Dienstag, 21. März 2017

Zweisprachigkeitsprüfung: Nur jeder 4. besteht Niveau B

In Sachen Zweisprachigkeitsprüfung kursiert in Südtirol ein Gerücht: Niveau A ist leichter zu bestehen als Niveau B. Und die Zahlen des Astat scheinen dies zu belegen: Während bei Niveau A fast jeder dritte Prüfling besteht, schafft das bei Niveau B nur jeder vierte.

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Foto: © D

Die Zwei- und Dreisprachigkeitsprüfungen haben sich in den vergangenen Jahren geändert: Seit 2014 sehen die Prüfungen aller vier Niveaus einen Verständnistest sowie eine schriftliche und eine mündliche Prüfung vor.

 Die drei Teilprüfungen müssen von den Kandidaten innerhalb eines Tages abgelegt werden. Im Wesentlichen wurde mit der Reform neben dem genannten Verständnistest auch eine schriftliche Prüfung für das Niveau D der Sprachkompetenz eingeführt sowie die Möglichkeit abgeschafft, die mündliche Prüfung dreimal zu wiederholen.

Ebenfalls neu: Dem Kandidaten wird innerhalb von drei Arbeitstagen ab dem Prüfungstermin mitgeteilt, ob er die Prüfung insgesamt bestanden hat, ohne auf die Ergebnisse der Einzelprüfungen einzugehen.

So funktioniert die Prüfung

Beim Verständnistest hören die Kandidaten einen Text in italienischer und einen in deutscher Sprache und müssen eine Reihe von Fragen beantworten, indem sie die richtige Antwort in derselben Sprache, in der sie soeben den Text gehört haben, ankreuzen.

Bei der schriftlichen Prüfung erhalten die Kandidaten neue, dem Europäischen Referenzrahmen für Sprachen entsprechende, Texte in italienischer und deutscher Sprache. Die Prüfung wird in der jeweils anderen Sprache abgelegt.

Bei der mündlichen Prüfung erhalten die Kandidaten schließlich eine Aufgabe in beiden Sprachen und haben - je nach Niveau der Sprachkompetenz - 10 bis 15 Minuten Zeit, um sich vorzubereiten.

Jeder Prüfling kann frei entscheiden, in welcher Sprache er das erste Thema behandeln will, für das zweite Thema muss er die andere Sprache wählen. Die Kommission stellt zu jedem Thema eine Frage.

Nicht von der Reform betroffen war die Prüfung zur Feststellung der Kenntnis der ladinischen Sprache, welche im Jahr 2016 nach den zuvor geltenden Bestimmungen durchgeführt wurde.

Niveau D hat höchste Erfolgsquote, B die niedrigste

Wie eine aktuelle Studie des Astat zu den Prüfungen im Jahr 2016 zeigt, beträgt die Erfolgsquote des Niveaus A 32,9 Prozent, jene des Niveaus B beläuft sich auf 26,7 Prozent, jene des Niveaus C auf 40,1 Prozent und jene des Niveaus D auf 69,2 Prozent.

Bei den Niveaus A, B und C sind die Männer laut Astat-Studie erfolgreicher als die Frauen: Insgesamt beträgt die Erfolgsquote der Männer 41,4 Prozent und jene der Frauen 34,8 Prozent.

Eine von drei angemeldeten Personen treten nicht an

Im Jahr 2016 wurden insgesamt 11.035 Personen zur Zweisprachigkeitsprüfung eingeladen, davon sind 3.397 nicht angetreten, was einer Quote von 30,8 Prozent entspricht. Fast eine Person von drei, die sich eingeschrieben haben, tritt nicht zur Prüfung an.

Aufgeschlüsselt nach Altersklassen der Kandidaten sind auch im Jahr 2016 beim Niveau A beträchtliche Schwankungen festzustellen. Die Erfolgsquote ist bei den 14- bis 19-Jährigen mit 43,4 Prozent am höchsten. Dieser hohe Erfolgswert auch nach der Reform ist wahrscheinlich dadurch bedingt, dass es sich hier vorwiegend um Kandidaten handelt, die direkt aus der Schule kommen, oder um Personen, die bereits in jungen Jahren beide Sprachen gut beherrschen und so früh wie möglich den Zweisprachigkeitsnachweis erwerben möchten.

Die absolut höchste Erfolgsquote verzeichnete das Niveau D in der Altersklasse der 25- bis 29- Jährigen (79,2 Prozent).

Überetsch-Unterland  bei A und B führend

Wie die Studie des Astat besagt, verbuchen die Kandidaten aus der Bezirksgemeinschaft Überetsch-Unterland mit 43,2 Prozent insgesamt und mit 38,5 Prozent für das Niveau A und 35,3 Prozent für das Niveau B die höchsten Erfolgsquoten.

Beim Niveau C liegt hingegen die Bezirksgemeinschaft Pustertal mit 46,4 Prozent an erster Stelle, während beim Niveau D die Bezirksgemeinschaft Vinschgau mit 88,6 Prozent in Führung liegt.

stol/liz

stol