Anhand des Projektes der Neuerschließung der Unteren Flim Alm in Martell wird eines erneut deutlich: Interessen der Landwirtschaft und der Wirtschaft insgesamt sowie jene von Natur- und Umweltschutz passen beileibe nicht immer zu 100 Prozent zusammen.<BR /><BR />Dabei ist vorgesehen, die Trassenführung abzuändern, das Projekt sieht die Errichtung vieler enger Spitz- bzw. Haarnadelkurven vor und teils die Errichtung von Zyklopenmauern berg- und talseitig, um die Stabilität des Weges zu gewährleisten. <BR /><BR />Das Vorhaben stößt auf Unverständnis der <Fett>Umweltschutzgruppe Vinschgau</Fett>, denn es falle zu groß aus und sei ein großer Eingriff in die Natur und Landschaft. Man verstehe sehr wohl, dass die Bauern und Almbetreiber eine verbesserte Möglichkeit haben wollen und müssen, um mit ihrem Vieh die Flim Alm leichter erreichen zu können und habe absolut nichts dagegen, wie Sepp Gruber, Karl Zerzer und Albert Pritzi von der Umweltschutzgruppe betonen. Aber das vorliegende Projekt sei zu viel des Guten. <BR /><BR /> Es gebe offene Fragen, was spätere Muren- bzw. Lawinenereignisse betrifft, den Transport der Zyklopensteine zur Baustelle samt Rückbau derselben, Hangstabilität und dergleichen mehr. Zusammengefasst sind die Umweltschützer also grundsätzlich durchaus dafür, den Weg auszubauen, aber die Verhältnismäßigkeit dabei müsse gewahrt bleiben, auf größere Baggereingriffe könne verzichtet werden. Für den reinen Viehtrieb werde das geplante Projekt in dieser Größenordnung jedenfalls nicht gebraucht, sagen die Drei. Es sei schwierig und extrem aufwändig.<h3> Offene Fragen und ein zu groß dimensioniertes Bauprojekt</h3>Man wolle vor allem auch die Bevölkerung informieren, denn diese solle wissen, was geplant sei in ihrem Gebiet. Zudem gebe es ähnliche Projekte auch in anderen Bezirken im Land, auch dort solle die Bevölkerung transparent über Vorhaben dieser Art in Kenntnis gesetzt werden. Sie loben in diesem Zusammenhang die Marteller Gemeindeverwaltung, denn <Fett>Bürgermeister Georg Altstätter</Fett> und Landwirtschaftsreferent Andreas Eberhöfer hätten sich ihnen gegenüber stets korrekt verhalten und transparent Auskunft erteilt.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1135356_image" /></div> <BR /><BR />Der Marteller Bürgermeister sieht die ganze Sache aber ein wenig anders. Er betont, dass das vorliegende Projekt bereits ein Kompromiss sei und dass man bereits Abstriche gemacht habe. Bauern hätten sich z. B. eine regelrechte Forststraße gewünscht in Richtung Untere bzw. damit zugleich auch Obere Flim Alm. Um die Berglandwirtschaft weiterhin erhalten zu können, sei der Ausbau des Weges nötig, daran führe kein Weg vorbei. <h3> Vorliegendes Projekt ist bereits ein Kompromiss</h3>Dass es nun viele Spitzkehren gebe, sei auf amtliche Auflagen zurückzuführen bzw. auf den Umstand, dass Natura-2000-Gebiet nicht berührt werden sollte – man habe selbst ursprünglich weitläufigere Kurven gewollt, das sei dann nach Ortsaugenscheinen und Gesprächen mit Nationalpark und Landesämtern geändert worden. <BR />Altstätter erklärt, dass das über das EU-LEADER-Programm finanzierte Projekt mit geschätzten Kosten von rund 270.000 Euro einen Themenweg Viehtrieb vorsehe bzw. damit zugleich auch ein Wanderweg entstehe. „Morgen wird da aber nur ein Quad rauffahren für den Tierarzt oder die Bergrettung“, ergänzt er in diesem Zusammenhang. <BR />Die Bedürfnisse der Landwirtschaft stünden im Mittelpunkt, der neue Weg sei aber familienfreundlich und ermögliche, die Almen bzw. damit Flim Seen einfach zu erreichen, wie im Projektbericht erklärt wird. „Die Wanderung kann von dort aus auf die benachbarte Soy Alm bzw. ins Ultental, welches Teil der LEADER-Region Südtiroler Grenzland ist, fortgeführt werden. Somit werden die Obere und Untere Flim Alm mit 2 Seen zu einem wichtigen Erholungs- und Rückzugsort für Gäste und Einheimische“, steht zu lesen.<h3> Beweidung, Auflagen der Ämter und Seestauung ins Feld geführt</h3>Dass viele Zyklopenmauern kämen, gefällt Altstätter auch nicht, aber auch das sei mit dem vorliegenden Projekt unumgänglich. Zusammengefasst sagt der Bürgermeister, dass man den ausgebauten Weg brauche, weil die beiden Almen für Mensch und Tier schwierig zu erreichen seien. Damit werde aber z. B. die Beweidung bzw. Weideinstandhaltung einfacher, was auch im Sinne der Natur, Biodiversität und Natura-2000-Leitlinien sei. <BR /><BR />Zudem sei man ohnehin nicht zufällig mit den Almen auf solch steilen Gebieten: Mit der Seestauung seien die Weideflächen im Tal nämlich verloren gegangen, wie Altstätter erinnert. Auch er lobt die Umweltschützer, denn sie hätten grundsätzlich durchaus gewusst, wovon sie reden – aber hier sei man nicht einer Meinung. Man wolle das Bauprojekt noch heuer beginnen – „weil wir es brauchen“.