Mittwoch, 23. Oktober 2019

Zeitumstellung: Gesundheitliche Probleme nehmen zu

Am Sonntag ist es wieder soweit: Dann werden europaweit die Uhren um eine Stunde zurückgestellt. Mittlerweile wächst der Widerstand dagegen: Zumindest in Deutschland finden 3 Viertel der Befragten die Zeitumstellung überflüssig.

In der Nacht auf Sonntag werden wieder alle Uhren in Europa umgestellt.
In der Nacht auf Sonntag werden wieder alle Uhren in Europa umgestellt. - Foto: © APA/dpa / Daniel Naupold

Immer mehr Menschen leiden nach der Zeitumstellung an gesundheitlichen oder psychischen Problemen. Das ist zumindest das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage der Krankenkasse DAK-Gesundheit. Demnach hat fast jeder dritte Deutsche (29 Prozent) Beschwerden beim Wechsel zur Winterzeit, was einen Höchststand der vergangenen Jahre bedeute, teilte die Krankenkasse mit. Mehr als 3 Viertel der Befragten sind der Meinung, die Zeitumstellung sei überflüssig und sollte abgeschafft werden. Am kommenden Sonntag (27. Oktober) werden nachts die Uhren von 3 auf 2 Uhr zurückgestellt. Ab dann gilt in allen Ländern Europas wieder die Winter- beziehungsweise Normalzeit.



Mehr als 3 Viertel der Befragten, die schon einmal Probleme im Zuge der Zeitumstellung hatten, fühlen sich dabei schlapp und müde (77 Prozent). An zweiter Stelle der Beschwerden kommen laut Umfrage mit 65 Prozent Einschlafprobleme und Schlafstörungen, unter denen Frauen mit 70 Prozent besonders häufig leiden. 41 Prozent können sich schlechter konzentrieren, fast ein Drittel fühlt sich gereizt. Jeder Achte leidet gar unter depressiven Verstimmungen. Hierbei sind Männer mit 14 Prozent häufiger betroffen als Frauen (10 Prozent). Mit 18 Prozent kam fast jeder fünfte Erwerbstätige nach der Zeitumstellung schon einmal zu spät zur Arbeit.

Mit einem kleinen Jetlag vergleichbar

„Psychische Probleme, die nach der Zeitumstellung auftreten, sind nichts Ungewöhnliches“, sagt Diplom-Psychologin Franziska Kath. Man könne sie mit einem kleinen Jetlag vergleichen: Die innere Uhr gerät ein wenig durcheinander. „Die beste Medizin ist dabei auch die einfachste: Ruhe und ein paar Tage Geduld. Oft hilft es schon, sich stressige Termine nicht in die Woche nach dem Dreh an der Uhr zu legen und alles etwas gemächlicher anzugehen“, meint die Expertin.

In einer EU-weiten Befragung hatten sich im vergangenen Jahr 84 Prozent der Teilnehmer für ein Ende der Zeitumstellung ausgesprochen. Das EU-Parlament stimmte daraufhin im März für die Abschaffung der Zeitumstellung bis 2021. Bisher ist jedoch unklar, wie dies konkret umgesetzt werden soll. So soll jedes Mitgliedsland eine Präferenz abgeben, ob dauerhaft die Sommer- oder die Winterzeit gelten soll. Mit 67 Prozent wünscht sich die Mehrheit der Deutschen eine neue europaweit einheitliche Zeitregelung.

In der Bundesrepublik Deutschland wurde die Zeitumstellung mit der Sommerzeit im Jahr 1980 als Reaktion auf die Ölkrise zwei Jahre zuvor eingeführt. Ziel dieser Maßnahme war es, Energie zu sparen, weil es abends länger hell bleibt. In Italien gibt es die Sommerzeit bereits seit den 60-er Jahren. Seit 1996 gilt die Sommerzeit EU-weit und beginnt jeweils am letzten Sonntag im März. Am letzten Sonntag im Oktober werden die Uhren dann in allen Staaten der Europäischen Union wieder auf die Winterzeit – also die Normalzeit – zurückgedreht.

dpa

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