Das Problem der Zecken löste sich in den vergangenen Jahren im Winter meist von selbst, sagt der Präsident der Südtiroler Tierärztekammer Franz Hintner. <BR /><BR />Bei anhaltenden Minusgraden fielen die lästigen Blutsauger entweder in eine Winterstarre, oder wurden bei besonders niedrigen Temperaturen, wie es im Pustertal oder dem Vinschgau größtenteils der Fall war, über den natürlichen Prozess abgetötet. <BR /><BR />Durch die klimatischen Veränderungen der vergangenen Jahre, bei denen die Herbst- und Winterperioden immer wärmer werden und der Landeswetterdienst zu Weihnachten im Vinschgau, sowie im Burggrafenamt schon Temperaturen von bis zu 20 Grad Celsius vermeldeten, gerät das ökologische Gleichgewicht auch bei den sogenannten lebenden Vektoren, wie Zecken, Sand- und Tigermücken immer mehr außer Kontrolle. <h3> Die Insekten werden fehlgeleitet und wachen viel zu früh aus der Winterstarre</h3>Der milde Winter führt dazu, dass die Tiere durch die Natur fehlgeleitet werden. Anstatt in eine Winterstarre zu fallen, bleiben vor allem die Zecken entweder weiter aktiv, oder geraten in ein Zwischenstadium, bei dem sie nach kurzen Kältewellen wieder aufwachen. Das passiert dadurch, dass ihr Instinkt ihnen irrtümlicherweise bereits den Frühling ankündigt. <BR /><BR />Bei der nächsten Kältewelle sind die Zecken dann für kurze Zeit wieder aus dem Gefecht. Um die Zecken aber wirklich abtöten zu können braucht es anhaltende Kälteperioden von mehreren Wochen, erklärt Dr. Hintner, mit Temperaturen die weit unter dem Gefrierpunkt liegen. Trotz des vermeintlichen Kälteeinbruchs in dieser Woche sind Kältewellen laut Landeswetterdienst aber schon seit längerer Zeit nicht mehr allzu schnell in Sicht. <h3> Die größte Gefahr liegt bei den zunehmend infizierten Zecken</h3>Dazu kommt, dass es sich bei den Zecken hierzulande längst nicht mehr um harmlose Blutsauger, sondern um Parasiten handelt, die vor allem bei Tieren durchaus besorgniserregende Infektionskrankheiten wie Lyme-Borreliose, Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) oder die bislang unheilbare Leishmaniose übertragen können. <BR /><BR />Auch wenn es weder bei Tieren noch bei Menschen bislang eine wirksame Vorbeugung gibt, die einen Zeckenbefall grundsätzlich verhindert, gibt es im Fall von FSME für Menschen allerdings bereits einen bewährten Impfstoff. <BR /><BR />Mit der Zunahme des Zeckenproblems auf das ganze Jahr über, empfiehlt Dr. Hintner eine sogenannte Zeckenimpfung bei Menschen, wie sie es bereits in Österreich und Deutschland vielerorts üblich ist, zunehmend auch in unseren Breiten. Für Hund und Katze gibt es hingegen bewährte Zeckenmittel aus der Apotheke oder beim Tierarzt. Diese werden direkt aufs Fell aufgetragen und schützen die Tiere beim Herumtollen im Wald oder Hecke weitgehend vor einem möglichen Zeckenbefall.<h3> Wie wir im Notfall vorgehen sollten</h3><BR />Die kleine Stichwunde, die die Zecken beim Biss auf der Haut hinterlassen, verursacht meist eine kleine Anschwellung. Der Biss bei nicht infizierten Zecken selbst ist weitgehend unbedenklich. Trotzdem ist es wichtig, dass ein Zeckenbiss schnellstmöglich erkannt wird und der Parasit mit einem gekonnten Drehen oder einer herkömmlichen Zeckenzange von der Haut entfernt wird. Denn je länger die Blutsauger an Tier oder Mensch haften bleiben, je mehr wird Blut entzogen und umso höher ist die Gefahr einer ernstzunehmenden Infektion der erwähnten Krankheiten. <BR /><BR />Ein Tierarzt ist gewöhnlicherweise erst bei einem starken Befall, einer anhaltenden Anschwellung, bei klinischen Symptomen der Heimtiere, oder bei einer misslungenen Entfernung der Zecken, bei dem häufig bei falschem drehendem Herausziehen das Bisswerkzeug und der Kopf der Zecke in der Haut geblieben ist, einzuschalten. Aus diesem Grund sollte in jedem Fall sowohl bei Haustieren als auch bei Menschen die Bissstelle nach Entfernung der Zecken weiter beobachtet werden. <h3> Es gibt im Land keine eindeutigen Zeckengebiete mehr</h3>Eine eindeutige Eingrenzung der Zeckengebiete in unserem Land, ist laut Tierärztekammerpräsident Dr. Hintner aufgrund der Klimaveränderung der vergangenen Jahre nicht mehr möglich. Warnte man früher vor allem vor dem Gebiet im Überetsch und rund um den Montiggler See, gibt es beispielsweise bereits Fälle von infizierten Zecken sowohl im Etschtal, Vinschgau, dem gesamten Pustertal als auch in höheren Lagen wie dem Wipptal oder dem Tauferer Ahrntal, wo Zecken nachweislich positiv waren und bereits Menschen infiziert wurden.<BR /><BR />Trotz der erhöhten Warnstufe sei vor allem aber Vorsicht und auch Nachsicht geboten. Wird ein Zeckenbiss nämlich rechtzeitig erkannt und die Zecken von der Haut des Tieres entfernt, kann die Infektionsgefahr weitgehend eingedämmt werden. Die Gefahr bleibt jedoch bestehen und im Hinblick auf die klimatischen Veränderungen auch in unserem Land, müssen wir uns schon jetzt dran gewöhnen, dass infizierte Zecken und viele andere Insekten wie eben Steckmücken mehr und mehr auch zum Ganz-Jahres-Problem werden.<BR />