Banken sollen Nachmittagskurse finanzieren. „Die Unterschiede im Bildungszugang werden immer größer, nicht nur bei Migranten“, sagt Achammer.<BR /><BR /> Machten 1998 die „in Südtirol Geborenen“ noch 80 Prozent der Mitarbeiter aus, so sind es 2025 nur mehr 60 Prozent der Mitarbeiter. Deren Zahl ist zwar von 114.000 auf 125.000 gestiegen. Das aber entspricht nur einem mageren Fünftel des Beschäftigungszuwachses in den letzten 20 Jahren: 80 Prozent der Zunahme geht aufs Konto von Auswärtigen.<BR /><BR /> Mit Höhepunkten von Mai bis Oktober 2025: da waren rund 45.000 ausländische Arbeitnehmer in Südtirol tätig, was einem Plus von 6,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Laut Arbeitsmarktbericht „kamen mehr als drei von vier Neuangestellten aus dem Ausland.“<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1284741_image" /></div> <BR /><BR />Beeindruckende Zahlen, die Landesrat Philipp Achammer dieser Tage bei einem Treffen mit den Wirtschaftsverbänden in die Waagschale warf. Wachstum braucht Menschen, doch die Kehrseite ist eine steigende Zahl von Familien mit Migrationshintergrund. „Deren Integration kann nicht allein Aufgabe der öffentlichen Hand sein, weshalb wir die Wirtschaft gezielter als bisher ins Boot holen wollen“, sagt Achammer.<BR /><BR />Ansätze im internationalen Vergleich sind On-Boarding-Programme in Betrieben. „Große Betriebe haben diese zum Teil bereits, doch 95 Prozent der Südtiroler Unternehmen sind mit unter neun Beschäftigten Kleinbetriebe“, so Achammer. Ziel wäre ein Netzwerk zur sozialen Integration, das Verbände koordinieren sollen. Es geht um Mentoring-Systeme mit Tutoren, um Unterstützung bei administrativen Hürden, aber auch um Unterstützung bei sozialer Integration und Spracherwerb. <BR /><BR /> „Kurse zum Erlernen der Landessprachen werden vom Land großzügig finanziert. Es ist ein großer Unterschied für die Motivation, wenn sie auch im Betrieb oder betriebsübergreifend stattfinden, wo der Chef selbst schaut, dass alle mitmachen“, sagt Achammer. Dasselbe gelte für Freizeitaktivitäten zur Integration, bei der Betriebe Drehscheibe sein können. Auch Boni für die Teilnahme an Kursen seien eine Möglichkeit. Unternehmen erweitern die Kompetenzen ihrer Mitarbeiter und sichern in Zeiten des Fachkräftemangels die „nächste Generation am Standort“ ab.<h3> Immer größere Unterschiede im Bildungszugang</h3>Parallel hat sich Achammer an die heimischen Bankinstitute gewandt, denn die Unterschiede im Bildungszugang werden in Südtirol immer größer. „Auffälligkeiten im Sozialverhalten nehmen deutlich zu. Wir haben zum Teil Kinder, die eigentlich gar nicht schulfähig sind“, so Achammer. <BR /><BR />Vollzeitarbeit beider Elternteile, weil es zwei Gehälter braucht, um Miete oder Darlehen zu stemmen, und das digitale Zeitalter, das vieles vergiftet: „Ich will nicht anklagen, doch es ist ein Fakt, dass die Bildungskarriere von Kindern, die begleitet werden, eine ganz andere ist, und wir müssen jene auffangen, die bereits mit Defiziten starten“, so Achammer. Dies gelte übrigens nicht nur für Kinder mit Migrationshintergrund, sondern auch für einheimische.<BR /><BR />Das Land hat die „Stiftung zur Unterstützung des deutschen Bildungssystems“ gegründet, die mit der Nachmittagsbetreuung von Kindern durch pensionierte Lehrkräfte in Bozen startet. Im Herbst soll das Vorhaben ausgeweitet werden – idealerweise mit finanzieller Unterstützung der Geldinstitute. <BR /><BR />„Die Stiftung ist weniger an die schwerfällige Bürokratie der öffentlichen Hand gebunden und kann mit der Einbindung von Privatmitteln zügig auf Notwendigkeiten von Schulen reagieren“, so Achammer. Bisheriges Feedback der Banken auf sein Schreiben: „Positiv.“