Freitag, 18. Juni 2021

Schwere Unwetter: Murenabgänge, Überschwemmungen und Straßensperren

Unwetter mit heftigen Regenfällen zogen am Freitagmorgen über weite Teile Südtirols. Zahlreiche Feuerwehren waren im Raum Sarntal, Ritten, Schlerngebiet und Eisacktal im Einsatz, um Straßen nach Murenabgängen wieder frei zu räumen.

Im Sarntal sorgte eine Mure für Zerstörung. - Foto: © DLife
Die Brennerstaatsstraße bei Atzwang musste am Freitagmorgen nach einem Murenabgang gesperrt werden. Die Umleitung erfolgt über die Brennerautobahn. Inzwischen wurde die Straße wieder für den Verkehr freigegeben.



Die Staatsstraße ins Sarntal ist nach einem Murenabgang im Bereich Steinbruch wieder einspurig befahrbar. Der Tanzbach trat infolge der starken Niederschläge über die Ufer und hattedie Staatsstraße Sarntal überflutet. Ein Haus in unmittelbarer Nähe des Baches wurde teilweise eingerissen.


Derzeit befinden sich 3 Techniker der Wildbachverbauung vor Ort, um sich einen Überblick zu verschaffen, berichtet Philipp Walder, stellvertretender Direktor des Amtes für Wildbachverbauung Nord im Funktionsbereich Wildbachverbauung. Mit einem Bagger wird am Tanzbach gearbeitet. Im Bereich Halbweg hat der Breitebnerbach eine Hofzufahrt weggerissen; er ist voll mit Geschiebe, das ausgeräumt werden muss.

Die Landesstraße Waidbruck - Kastelruth musste im Bereich der Kreuzung nach Tisens in Richtung Waidbruck nach einem Murenabgang gesperrt werden. Die Umleitung erfolgt über Blumau - Völs. Beim Pitscherbach wurde ein Pkw von einer großen Mure mitgerissen und teilweise verschüttet, eine Person konnte glücklicherweise unverletzt in Sicherheit gebracht werden.


Durch die heftigen Gewitter mit Starkregen ist es auch in Wangen und Umgebung zu mehreren Murenabgängen und Erdrutschen gekommen. Beim Gänsbacherhof in Niederwangen wurde ein Wohngebäude und ein Fahrzeug von einem Erdrutsch getroffen. Glücklicherweise wurde niemand verletzt, es entstand aber erheblicher Sachschaden.

Am Ritten ist der Emmersbach in Oberinn durch massives Geschiebe ausgebrochen und hat landwirtschaftliche Flächen, Wiesen und Weiden überschwemmt. Stark in Mitleidenschaft gezogen wurde auch der Wangenerbach in der gleichnamigen Ortschaft. Dort sind mehrere Hofzufahrten, Brücken und Uferschutzmauern beschädigt worden. Der Bach hat sich stark eingetieft und hat auch große Mengen an Steinen und Geschiebe abgelagert.


In der Sill hat die neue Wildholzsperre in der Talfer perfekt funktioniert, sie ist randvoll mit Material, da sie das ganze Holz aufgefangen hat, das vom Sarntal angeschwemmt wurde.



In der Gemeinde Jenesien wurden im Bereich Afing Rohre und Brücken in Mitleidenschaft gezogen, einige Hofzufahrten wurden weggespült und unterbrochen, die Höfe sind jedoch erreichbar.

Zahlreiche Freiwillige Feuerwehren stehen seit etwa 4.30 Uhr im Einsatz um die Straßen nach den Unwettern wieder frei zu räumen und überflutete Keller auszupumpen.

20 Feuerwehren und Berufsfeuerwehr

Seit den Morgenstunden sind in der Landesnotrufzentrale rund 50 Anrufe infolge der Unwetter eingegangen. 20 Freiwillige Feuerwehren und die Berufsfeuerwehr Bozen wurden ab etwa 4.30 Uhr zu Einsätzen gerufen. Die Berufsfeuerwehr war auf der Brennerautobahn wegen eines Murenabganges im Einsatz.

Landesgeologen seit 6 Uhr im Einsatz

Die Geologen des Landesamtes für Geologie und Baustoffprüfung sind seit heute früh um 6 Uhr im Einsatz mit dabei, berichtet Amtsdirektor Volkmar Mair. Sie werden von freiberuflichen Geologen unterstützt, weil die Vielzahl der Vermurungen und Rutschungen nicht vom internen Personal allein bewältigt werden kann. Die wichtigsten Einsätze erfolgen in Atzwang und vor allem in Waidbruck und Kastelruth und in Wangen.

Die Landesstraße Waidbruck-Kastelruth ist an verschiedenen Stellen mit Materialmengen zwischen 100 und 500 Kubikmetern übermurt. Verschiedene steile Bachläufe sind von Murabgängen betroffen und haben die Materialmengen auf der Straße deponiert. Zum Glück sind nur Sachschäden zu verzeichnen, unterstreicht Landesgeologe Mair. Die Aufräumarbeiten auf diesen Straßen werden sicherlich mehrere Tage andauern.

Mehrere Straßen gesperrt

Mehrere Straßen wurden durch Muren und Abbrüche beschädigt und mussten gesperrt werden; am meisten in Mitleidenschaft gezogen wurde die Landesstraße Waidbruck-Kastelruth, berichtet der Direktor des Landesstraßendienstes Philipp Sicher.



Aus Sicherheitsgründen nicht befahrbar sind außerdem die Landesstraße zwischen der Wangener Kreuzung (Sarntal) und Klobenstein, wo unter anderem ein Teil der Straße abgebrochen ist, sowie die Staatsstraße im Sarntal bei Dickerwiesen. Das Dorf Wangen ist derzeit über die Straßenverbindungen nicht erreichbar.

Der Straßendienst ist mit rund 30 Straßenwärtern im Einsatz. Das Muren-Material wird mit Baggern und Radlagern beseitigt.


70 Liter Niederschlag pro Quadratmeter

„In den frühen Morgenstunden hat sich zwischen Sarntal, unteres Eisacktal und Schlerngebiet ein schweres Gewitter gebildet. Es zog nur sehr langsam nach Süden weiter, deshalb kamen große Regenmengen in kurzer Zeit zusammen. Die Wetterstation Kollmann meldete knapp 70 Liter Niederschlag pro Quadratmeter, das ist fast ein ganzer Monatsniederschlag in nur 2 Stunden. Dazu gab es rund 400 Blitze“, erklärt Landesmeteorologe Dieter Peterlin.

Laut dem Wetterexperten wird sich die Lage in den nächsten Stunden beruhigen, erst am Nachmittag und Abend könne es wieder vereinzelt zu Gewittern kommen.

pho/lpa