Der erfahrene Ortspolizist Christian Carli sieht sich bestätigt, wenn er sagt: „Kontrollen haben eine präventive Wirkung – das sollte von allen Verkehrsteilnehmern mitbedacht werden.“<BR /><BR />Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Auf Südtirols Straßen gibt es beträchtlich mehr Unfälle, damit einher gehen mehr Verletzte und mehr Todesopfer. <BR /><BR />So besagt die jüngste Erhebung des Autobmobilclubs ACI, die sich auf den Zeitraum des Jahres 2022 bezieht, dass sich auf den meistbefahrenen Staats- und Landesstraßen sowie auf der Brennerautobahn 543 Unfälle mit 834 Verletzten zugetragen haben. Im Vergleich dazu waren es im Jahr zuvor 455 Unfälle mit 701 Verletzten (<b>siehe Grafik unten</b>). <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="979222_image" /></div> <BR /><BR /> Am häufigsten gekracht hat es demnach auf der Brennerstaatsstraße (SS 12) von Salurn bis zum Brenner mit 111 Unfällen, dahinter folgen die Staatsstraße von Bozen bis zum Stilfser Joch (SS 38) und die Brennerautobahn. Auf allen 3 genannten Strecken hat sich die Unfallzahl erhöht, während sie auf der Pustertaler Straße annähernd gleich geblieben ist. <BR /><BR />Auch bei der Betrachtung der Gesamtzahlen – also aller erfassten Unfälle auf dem gesamten Landesgebiet – sind die Steigerungsraten evident: 1775 Unfälle mit 2291 Verletzten ist die höchste Rate der vergangenen 5 Jahre, lediglich bei den tödlichen Unfällen (31) gab es in den Vor-Coronajahren 2018 und 2019 höhere Zahlen.<h3> Suche nach den Ursachen</h3>Wie lassen sich diese Zuwachsraten erklären? „Einerseits nimmt die Verkehrsdichte immer mehr zu, andererseits halten sich leider auch viele Verkehrsteilnehmer nicht an die Regeln“, bringt Christian Carli, Präsident der Vereinigung Südtiroler Ortspolizisten, 2 Faktoren ins Spiel. <BR /><BR />Der Großteil der Unfälle passiert seiner Einschätzung nach in den Orts- und Stadtzentren, was sich auf die vielen unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer (Autofahrer, Radfahrer, Fußgänger und immer häufiger auch E-Scooter-Fahrer), das erhöhte Verkehrsaufkommen und die vielen Kreuzungsbereiche zurückführen lässt. Zu Schaden kommen dabei vielfach die sogenannten „schwachen Verkehrsteilnehmer“, also Fußgänger und Radfahrer. <BR /><BR /><embed id="dtext86-62772273_quote" /><BR /><BR />Unterm Strich sei eine Regelung wie in Deutschland oder Österreich, wo in geschlossenen Ortschaften die Einhaltung des Tempolimits wegen fix installierter Radarfallen viel eher gewährt ist, wohl nicht verkehrt. Wobei Carli mehrfach betont, dass es bei den Radarfallen nicht darum gehe, Kasse zu machen, sondern schlichtweg die Raser und unvorsichtigen Autofahrer in Schach zu halten. <BR /><BR />Was die Radarkontrollen anbelangt, so wünscht er sich auch eine angemessenere Art der Mitteilung vonseiten der Radiosender. „Es geht doch primär um Sicherheit, also sollte das in den Radios auch so rüberkommen, anstatt punktgenau vor Radarfallen zu warnen. So bremsen viele Verkehrsteilnehmer kurz ab, um dann wieder aufs Gaspedal zu drücken“, gibt er zu bedenken.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="979225_image" /></div> <BR /><BR />Unterm Strich könne man feststellen, dass der Großteil der Verkehrsteilnehmer vernünftig, umsichtig und den Verkehrsregeln entsprechend unterwegs ist, während einer von 10 sich verhält, als würde ihm bzw. ihr die Straße allein gehören. Alkohol am Steuer sei nach wie vor ein ernstzunehmendes Problem, wenngleich hierbei doch ein Bewusstseinswandel festzustellen ist. Dabei nimmt Carli die heranwachsende Generation in Schutz, diese sei es gewohnt, sich mittels Fahrgemeinschaften oder Shuttlediensten zu organisieren und wachse bereits mit dem Motto „Kein Alkohol am Steuer“ auf. <BR /><BR />Ins Auge sticht bei der ACI-Statistik zudem, dass sich unter den älteren Todesopfern im Verkehr (über 65-Jährige) viele Fußgänger finden und unter Todesopfern und Verletzten weit mehr Männer als Frauen angeführt sind. Darüber hinaus fällt auf, dass Pkw in rund 54 Prozent aller Unfälle verwickelt sind, doch der Anteil von verunfallten Radfahrern (17 Prozent) und Motorradfahrern sowie Mopeds (14 Prozent) gemessen am Gesamtverkehrsaufkommen ziemlich hoch ist. „Leider scheren sich viele Radfahrer und Motorradfahrer nicht um die Verkehrsregeln“, meint dazu Carli. <BR /><BR />Dabei zählen gerade sie zu den besagten „schwachen Verkehrsteilnehmern“, müssen also im Falle eines Unfalls mit schwerwiegenderen Folgen rechnen.<BR />