<BR />Der Kroate wirkte verwirrt. Nach bisherigen Erkenntnissen hatte er die Nacht auf Dienstag in einer Obdachlosenunterkunft in Mailand im Stadtteil Niguarda verbracht. Von dort aus soll er mit einem Bus weitergereist sein und schließlich Desenzano erreicht haben, wo er am späten Dienstagabend festgenommen wurde.<BR /><BR /> Nach Angaben der Ermittler war der Zugbegleiter Ambrosio, der im Mittel-und Fernverkehr eingesetzt war, zum Zeitpunkt der Tat nicht im Dienst. Er war offenbar auf dem Weg zum Mitarbeiterparkplatz, als er mit einem Stich in den Bauch angegriffen wurde. Gefunden wurde der Mann von einem Mitarbeiter des Bahnunternehmens Italo, der die Bahnpolizei alarmierte.<h3> Mutmaßlicher Täter hat mehrere Vorstrafen</h3>Der Kroate soll den Zugbegleiter nicht überfallen haben, um ihn auszurauben, da alle Gegenstände, die der Tote bei sich hatte, darunter Geldbörse und Handy, gefunden wurden. Jelenic soll nach dem Mord in einen Zug nach Mailand eingestiegen sein. In seiner Vergangenheit soll es mehrere Vorstrafen wegen Delikten geben, die sowohl auf der Straße als auch in Zügen begangen wurden. Die von der Staatspolizei unter Leitung der Staatsanwaltschaft Bologna eingeleiteten Ermittlungen hatten es ermöglicht, den mutmaßlichen Täter nur wenige Stunden nach der tödlichen Attacke zu identifizieren. Ausschlaggebend waren die zahlreichen Videoüberwachungsanlagen im Bereich des Bahnhofs. <BR /><BR /> Der Tod des Zugbegleiters löste italienweit Bestürzung aus. „Mein Sohn hatte keine Feinde, er hatte sich mit niemandem gestritten. Das ist ein unerklärliches Verbrechen. Er hätte keiner Fliege etwas zuleide getan“, sagte der Vater des Opfers, Luigi Ambrosio, selbst Eisenbahner und erst kürzlich in den Ruhestand gegangen, in einem Interview mit dem Nachrichtensender Tg1. Ambrosio hatte Statistik studiert und war ein leidenschaftlicher Musiker. Er wohnte in Anzola d´Emilia nahe Bologna.<h3> Fragen über Sicherheit des Bahnpersonals</h3> Der Tod des Zugbegleiters wirft in Italien erneut Fragen über die Sicherheit des Bahnpersonals auf. Zuletzt war es immer wieder zu Angriffen auf Schaffner und andere Mitarbeiter der Bahngesellschaften gekommen. <BR />Am heutigen Mittwoch haben die Gewerkschaften der italienischen Eisenbahner einen achtstündigen Streik im regionalen Schienenverkehr in der Emilia Romagna von 9 bis 17 Uhr ausgerufen.<BR /><BR />Die Organisationen erklärten, sie stünden den Angehörigen sowie den Kolleginnen und Kollegen des Getöteten bei. Zugleich verwiesen sie auf die „schwere Beeinträchtigung und Gefährdung der Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten im Eisenbahnbereich“. Parallel zur Arbeitsniederlegung ist ab 10 Uhr eine spontane Kundgebung auf der Piazza Medaglie d'Oro vor dem Bahnhof Bologna geplant.