sowie Überempfindlichkeitsreaktionen sollten in die Liste der möglichen Nebenwirkungen des Vakzins aufgenommen worden, erklärte die EMA am Freitag. Hingegen gebe es „keine Hinweise auf einen Zusammenhang mit Blutgerinnsel“, teilte die WHO mit.

Astrazeneca ist in die Kritik geraten: Allerdings scheint es keinen Zusammenhang der Impfung mit der Bildung Blutgerinnsel zu geben. Allergische Reaktionen könne es hingegen geben.
Astrazeneca ist in die Kritik geraten: Allerdings scheint es keinen Zusammenhang der Impfung mit der Bildung Blutgerinnsel zu geben. Allergische Reaktionen könne es hingegen geben. - Foto: © APA (dpa-Zentralbild) / Ronny Hartmann
Es gebe Berichte über 41 mögliche Anaphylaxie-Fälle unter 5 Millionen Impflingen in Großbritannien, berichtete die Behörde mit Sitz in Amsterdam. Nach einer sorgfältigen Auswertung der Daten halte das für die Impfstoff-Risikobewertung zuständige Komitee einen Zusammenhang zwischen der allergischen Reaktion und der Impfung mindestens in einigen dieser Fälle für wahrscheinlich. Gleichzeitig wies die EMA darauf hin, dass schwere allergische Reaktionen auch bei Impfungen gegen andere Krankheiten eine bekannte seltene Nebenwirkung sind. Der Astrazeneca-Beipackzettel empfiehlt bereits jetzt, dass Patienten nach einer Impfung noch mindestens 15 Minuten unter Beobachtung bleiben sollten, um auf mögliche allergische Reaktionen reagieren zu können.

Unter Geimpften weniger Lungenembolien und Venenthrombosen als in der Allgemeinbevölkerung

Der britisch-schwedische Pharmakonzern Astrazeneca wies indes Sorgen wegen schwerer Nebenwirkungen im Zusammenhang mit Gerinnungsstörungen seines Corona-Impfstoffs zurück. „Eine Analyse unserer Sicherheitsdaten von mehr als 10 Millionen Datensätzen hat keine Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Lungenembolien oder tiefe Venenthrombosen gezeigt“, teilte ein Sprecher am Freitag mit. Das gelte für alle Altersgruppen, Geschlechter, Länder oder Chargen des Astrazeneca-Impfstoffs. „Tatsächlich kommen diese Ereignisse unter Geimpften sogar seltener vor als in der Allgemeinbevölkerung“, hieß es weiter.

Dänemark und andere Länder warten ab

Dänemark und andere Länder hatten Impfungen mit dem Stoff ausgesetzt. Als Grund wurden Berichte über einen Todesfall und schwere Erkrankungen durch Blutgerinnsel nach der Impfung genannt. Man könne jedoch noch nicht feststellen, ob ein Zusammenhang zwischen dem Impfstoff und den Blutgerinnseln bestehe, hieß es.

Die Europäischen Arzneimittelbehörde EMA kam zu dem Schluss, dass der Anteil der Thrombosekranken nach einer Impfung mit dem Astrazeneca-Präparat dem spontanen Auftreten dieser Erkrankung in der Normalbevölkerung entspricht. Bis zum 10. März hat die EMA 30 Fälle von „thromboembolischen Ereignissen“ bei fast 5 Millionen mit dem Astrazeneca-Mittel geimpften Menschen registriert.

Österreichischer Bundeskanzler: „Werde mich mit Astrazeneca impfen lassen“

Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz wird sich jedenfalls mit dem in Diskussion stehenden Astrazeneca-Impfstoff impfen lassen. Damit will er versuchen, seinen Beitrag zu leisten. „Ich habe mir hier ein klares Bild gemacht“, sagte Kurz. „Nachdem es viele Menschen gibt, die sich Sorgen machen, werde ich mich auch mit Astrazeneca impfen lassen, um zu zeigen, dass ich Vertrauen in den Impfstoff habe“, betonte der Bundeskanzler am Freitag.

Astrazeneka kommt „in vielen Ländern der Welt zum Einsatz“. Ob man sich impfen lässt, sei eine höchstpersönliche Entscheidung, die jeder für sich selbst treffen muss, meinte Kurz.

Zuletzt hatte aber auch erst am Freitag die WHO betont, dass es keinen Grund für die Aussetzung der Impfungen gibt. Es gibt „keine Hinweise auf einen Zusammenhang mit Blutgerinnsel“, teilte die WHO mit. Auch Österreich folgt allen Experten und impft weiter mit Astrazeneka.

Wenn es einen Todesfall oder einen Vorfall gibt, müsse dies natürlich geprüft werden. Die Überprüfungen, die bisher in Österreich stattgefunden haben, zeigen genau, „dass es keinen kausalen Zusammenhang“ gegeben hat, meinte Kurz. „Ich vertraue den Experten“. Er bekräftigte auch, dass Entscheidungen über Impf-Stopps „niemals politische sein können, sondern von Expertinnen und Experten getroffen werden müssen“.

apa