Freitag, 08. Oktober 2021

Zellengenossen berichten, wie Lukas Oberhauser tickt

„Wenn etwas nicht nach seinem Kopf geht, tickt er aus“: So haben die Zellengenossen Lukas Oberhauser am Freitag beschrieben. Der 25-Jährige muss sich wegen vorsätzlichen Mordes an Barbara Rauch vor Gericht verantworten. 37 Stiche und Schnitte seien dem Opfer mit 2 verschiedenen Messern zugefügt worden, wie Pathologe Dr. Dario Ranieri ausführte.

Johannes Beutel (im Bild), der wegen Mordes verurteilt ist, teilt sich mit Lukas Oberhauser eine Zelle und sagte am Freitag über diesen aus.
Badge Local
Johannes Beutel (im Bild), der wegen Mordes verurteilt ist, teilt sich mit Lukas Oberhauser eine Zelle und sagte am Freitag über diesen aus. - Foto: © DLife
Seit 19 Monaten sitzt der wegen Mordes verurteilte Johannes Beutel zusammen mit Lukas Oberhauser im Bozner Gefängnis in derselben Zelle. Am Freitag berichtete er im Verfahren zum Mordfall Rauch im Zeugenstand, wie sein Zellengenosse tickt. Er lege ein Verhalten wie ein 14-Jähriger an den Tag und leide unter einem Putzzwang, so Beutel: „Er besteht darauf, in unserer Zelle, die er im übrigen nie verlässt, die Hausfrau zu sein.“

Wenn etwas nicht nach dem üblichen Schema ablaufe, beginne Oberhauser zu putzen. „Wenn er dann nicht putzen kann, wird er aggressiv“, so Beutel. Und wie weitere 2 Zellengenossen nach ihm im Zeugenstand bestätigen sollten, macht Oberhauser auch im Gefängnis großzügige Geschenke. Die Zelle verlasse der 25-Jährige nie. Oberhauser sehe in ihm eine Art Vaterfigur, so Beutel. Und Oberhauser habe gemeint, er fühle sich im Gefängnis sehr wohl.

Humidor und Zigarren im Wert von 4000 Euro

Ein ganz anderes Bild von Lukas Oberhauser zeichnete dann eine junge Frau. Durch einen Wandschirm vom Angeklagten abgeschirmt, berichtete sie im Zeugenstand, dass sie den 25-Jährigen 2017 im Zuge eines Sommerpraktikums in dessen elterlichem Betrieb in Vilpian kennen gelernt hatte. Man habe sich angefreundet, sich zunächst ab und zu getroffen, sei dann aber so gut wie ausschließlich über WhatsApp in Kontakt geblieben.

Ähnlich wie bei Barbara Rauch, die Lukas Oberhauser in der Nacht auf den 9. Februar vergangenen Jahres im „Bordeauxkeller“ in Eppan getötet haben soll, habe der junge Mann auch ihr und ihrem damaligen Partner wertvolle Geschenke gemacht. Letzterem schenkte Oberhauser u.a. ein rund 4000 Euro teuren Humidor mitsamt edlen Zigarren. Bei einem Treffen in einem Kaffee in Meran habe er ihr von seinem Vorhaben erzählt, ihr eine Designer-Tasche und einen neuen Computer zu schenken. Als sie ablehnte, sei Oberhauser sehr laut und aggressiv geworden. Daraufhin habe sie sich von ihm abgewendet woraufhin er ihr per WhatsApp andeutete, sich das Leben nehmen zu wollen.

Und schließlich berichtete sie von der Beziehung von Lukas Oberhauser zu Barbara Rauch, die sie bei einer seiner Geburtstagsfeiern kennen gelernt hatte, und deren Partner Philipp Carli. So habe der 25-Jährige ihr angekündigt, er wolle Rauch „fertigmachen“, nachdem diese ihm jeden Zugang zu ihren Sozialen Netzwerken gesperrt hatte. Auch von einem mutmaßlichen Geldgeschenk an Rauch und Carli berichteten sowohl die junge Frau als auch ihr Ex-Partner im Zeugenstand.

Rätselraten um ein verbogenes Messer

Ein ganz anderes Bild von Lukas Oberhauser zeichneten die Ermittler, die in den Zeugenstand gerufen wurden. Bei seiner Festnahme sei der 25-Jährige völlig ruhig gewesen. Man habe beinahe den Eindruck gehabt, dass Lukas Oberhauser beim Anblick der Carabinieri erleichtert gewesen wäre – „gerade so als ob ihm eine enorme Last von den Schultern genommen würde“.

Ein klares Bild der Bluttat, die sich im „Bordeauxkeller“ abgespielt haben muss, zeichnete Pathologe Dr. Dario Ranieri. Er berichtete von 37 Verletzungen, die an der Leiche von Barbara Rauch festgestellt worden sind, 3 von diesen im Rücken. Diese dürften dem Opfer mit jenem Messer zugefügt worden sein, das die Ermittler am Tatort sichergestellt haben, das in Oberhausers Messerblock fehlte und das dessen Initialen trägt.

em