Samstag, 27. Januar 2018

Zahnmedizin: Schwierige OP in Südtirol geglückt

Viele Jahre gehörte eine mehr schlecht als recht sitzende Zahnprothese zu ihrem Leben, vor wenigen Tagen wanderte sie demonstrativ in die Mülltonne: Eine 68-jährige Frau aus dem Unterland hat trotz praktisch nicht mehr vorhandenem Oberkieferknochen feste neue Zahnimplantate erhalten – fixiert im Jochbein.

Bei der Zahn-OP wurden die Implantate im Jochbein unterhalb der Augen verankert.
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Bei der Zahn-OP wurden die Implantate im Jochbein unterhalb der Augen verankert. - Foto: © D

Durchgeführt hat sie der Bozner Zahnarzt Dr. Mirko Solderer gemeinsam mit dem an der Uniklinik in Manchester tätigen Chirurgen Dr. Massimo Maranzano in einer 2,5-stündigen Operation an der Marienklinik.

Dr. Mirko Solderer - Foto: D

Dr. Massimo Maranzano - Foto: D

Im Gegensatz zu herausnehmbaren Prothesen sind Zahnimplantate künstliche Zahnwurzeln, auf denen ein fester Zahnersatz befestigt ist. Normalerweise werden Implantate  im Kieferknochen angebracht: Dabei wird ein Metallstift, meist aus Titan, fest im Kierferknochen verankert, wo er mit dem umliegenden Knochengewebe verwächst. Auf dieser Ersatzwurzel werden dann Kronen, Brücken oder Prothesen befestigt, die sich im Gegensatz zur herkömmlichen Prothese wie natürliche Zähne anfühlen, fest sitzen, unbeschwertes  Kauen zulassen und die eventuell vorhandenen Nachbarzähne nicht belasten.

Verankerung direkt unter den Augen

Dafür ist allerdings ein gut erhaltener Oberkieferknochen notwendig. Dieser kann jedoch  durch jahrelanges Tragen von Prothesen oder durch schwere Parodontitis schwinden oder durch Tumore im Kiefer mitunter zerstört werden. Ein Anbringen der Implantate ist dann dort nicht mehr möglich. Dafür müsste ein langwieriger Knochenaufbau vorgenommen werden, wobei oft auch Knochentransplantationen nötig sind – ein sehr schmerzhaftes und aufwendiges Prozedere.

In solchen Fällen gibt es aber  eine gewissermaßen letzte Chance auf festsitzende Zähne: nämlich die Verankerung der Implantate im Jochbein direkt unter den Augen. „Die Metallstifte, die im Jochbein verankert werden, sind zwischen 40 und 60 Millimeter lang, während sie bei Implantaten im Kieferknochen nur 10 Millimeter lang sein müssen“, erklärt Dr. Mirko Solderer. Weil für diesen Eingriff tief vom Kiefer in Richtung Augenhöhlen geschnitten und gebohrt werden muss, wurde die Operation bei der Frau aus dem Unterland in Vollnarkose durchgeführt.

Alte Prothese in den Müll geworfen

Derartige Implantationstechniken erfordern auch eine große Erfahrung auf diesem Gebiet, die Dr. Massimo Maranzano von der Uniklinik in Manchester mitbringt. „Wir haben die Operation deshalb gemeinsam durchgeführt, auch weil bei einem solchen Eingriff 4 Hände besser sind als 2“, erklärt Dr. Solderer.

Die  Operation verlief erfolgreich, der Patientin konnte nach einer Nacht im Krankenhaus  bereits ihr fixer Zahnersatz angepasst und übergeben werden. „Ihre alte Prothese hat sie freudestrahlend bei mir in den Mülleimer geworfen“, freut sich auch ihr behandelnder Zahnarzt.

Nach der geglückten Premiere kann sich Dr. Solderer durchaus weitere solcher Eingriffe vorstellen, „2,3 Patienten kenne ich bereits, für die nur mehr ein derartiges Implantat in Frage kommen könnte, um wieder festsitzende und funktionstüchtige Zähne zu bekommen“, sagt der Zahnarzt.

wib

stol