<BR /><b>Migrationsfamilien haben oft mit schwierigen Umständen zu kämpfen. Sie lassen ihre Kultur, Sprache, Angehörigen zurück...</b><BR />Manuela Targa: Migration ist ein sehr komplexes Phänomen. Generell wandern die Männer zuerst aus. Frauen und Kinder kommen dann im Zuge der Familienzusammenführung nach. Das stellt natürlich für viele von ihnen einen Bruch dar. Viele Einwanderer in Südtirol kommen aus Ländern, in denen Großfamilien noch existieren und zusammenleben. In ihrer Heimat werden gerade Frauen dadurch von Verwandten unterstützt. Wenn sie sich dann hierzulande niederlassen, erleben sie oft Einsamkeit.<BR /><BR /><embed id="dtext86-64769569_quote" /><BR /><BR /><b>Überwiegt also in Migrantenfamilien das traditionelle Rollenbild?</b><BR />Targa: Das hängt sehr stark von der einzelnen Situation ab. Frauen kümmern sich oft hauptsächlich um die Kinder, um die Familie. In Südtirol erfahren sie aber sehr bald, dass das Leben teuer ist. Viele gehen dann auch einer Arbeit nach. Das kann die Dynamik in einer Familie verändern und den Frauen Autonomie bringen.<BR /><BR /><b>Oft haben die Menschen Vorurteile gegenüber neuen Mitbewohnern...</b><BR />Targa: Zusammenzuleben ist nicht einfach. Es ist eine Herausforderung und gleichzeitig eine Chance, die man ergreifen kann. Denn die Welt ist verschieden. Mit gegenseitigem Respekt kann das Zusammenleben sehr gut gelingen. Angst gibt es nämlich auf beiden Seiten – auf jener der Einwanderer genauso wie auf jener der Menschen, die im Land leben. Es braucht deshalb vor allem eines: Zeit.<BR /><BR /><embed id="dtext86-64774473_quote" /><BR /><BR /><b>Zeit?</b><BR />Targa: Migrantenfamilien müssen sich in einem neuen Umfeld erst zurechtfinden. Wenn sie einer Arbeit nachgehen, sich integrieren, dann werden sie auch akzeptiert werden. Nicht zu vergessen: Die Geburten gehen immer weiter zurück. Menschen, die einwandern, kinderreiche Familien, werden immer wertvollere Ressourcen für unser Territorium – vom wirtschaftlichen Standpunkt her gesehen. <BR /><BR /><embed id="dtext86-64774477_quote" /><BR /><BR /><b>Ihr Verein engagiert sich für Einwanderinnen...</b><BR />Targa: Unterstützung ist sehr wichtig. In unserem Verein werden diese Frauen begleitet. Wir organisieren Gruppen, bei denen Frauen sich kennenlernen, sich gegenseitig helfen. Das Ambiente ist geschützt. Geht es den Frauen gut, dann geht es auch der Familie gut. Das betrifft nicht nur Migrationsfamilien. Frauen haben eine fundamentale Rolle in der Familie. <BR />