„Wir dachten: Das kann nicht stimmen, da ist nichts mehr außer Apfelbäumen“, hörte Ute Clementi schon so manchen Gast bei der Ankunft sagen. Und tatsächlich: Abseits des quirligen Geschehens um den Gardasee – versteckt zwischen Reihen von Obstplantagen – liegt er: der Agriturismo „La Molinalda“.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1344732_image" /></div> <BR /><BR />Ihn zu finden ist keine leichte Aufgabe. Südöstlich vom Gardasee im kleinen Örtchen Castelnuovo del Garda haben sich die beiden Terlaner Reinhold Mitterer und Ute Clementi eine neue Existenz aufgebaut.<BR /><h3> Vom alten Weinhof und der Idee, etwas Neues zu machen</h3>Dabei war der Anfang alles andere als leicht. Mitterer sollte eigentlich im gleichnamigen Familienbetrieb in Terlan weiterarbeiten. Es zog ihn aber in die Ferne. Gemeinsam mit den Eltern wurde daraufhin beschlossen, einen Hof am Gardasee zu kaufen. Sie mussten nicht lange suchen, bis sie 1988 den alten Weinhof entdeckten und erwarben.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1344735_image" /></div> <BR /><BR />Viel Ahnung von der Landwirtschaft hatte Mitterer damals allerdings nicht, er kam von der Gewerbeschule. Bis auf die Sprühgeräte aus dem Betrieb seiner Eltern war ihm die Arbeit auf dem Feld weitgehend fremd – das meiste Wissen eignete er sich selbst an.<BR /><BR />Da der Hof ursprünglich auf Weinbau ausgerichtet war, stand bald eine Grundsatzentscheidung an: den Weinbau fortführen oder komplett umsatteln?<h3> Ein Terlaner und die Liebe zum Apfelanbau</h3>Die Zone war nicht ideal für Wein und somit finanziell wenig rentabel, weshalb sich der Terlaner für den Apfelanbau entschied. Der nächste Schritt betraf das alte Wohnhaus: Was sollte damit geschehen? Es gab keine Heizung, die Sanitäranlagen waren marode, und das Dach musste dringend saniert werden. Ursprünglich dachte das Paar gar nicht an ein großes Bauprojekt, sie wollten das alte Haus abreißen und in der Nähe eine Wohnung mieten, um von dort aus die Apfelwiesen zu bewirtschaften.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1344738_image" /></div> <BR /><BR />Doch schließlich kam alles anders. Da das gesamte Gebäude unter Ensembleschutz stand, entschied sich Reinhold Mitterer dazu, das Haus zu einem Agriturismo mit Wohnungen auszubauen.<h3> „Das hatte er sich wohl einfacher vorgestellt“</h3>Doch damit nicht genug: Kurzerhand wurde zudem der Entschluss gefällt, nicht nur Ferienwohnungen zu bauen, sondern auch selbst in das Haus einzuziehen. Die Idee klang simpel: umbauen, vermieten, Schlüssel übergeben und fertig. „Das hat er sich damals wohl alles sehr einfach vorgestellt“, schmunzelt Ute heute.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1344741_image" /></div> <BR /><BR />Doch die Renovierung hatte es in sich. Fast alles musste erneuert werden: „Wir haben das alte Bauernhaus praktisch entkernt – es standen nur noch die vier Außenmauern.“ Förderungen wurden zugesagt und später gestrichen, es gab strenge Denkmalschutzbestimmungen. Farbe, Form, sogar die Breite der Sandsteine rund um die Fenster wurden von der Gemeinde genauestens vorgeschrieben.<BR /><BR />Zudem gab es Probleme mit der Baufirma. „In dieser Zeit haben wir wirklich alles erlebt. Von schief gebauten Wänden über Arbeiter, die ihr Handwerk nie gelernt hatten, bis hin zu fälschlich gelieferten Klimageräten, für die wir nicht genug Stromstärke aufbringen konnten“, erinnert sich die ehemalige Lehrerin zurück. Dennoch: Stück für Stück wurde die „Molinalda“ zu dem, was sie heute ist.<BR /><h3> „Man glaubt, es kommen sofort Gäste – so ist es nicht“</h3>Und dann, als alles stand? Es folgte das Inserieren auf unterschiedlichsten Buchungsplattformen, das Erstellen einer eigenen Webseite und das Buhlen um Gäste. „Am Anfang hatten wir nicht einmal Internet. Außerdem dachten wir, die Gäste würden nach der Eröffnung quasi von selbst kommen. Dem war nicht so“, erinnert sich Ute heute lachend. Alles musste sich erst entwickeln und etablieren.<h3>Flavia, die Meisterbäckerin und gute Seele des Hauses</h3>Wenn es heute im ganzen Haus nach Zucker und gebackenem Mürbeteig riecht, weiß man sofort: Flavia ist am Werk. Die gelernte Konditormeisterin ist eine, die von Anfang an mit von der Partie war. Es hatte sich damals rasch herumgesprochen, dass in Castelnuovo ein neuer Agriturismo eröffnen würde. In einer Bar sprach sie Reinhold Mitterer einfach an: „Posso lavorare per te?“<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1344744_image" /></div> <BR /><BR />Seitdem ist die sympathische Italienerin aus Cesenatico unverzichtbar. Jeden Tag richtet sie das Frühstück für die Gäste an – alles ist selbst gemacht und frisch zubereitet. So manch ein Gast mag wegen der Ruhe, der Natur oder der Lage kommen. Ein anderer sicherlich wegen Flavias Obstkuchen, wegen ihrer Schokoladentartes oder wegen ihrer absoluten Spezialität: die knusprig-süßen „Schweineohren“.<h3>Ein Ort zum Wohlfühlen und Entspannen</h3>Heute verfügt das Anwesen über sechs neu errichtete Mobile Homes sowie neun Ferienwohnungen. Dieses Jahr feiert der Betrieb das 20-jährige Bestehen. Viele der Gäste aus den Anfangstagen sind heute längst Stammgäste und Freunde der Familie. Ute Clementi und Reinhold Mitterer haben sich damit einen Lebenstraum erfüllt. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1344747_image" /></div> <BR /><BR />Ihre Bilanz nach all den Jahren? „Es war sicher die richtige Entscheidung. Es ist zwar mit viel Arbeit verbunden, aber ich kehre nach einer erfolgreichen Saison immer wieder gerne an diesen Platz zurück“, resümiert die Terlanerin. Für viele Südtiroler ist die knapp eineinhalb Stunden entfernte „Molinalda“ zu einem festen Rückzugs- und Wohlfühlort geworden. Denn eines steht fest: Wer einmal hier war, kommt wieder.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1344750_image" /></div>