Samstag, 20. Juni 2020

Zecken-Angriff in luftiger Höhe: Plage breitet sich aus

Die Zecken lauern heuer in Höhen, wo man sie nicht vermuten würde, berichtet das Tagblatt „Dolomiten“ in der aktuellen Ausgabe. Milde Winter wie heuer begünstigen die Verbreitung der Zecken, ebenso feuchte Sommer.

Der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) kann sowohl die Lyme-Borreliose als auch die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen.
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Der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) kann sowohl die Lyme-Borreliose als auch die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen. - Foto: © shutterstock
Eine Gruppe von 12 Freunden wanderte kürzlich von Maria Trens (Gemeinde Freienfeld) hinauf auf Schloss Sprechenstein (1073 Meter hoch) – und 5 von ihnen hatten danach insgesamt 9 Zecken am Körper.

„Sowohl bei der Bergstation als auch bei der Talstation der Kohlerer Seilbahn gibt es Zecken“, teilt Seilbahn-Präsident Elmar Pichler Rolle auf Anfrage mit. „Unsere Mitarbeiter haben dies bei Arbeiten im Freien festgestellt. Deshalb machen wir im Bereich der Talstation eine Desinfizierung, um das Problem in den Griff zu bekommen. Zudem haben wir ein Schild aufgestellt – dort, wo der Wanderweg beginnt“, berichtet Pichler Rolle.

Zeckenstiche machen vielen Bürgern Angst: Sie begeben sich deshalb in die Notaufnahme der Krankenhäuser – nicht nur in Bozen, sondern auch in Brixen und Meran. „Bei uns kommt jede Woche wenigstens ein Bürger mit einem Zeckenstich“, berichtet Franz Gruber, Pflegekoordinator der Notaufnahme des Krankenhauses Brixen. Auch die Notaufnahme in Meran wird oft von Leuten mit Zeckenstichen aufgesucht – „hauptsächlich am Wochenende“, sagt Primar Dr. Norbert Pfeifer. „Da kommt es vor, dass 4 oder 5 Bürger zugleich mit einer Zecke kommen, die nichts miteinander zu tun haben.“ Meist habe sich die Zecke da noch nicht mit Blut vollgesogen, sondern erst kurz vorher zugestochen. Der Primar hält es für durchaus sinnvoll, wenn die Bürger in solchen Fällen die Notaufnahme aufsuchen. Denn bei der Entfernung der Zecke – etwa mit einer Pinzette – sollte man richtig vorgehen. „Man darf die Zecke nicht zu sehr zusammendrücken“, rät Dr. Pfeifer. Es gelte, die Zecke mit der Pinzette richtig anzufassen, die Zecke zu drehen „und zugleich sollte man einen leichten Zug anwenden“. Wenn man es falsch mache, bleibe der Kopf womöglich tief in der Haut stecken.

Milder Winter begünstigt die Verbreitung

Milde Winter wie heuer begünstigen die Verbreitung der Zecken, ebenso feuchte Sommer. „Zecken benötigen eine hohe Luftfeuchtigkeit von 80 bis 85 Prozent, um zu überleben“, berichtet Dr. Christiane Holzner, Hygieneärztin in Bozen. „Sie halten sich deshalb in bodennaher Vegetation auf, wo die Luftfeuchtigkeit auch im Hochsommer nicht unter 80 bis 85 Prozent fällt.“ Die Verbreitung der Zecken hänge auch von der Jahresdurchschnittstemperatur ab: „Je höher diese Temperatur, desto höher kann auch der Lebensraum sein, wo die Zecken noch überleben“, erklärt Holzner. „Die Zecken selbst bewegen sich kaum – mit den Wirtstieren werden sie dann aber weitergetragen“, berichtet die Hygieneärztin.

Im Hygienedienst in Bozen wird bereits wieder gegen die gefährliche Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) geimpft; bekanntlich kann das FSME-Virus durch einen Zeckenstich übertragen werden. Wegen der Coronakrise und des Lockdowns müssen nun aber zuerst die vorgemerkten Termine für März und April nachgeholt werden. Deshalb wird nun auch über Mittag durchgehend geimpft, berichtet Dr. Holzner. Zudem werde überlegt, noch mehr Impf-Möglichkeiten anzubieten.

FSME-Fall gebe es heuer im Bezirk Bozen noch keinen – jedoch bereits einen Fall von Lyme-Borreliose. Dr. Holzner rät dazu, Zecken selbst mit einer Pinzette oder einer Zeckenkarte, die man in Apotheken erhalte, zu entfernen. Danach sollte man die Wunde desinfizieren – mit einem normalen Desinfektionsmittel wie einer Jodlösung. Eine kleine Rötung an der Stichstelle sei normal, werde diese größer, sollte man den Hausarzt aufsuchen (Borreliose-Verdacht). Zum Hausarzt begeben sollte man sich auch bei grippeähnlichen Symptomen oder neurologischen Symptomen wie Doppeltsehen (FSME-Verdacht).

Wie Sie sich im Falle eines Zeckenbisses verhalten müssen und alles Wissenswerte zum Thema Zecken in Südtirol finden Sie im Video.

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hof

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