Es herrscht aufgeregte, angespannte Stimmung in der Aula Magna des SOWI Gasser. Für 84 Schülerinnen und Schüler von der ersten bis zur fünften Klasse sowie vier Lehrpersonen und drei Elternteilen ist der Tag gekommen, an dem sie ihr Smartphone wieder einschalten dürfen – nach drei Wochen ohne Instagram, TikTok, Snapchat, WhatsApp…<h3> „Zurück in die Realität“</h3> Die Klasse 3C mit Schwerpunkt Medienerziehung und Journalismus hatte zur Teilnahme am Projekt „Zurück in die Realität – drei Wochen ohne Handy“ geladen. Die Idee dazu war ihr beim Schauen einer Dokumentation über Schüler aus Österreich gekommen, die das Gleiche getan hatten, erzählen die Schülerinnen Eva Goller und Victoria Scherlin. Und da sie dieses Jahr selbst einen Dokumentationsfilm drehen sollen, unterbreiteten sie ihrer Lehrerin Bettina Delueg dafür das Thema Handyverzicht. Teilnehmen konnte jeder an der Schule, wenn er wollte.<BR /><BR />„Alte Klapptelefone und Handys, mit denen man nur telefonieren konnte, waren erlaubt“, erzählt Victoria. Wer keines fand, sperrte alle Handy-Apps. Das Nutzen des PC für schulische Tätigkeiten war zugelassen.<BR /><BR />„Am Anfang habe ich mich mit meinem alten Nokia und meinem MP3-Player, mit dem ich im Schülerbus Musik gehört habe, geschämt“, erzählt Eva. Wobei sich andere durchaus fasziniert vom Projekt und der „alten Technik“ zeigten. „Krass, wenn ihr das durchzieht“, fanden so manche. <BR /><BR />Während sich die Klasse 3C gegenseitig auf das Einhalten des Handyverbots kontrollierte, wurde bei den anderen auf Vertrauen gesetzt. „Elf Teilnehmer, davon drei aus unserer Klasse, haben abgebrochen“, erzählt Eva: wegen schulischen Gründen, wie der Betreuung des Insta-Accounts für den Maturaball, und emotionaler Ausnahmesituationen. Der durchschnittliche Handykonsum lag vor Projektbeginn zwischen fünf und zehn Stunden. <BR /><BR /><embed id="dtext86-72830235_gallery" /><BR /><BR />Eva berichtet von Entzugserscheinungen, die sie hatte: Kopfschmerzen, Müdigkeit. Die Lehrpersonen bemerkten eine Gereiztheit in der Klasse, die sich mit der Zeit in innere Ruhe und mehr Konzentration wandelte. „Die Schüler fokussierten sich auf eine Sache und hatten nicht mehr ständig den Eindruck, etwas zu verpassen“, erklärt Delueg.<BR /><BR />„Ich hatte das Gefühl, ohne TikTok nichts mehr mitzukriegen von der Welt“, bestätigt Eva. „Vor allem Situationen, in denen man auf etwas – wie den Bus – wartet, waren schwierig“, erzählt Victoria. Ebenso wenn man allein zu Hause oder gestresst war und sich ablenken wollte. „Ich habe mich mit den Problemen direkt befassen müssen“, sagt Eva. Statt zum Handy griffen nun viele vermehrt zum Buch. <h3> Ziel bleibt, die digitalen Medien bewusster zu nutzen</h3>Beide können im Nachhinein dem Handyverzicht etwas Positives abgewinnen: „Man gewinnt Zeit und Aufmerksamkeit zurück“, betont Victoria. Die Zeit mit Familie und Freunden wurde bewusster erlebt. „Man ist produktiver, konzentrierter, schneller“, zählt Eva weiter auf – weil es keine Handyunterbrechungen mehr gab. „Und man schiebt weniger auf“, ergänzt Victoria. <BR /><BR />In einem handgeschriebenen Tagebuch (die Klasse 3 C auch in Videoclips) hielten alle fest, wie sie die drei Wochen erlebt haben. Bei Treffen wurde reflektiert, was sich ändert, was sie beibehalten möchten. In der Aula wiederholen sie nun, was sie für die Zukunft mitnehmen wollen: Weniger durch kurze Videos scrollen, das Handy bewusst weglegen, mehr Zeit für Hobbys nutzen, die Bildschirmzeit beschränken…<BR /><BR />Wie? Dazu wurden Tipps gesammelt: etwa mit Apps wie Focusflight oder Screenzen die Handy-Zeit eingrenzen, das Handy in einen anderen Raum legen.<BR /><BR />„Ein Leben komplett ohne Handy kann ich mir nicht vorstellen“, gesteht Eva. Vieles würde umständlicher, schon das Verschicken einer E-Mail, das sonst nebenbei im Bus geht. Victoria findet: Bis zu eineinhalb Stunden Bildschirmzeit reichen in Zukunft. „Mehr braucht es nicht“. <BR /><BR />Im Jänner gibt es eine Nachbesprechung darüber, ob die Vorsätze gelungen sind. Im Mai wird der Dokumentationsfilm präsentiert, der die Projekt-Erlebnisse zusammenfasst. Delueg ist bereits jetzt stolz auf die Teilnehmenden, dass sie sich der Herausforderung gestellt haben. Sie ist sich sicher, dass ihnen diese Erfahrung in Erinnerung bleibt. Als Mutter dreier Kinder nimmt sie die Erfahrung mit, dass die Eltern über die diversen WhatsApp-Gruppen die Tätigkeiten ihrer Kinder fast zu viel managen: „Sie wissen deshalb oft gar nicht mehr, wann was stattfindet“.