Im Jahr zuvor waren es noch 900 Menschen, denen die Caritas einen Unterschlupf bot. „Die Wohnungsnot hat sich in den vergangenen Jahren zugespitzt. Die Schere zwischen Arm und Reich hat sich weiter geöffnet“, sagt Mairhofer. <BR /><BR />Und das, obwohl es in Südtirol kaum Arbeitslosigkeit gibt. Der Tourismus boomt, die Wirtschaft floriert. „Jeder findet in Südtirol eine Arbeit. Das Erschreckende ist aber, dass sich viele Menschen trotz Arbeit keine Wohnung leisten können“, so Mairhofer. <BR /><BR />Vor allem alleinstehende Männer, Familien mit Kindern und Alleinerziehende seien von dieser Not betroffen. Viele von ihnen wenden sich an die Caritas.<h3> Einrichtungen der Caritas sind voll</h3>„Es sind immer mehr jüngere Menschen, die keine Unterkunft haben, aber auch ältere mit körperlichen Gebrechen, die in einer Pflegeeinrichtung besser aufgehoben wären. Generell fehlen gerade für die Menschen, die sich an uns wenden, Alternativen auf dem normalen Mietmarkt – wo aber sollen sie hin?“, fragt Mairhofer. „Unsere Einrichtungen sind voll. Mehr Platz haben wir nicht.“<BR /><BR />Menschen, die bei der Caritas keine Bleibe bekommen, würden dann in Unterkünften für Obdachlose oder in Kältenotfallstellen landen, obwohl sie täglich zur Arbeit gehen. Es gebe aber auch Leute mit einer Festanstellung, die in Zelten und Autos lebten. <h3> Mehr Menschen bei Schuldnerberatung</h3>Zugenommen hat auch die Zahl jener Personen, die ein Einkommen haben, mit diesem aber nicht auskommen. Um ihre Wohnung nicht zu verlieren, haben sich viele an die Caritas Schuldner- und Sozialberatung gewandt. Dort wurden 212.000 Euro an Spendengeldern ausgegeben, um vor allem Miet-, Strom- und Arztrechnungen zu begleichen sowie Lebensmittel einzukaufen. <BR /><BR />„Diese Entwicklung ist besorgniserregend, sie ist eine Gefahr für den sozialen Frieden und die Gesellschaft an sich. Wenn sich zusehends mehr Menschen mit ihrem Einkommen schwertun, bedeutet das auch, dass immer mehr Menschen in die Einsamkeit abdriften, ihre Sorgen mit abhängig machenden Substanzen betäuben, auf der Straße landen, Familien zerbrechen, die sozialen Spannungen zunehmen, sie nicht mehr auf ihre Gesundheit schauen und anderes mehr“, warnt Mairhofer. Sie befürchtet eine Spaltung der Gesellschaft. <h3> „Arbeiten gehen reicht nicht mehr aus“</h3>Das Problem seien die hohen Lebenshaltungskosten und die hohen Mieten in Südtirol. Geringverdiener oder Menschen mit einem prekären Arbeitsverhältnis würden dadurch schnell unter die Räder kommen. Betroffen seien vor allem Menschen in den Städten. „Arbeiten gehen reicht in Südtirol offenbar nicht mehr, um über die Runden zu kommen“, sagt Mairhofer. Deshalb brauche es Lösungen.<BR /><BR />„Wir als Caritas leisten, glaube ich, einen wichtigen Beitrag, um die Wohnungsnot zu lindern. Wir können die Probleme aber nicht alleine lösen. Es braucht politische Rahmenrichtlinien und den Beitrag von allen Teilen der Gesellschaft“, so Mairhofer. Schnelle und einfache Lösungen gebe es leider nicht.