Montag, 18. Mai 2020

„Zuversichtlich, dass Lösung gefunden wird“

„Ich denke, es wird eine Lösung geben. Wie sie ausschaut, weiß ich nicht, aber Unternehmer sind Optimisten“, sagt Heiner Oberrauch, Chef der Oberalp Group. Das Unternehmen sitzt derzeit auf 20 Millionen Euro an Auslagen, die es für Schutzausrüstung für den Südtiroler Sanitätsbetrieb vorfinanziert hat, und die der Sanitätsbetrieb nicht zahlen will, weil die Ware nicht zertifizierbar ist.

Schutzausrüstung aus China.
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Schutzausrüstung aus China. - Foto: © LPA
Die Oberalp Group hat für den Sanitätsbetrieb nach der ersten Bestellung von Schutzausrüstung in China, die am 23. März in Wien/Schwechat eingelangt ist, eine 2. Bestellung vorgenommen.

„Das war bereits am 24. März, am Tag nach der Ankunft der ersten Lieferung. Da man gesehen hat, dass es funktioniert, haben die beiden Ärzte, Dr. Patrick Franzoni und Primar Marc Kaufmann, eine Berechnung für die nächsten 2, 3 Monate gemacht. Davon gibt es per E-Mail eine schriftliche Bestellung. Weil es ein Wettlauf gegen die Zeit war und die ganze Welt nach Schutzausrüstung suchte, haben wir diese Bestellung nach dem selben Procedere wie bei der ersten gemacht. Der Vertrag wurde erst gut eine Woche später gemacht. Wobei dieser Vertrag nicht unterschrieben worden ist“, so Oberrauch.

Er habe nach der Kreditgewährung von Seiten der Volksbank und der Raiffeisenkasse die Vorfinanzierung übernommen, weil das der Sanitätsbetrieb nicht kann.


„Und weil das Procedere das gleiche war wie bei der ersten Lieferung, habe ich auch auf die Zusage des Landeshauptmanns gesetzt, dass die Vorfinanzierung auf jeden Fall von Land oder Sanitätsbetrieb gezahlt wird. Ob der Landeshauptmann von der 2. Bestellung wusste, weiß ich allerdings nicht“, sagt Heiner Oberrauch. Auch in diesem Fall habe man die chinesischen Preise 1:1 weitergegeben. „Weil die Bitte in Euro anzubieten kam, haben wir 3 Prozent Kursrisiko aufgeschlagen. Das ist alles“, sagt der Oberalp-Besitzer.

„Respekt vor Zerzer“

Er habe auch „großen Respekt vor Generaldirektor Zerzer, der sich in dieser Situation nicht wie ein Beamter, sondern wie ein Manager verhalten hat“. Wie schon bei der ersten Lieferung hätten „anerkannte Organisationen wie das Österreichische Rote Kreuz und der italienische Zivilschutz dasselbe Material verwendet. Das Österreichische Rote Kreuz hat sogar bei der 2. Lieferung antiseptische Anzüge nachbestellt“, sagt Oberrauch. Von wegen Zertifizierung merkt der Oberalp-Boss an, dass wenn der italienische Zivilschutz und nicht der Sanitätsbetrieb das Material geordert hätte, eine Zertifizierung gar nicht nötig gewesen wäre.

„Ich betone nochmals: Es war ein absoluter Notstand, der Markt leergefegt, sodass die EU den Staaten geraten hat, chinesische Ware einzukaufen, die von einer anerkannten chinesischen Prüfinstanz zertifiziert ist. Die Ware, die wir vermittelt haben, hat diese Zertifizierung. Ich hoffe, dass letztlich nicht die Zertifizierungsbürokratie über die Hilfe im Notstand siegt. Denn eine Maske ist besser als keine“, sagt Oberrauch. Er glaubt, dass „sich das Ganze lösen lässt, weil in einem Notstand andere Gesetze gelten“.

War die Lieferung nicht versichert? „Alles musste sehr schnell gehen. Normalerweise wird ein Vertrag mit einem Handelspartner geschlossen, den man kennt. Wir waren aber die Vermittler. Natürlich werden wir auch über unseren chinesischen Partner versuchen, dass der Produzent dieses Materials zurückzieht, aber das wird schwierig sein“, so Oberrauch.

d/lu

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