Donnerstag, 27. Juni 2019

Zöliakie: Es bleibt beim Minus im Einkaufskorb

Es bleibt dabei: Ab 1. Juli wird für die 1700 Zöliakie-Patienten im Land der monatliche Landesbeitrag zum Kauf von glutenfreien Lebensmitteln gekürzt. Wie Gesundheitslandesrat Thomas Widmann Vertretern der Zöliakie-Gesellschaft mitteilte, führe für Südtirol kein Weg daran vorbei, die gesamtstaatlichen Vorgaben umzusetzen.

Auf Zöliakie-Patienten kommen mit 1. Juli härtere Zeiten zu.
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Auf Zöliakie-Patienten kommen mit 1. Juli härtere Zeiten zu. - Foto: © shutterstock

Zwischen 25 und 40 Prozent betragen die Kürzungen, die Zöliakie-Patienten ab 1. Juli auch in Südtirol hinnehmen müssen. Wie berichtet, hatte die Landesregierung die Beträge dem gesamtstaatlichen Gesetz angepasst. Nach harscher Kritik – auch weil auf der Grundlage des Kalorienbedarfs Frauen nun weniger Beitrag bekommen als Männer –, sollte das Rechtsamt des Landes klären, ob Südtirol eigene Wege gehen kann.

Keiner der beanstandeten Punkte wurde geändert

Die Botschaft, die der Gesundheitslandesrat für Stefano Patton, den Vorsitzenden der Zöliakie-Gesellschaft, hatte, war ernüchternd. An der Umsetzung der gesamtstaatlichen Regelung sei in keinem der von der Zöliakie-Gesellschaft beanstandeten Punkte (siehe unten) zu rütteln.

Demnach bleibt es neben den Kürzungen der Beträge und der unterschiedlichen Behandlung von Mann und Frau auch beim Berg an Bürokratie beim Kauf solcher Produkte.

„Gerade das aber verwehrt uns, glutenfreie Lebensmittel im Supermarkt einzukaufen, selbst wenn es in der Theorie möglich wäre“, ärgert sich Patton. Dadurch sei man gezwungen, in der Apotheke zu kaufen. „Und das bei einem Preisunterschied von 40 Prozent“, sagt er. In diesem Punkt scheint allerdings ein Lichtblick in Sicht. „Widmann hat uns versprochen, raschestens für eine Digitalisierung sorgen zu wollen. Wie in anderen Regionen Italiens schon umgesetzt, werden die Beiträge monatlich auf die Bürgerkarte geladen und wir können dann, ähnlich einer Bankomatkarte, damit einkaufen“, sagt Patton.

Besonders störend: Unterschied zwischen Mann und Frau

Dennoch überwiegt die Enttäuschung. „Am meisten über den Unterschied, der nun zwischen Mann und Frau gemacht wird“, so Patton. In dieser Sache will Gleichstellungsrätin Ulrike Oberhammer nun auf römischer Ebene tätig werden. „Bei Medikamenten bekommen Frauen ja auch denselben Beitrag wie Männer, obwohl gendermedizinisch erwiesen ist, dass sie eine niedrigere Dosierung brauchen. Da bekommen Frauen auch nicht nur 3 Viertel einer Pille“, ärgert sich Oberhammer, die ebenfalls am Treffen teilgenommen hat.

„Mir tut es ja leid, weil man mit einer Abweichung von der staatlichen Regelung diesen Menschen entgegengekommen wäre – auch weil das für uns kein enormer finanzieller Mehraufwand gewesen wäre“, sagt Widmann. „Aber das Rechtsamt hat uns eine klare Absage erteilt, an den Rechtsräumen von Rom und Brüssel führt kein Weg vorbei.“

Das wird mit 1. Juli anders:

120 Euro erhielten Südtirols Zöliakie-Patienten ab 12 Jahren monatlich für den Kauf von glutenfreien Produkten. Ab 1. Juli werden die Beiträge gekürzt – aber nicht nur das:

  • Es wird ein Unterschied zwischen Männern und Frauen gemacht.
  • Die Empfänger werden in Altersstufen eingeteilt.
  • Es können nur mehr Produkte gekauft werden, die im staatlichen Register eingetragen sind.
  • Gekauft werden können nur mehr Produkte mit abziehbaren Bar-Code-Etiketten.
  • Die Verwaltungsprozedur wird extrem komplex, was einen Einkauf im Supermarkt so gut wie unmöglich macht.

D/em

stol