Dr. Silvia Spertini vom Südtiroler Sanitätsbetrieb, und Florian Blaas, Amtsdirektor der Forstverwaltung, klären über das Vorkommen der Blutsauger auf und welche Infektionskrankheiten sie übertragen können. <BR /><BR /><BR />Mittlerweile sind die fiesen Tierchen, die gefährliche Krankheiten übertragen können, in Südtirol heimisch. Die Temperaturen waren in den vergangenen Wintern durchwegs zu mild, um Zecken abzutöten. Sie verfallen also in eine sogenannte Winterstarre, und im Frühjahr – sobald die Temperaturen steigen – machen sich die Tierchen wieder an die Arbeit – und machen sich auf Beutesuche. Doch aufgrund der milden Temperaturen im Winter, können Zecken auch die kalten Wintermonate überleben. <BR /><BR /><embed id="dtext86-53974485_quote" /><BR /><BR />Florian Blaas, Amtsdirektor für Forstverwaltung, sieht einen klaren Zusammenhang zwischen dem milderen Klima und dem Zeckenbestand: „Sobald die Temperaturen an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen über sieben Grad Celsius bleiben, werden die Zecken aktiv.“ Daher können die achtbeinigen Blutsauger auch jetzt schon zustechen, wie man aus biologischer Sicht richtigerweise sagt. Inzwischen haben sich die Spinnentiere (Unterklasse: Milben) auch an das alpine Klima in Südtirol gewöhnt. „Ich selbst habe Zecken bereits auf 1300 Metern Höhe festgestellt, maßgeblich ist aber die Temperatur“, erklärt der Amtsdirektor. <BR /><BR /><embed id="dtext86-53974530_quote" /><BR /><BR />Dieselben Ansichten hat auch Dr. Silvia Spertini vom Sanitätsbetrieb: „Zecken kommen im ganzen Land vor, der natürliche Lebensraum der Zecken ist von 250 bis 1000 Metern Höhe, in milden Gebieten aber auch bis zu 1500 Metern. Die Zecken sind vorwiegend im Frühling und im Sommer aktiv, aber auch im Herbst, wenn das Wetter mild ist.“ Durch das mildere Klima seien zudem nicht neue Zeckenarten entstanden, sondern ihr Lebensraum habe sich ausgeweitet. Das bedeutet, dass Zecken auch in höheren Lagen gefunden werden. <BR /><BR /><b>Keine Panik, aber Vorsicht</b><BR /><BR />Zeckenstiche an und für sich seien laut der Ärztin nicht gefährlich. Aber: Infizierte Zecken können Krankheiten übertragen. Die häufigsten Krankheiten, welche von Zecken übertragen werden können, sind die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und die Borreliose. „Im Jahr 2021 gab es sieben gemeldete FSME-Fälle und einen gemeldeten Borreliose-Fall“, führt Dr. Silvia Spertini vom Südtiroler Sanitätsbetrieb aus. <BR /><BR /><b>Achtung vor Krankheiten</b><BR /><BR />„FSME ist eine virale Erkrankung, die in den meisten Fällen wie eine leichte Grippe verläuft“, erklärt Dr. Spertini. Nur ein kleiner Anteil der Infizierten zeige jedoch nach einem krankheitsfreien Intervall neurologische Symptome (z.B. Lähmungen der Skelett- oder Darmmuskulatur, Verwirrtheitszustände, Wesensänderungen u.a.). Es gibt zwar keine Therapie, aber eine dreiteilige Schutzimpfung, die drei bis zehn Jahre wirkt.<BR /><BR />Die Borreliose hingegen ist eine bakterielle Erkrankung nach einem Zeckenstich. „In den Wochen nach dem Stich kommt es zu einer ringförmigen Hautrötung, die wandern kann“, beschreibt Dr. Spertini den Krankheitsverlauf. Wird nach einem Zeckenstich eine solche Rötung beobachtet, sollte der Hausarzt für eine antibiotische Therapie kontaktiert werden. „Wird das erste Stadium der Borreliose nicht erkannt, kann die Erkrankung fortschreiten“, warnt die Ärztin.<BR /><BR /><b>Wichtig zu beachten!</b><BR /><BR />„Zecken lauern im Gras und Gebüsch (bis in eine Höhe von ca. 1,5 Metern), geringe Gefahr besteht bei maximal knöchelhoher Vegetation oder unter großen Bäumen“, weiß der Amtsdirektor der Forstverwaltung, Florian Blaas.<BR /><BR />Nach einem Ausflug im Wald oder auf Wiesen sollte der gesamte Körper nach Zecken durchsucht werden und die Kleidung abgenommen werden. Oft verstecken sich Zecken nämlich noch in der Kleidung oder wandern am Körper zu einer stichgeeigneten Stelle. <BR /><BR />Zur Kleidung hat Blaas noch einen wichtigen Tipp: „Immer geschlossene und helle (damit kann man die Tiere leicht erkennen) Kleidung tragen, nicht kurzärmlig oder mit kurzen Hosen durch ein Zeckengebiet streifen.“ Und wer trotzdem eine Zecke bemerkt, sollte diese mit Hilfe einer Pinzette, Zeckenkarte-/-zange durch gerades Herausziehen entfernen, rät Dr. Spertini. Die Zecke mit drehenden Bewegungen zu entfernen oder gar mit Öl oder Ähnlichem zu ersticken, sei in keiner Weise empfehlenswert.