Wer eine Facharztvisite verschrieben bekommt, braucht bekanntermaßen viel Geduld ( <a href="https://www.stol.it/artikel/panorama/panorama/im-kampf-gegen-die-langen-wartezeiten-worauf-der-sanitaetsbetrieb-jetzt-setzt" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Wartezeiten">wir haben berichtet)</a>. Über ein Jahr und oft noch länger müssen Herr und Frau Südtiroler warten, bis die vereinbarte Untersuchung durchgeführt wird. Die Politik verspricht immer wieder Besserung. <h3> Was bedeutet das neue Angebot konkret?</h3>So setzt man seit neuestem auf Zusatzleistungen, um den Patienten schneller „an den Arzt“ zu bringen. Was bedeutet das konkret? Der Sanitätsbetrieb errechnete, in welchen Abteilungen ein solches Angebot erforderlich und sinnvoll ist. Dann wurde ein Aufruf gestartet und 33 Krankenhaus-Abteilungen im Land folgten ihm. Deren Mitarbeiter erklärten sich bereit, gegen Vergütung Leistungen außerhalb der normalen Öffnungszeiten bzw. Dienste zu erbringen (siehe eigenen Bericht). Die Vergütung beträgt 100 Euro brutto pro Stunde für einen Arzt, 50 Euro brutto pro Stunde für einen Pfleger.<BR /><BR /><embed id="dtext86-70907042_quote" /><BR /><BR />Dr. Armin Pycha, Primar der Urologie am Bozner Krankenhaus, erzählt, dass seine Mitarbeiter gleich bereit dazu waren, Zusatzleistungen zu erbringen (siehe Kurz-Interview). Um die langen Wartezeiten zu verkürzen, müsse man aber auch differenzieren, wie angemessen eine Visite wirklich ist. „Auch das neue digitale System spielt eine Rolle. Es schränkt uns ein und frisst Zeit“, berichtet er. Man sei weniger effizient. <h3>Über 10.000 Leistungen mehr erbracht</h3>Die Zusatzleistungen hingegen zeigen bereits Wirkung: Seit Jahresbeginn wurden auf diese Weise insgesamt fast 10.000 zusätzliche Leistungen und Visiten generiert, über die Einheitliche Vormerkstelle für die Südtiroler Bevölkerung angeboten und erbracht, heißt es dazu jetzt aus dem Ressort Gesundheitsvorsorge und Gesundheit.<BR /><BR /> Zu den Zusatzleistungen, die angeboten werden, gehören ambulante fachärztliche Visiten, wie Erst- und Kontrollvisiten, diag- nostische Leistungen, chirurgische Leistungen, sowie Screening-Untersuchungen. <BR /><BR />Dazuzuzählen sind noch jene spezifische Fachleistungen, die direkt über die Fachabteilungen vergeben und vorgemerkt wurden. Die meisten Zusatzleistungen konnten hierbei von der Abteilung Chirurgie am Krankenhaus Brixen angeboten werden – mit 1.527 zusätzlichen Leistungen zwischen Jänner und Juli 2025. Dahinter folgen die Abteilung Radiologie am Krankenhaus Meran (1.505), und Kardiologie am Krankenhaus Bozen (778).<BR /><BR /> „Mit gezielten Zusatzleistungen, die unsere Abteilungen nun auch in den Abendstunden sowie an Wochenenden anbieten, setzen wir einen wichtigen Schritt, um die Wartezeiten für Patienten deutlich zu verkürzen“, erklärt Gesundheitslandesrat Hubert Messner (SVP). Besonders erfreulich sei die breite Beteiligung zahlreicher Abteilungen und des engagierten Personals in allen vier Gesundheitsbezirken und an fast allen Krankenhausstandorten.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1197105_image" /></div> <h3> 3 Fragen an Dr. Armin Pycha</h3><b>Warum hat sich Ihre Abteilung bereit erklärt, Zusatzleistungen zu erbringen?</b><BR />Dr. Armin Pycha: Wir möchten unseren Beitrag leisten, dass die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden. Demnach müssen zum Beispiel prioritäre Visiten innerhalb von zehn Tagen erbracht werden, normale Visiten innerhalb von 30 Tagen. Bei den prioritären Visiten gelingt uns das, bei den normalen Visiten nicht, weil wir eine regelrechte Anfragenflut haben. <BR /><BR /><embed id="dtext86-70907049_quote" /><BR /><BR /><b>Waren Ihre Mitarbeiter gleich bereit mitzumachen?</b><BR />Dr. Pycha: Ja, sofort. Jeder macht mit. Wir machen das jenseits der normalen Arbeitszeit von 40 Stunden, aber wir dürfen die 48 Stunden nicht überschreiten. Dadurch sind wir eingeschränkt. Ansonsten könnten wir noch mehr arbeiten.<BR /><BR /><b>Was sagen die Patienten dazu?</b><BR />Dr. Pycha: Die Rückmeldungen waren bislang durchaus positiv. <BR /><h3> Hintergrund: „Extra-Arbeitszeiten“</h3>In den ersten sieben Monaten des Jahres haben 33 Krankenhausabteilungen Zusatzleistungen erbracht: 15 in Bozen, fünf in Meran, zwei in Schlanders, vier in Brixen, zwei in Sterzing und fünf in Bruneck. Viele, insgesamt 28 Abteilungen, erbringen die Leistungen über zusätzliche Stunden außerhalb der Öffnungszeiten der Ambulatorien, also an den Abenden an Werktagen. 18 Abteilungen führen die Extraleistungen über zusätzliche Stunden an Samstagen durch, sechs über zusätzliche Stunden an Sonn- und Feiertagen, so das Ressort Gesundheitsvorsorge und Gesundheit.