Innerhalb von zehn Jahren, von 2013 bis 2023, soll sich das Vermögen eines wohlhabenden Rentners aus Trient um 2 Millionen Euro verringert haben. Dieses Geld, wie von der Finanzpolizei festgestellt, soll auf die Konten seines vermeintlich besten Freundes, dessen Tochter sowie seiner Hauspflegekraft geflossen sein.<BR /><BR /> Die Geldüberweisungen seien durch Banktransaktionen mit mehr oder weniger eindeutigen Verwendungszwecken erfolgt. Es habe eine regelrechte Flut an Überweisungen mit Beträgen im vier- oder fünfstelligen Bereich gegeben. Laut Anklage sei das Geld von den Empfängern unter anderem dazu genutzt worden, um Wohnungen und Autos zu kaufen.<BR /><BR />Allein im Jahr 2021 seien Überweisungen an die drei Personen in Höhe von 700.000 Euro festgestellt worden. Bei seiner Vernehmung durch die Finanzpolizei habe der Rentner die Schenkungen bestätigt. Doch es handle sich bei ihm um eine sehr verletzliche Person: Der Mann, Jahrgang 1956, leidet an einer schweren körperlichen und psychischen Erkrankung und hat seit 2023 eine gesetzliche Betreuerin.<BR /><BR /> Diese – die Anwältin Monica Carlin – bemerkte die zahlreichen und hohen Geldgeschenke, die den Rentner praktisch verarmen ließen: Von einem Millionenvermögen blieben ihm nur 4.000 Euro. Nun müssen sich in Trient der 70-jährige vermeintliche enge Freund, dessen 35-jährige Tochter sowie die 40-jährige Pflegekraft aus Kuba wegen des Vorwurfs der Ausnutzung einer wehrlosen Person (Art. 643 StGB) vor Gericht verantworten. <BR /><BR />Laut der Staatsanwaltschaft machten sie sich den geistig eingeschränkten Zustand des Rentners zunutze, bei dem ein Gutachter im Jahr 2023 einen fortschreitenden geistigen Verfall (Altersdemenz sowie Alzheimer) diagnostizierte – ein Zustand, der mindestens 8 Jahre zuvor begonnen habe. <BR /><BR />Laut den Ermittlungen der Finanzpolizei flossen auf das Konto des Freundes, der sich vor Gericht verantworten muss, über den Zeitraum eines Jahrzehnts 600.000 Euro durch Hunderte von Transaktionen. Auf das Konto der Tochter des Freundes sollen mehr als 470.000 Euro überwiesen worden sein.<BR /><BR />Doch der größte Anteil des Vermögens soll an die 40-jährige kubanische Pflegekraft gegangen sein, die den Rentner betreute: Laut Ermittlungen erhielt die heute unauffindbare Frau zwischen 2019 und 2022 insgesamt etwa 1 Million Euro – 120.000 Euro auf ein kubanisches Konto, eine halbe Million Euro auf ein spanisches Konto und über 200.000 Euro auf ein italienisches Konto.<BR /><BR />Der Rentner, der sich als Nebenkläger am Verfahren beteiligt, ist heute auf umfassende Betreuung angewiesen und verfüge nur noch über eine Invaliditätsrente von 300 Euro pro Monat. Sein Anwalt, Giuliano Valer, fordert 2 Millionen Euro Schadensersatz für materielle und 600.000 Euro für immaterielle Schäden.