<BR /><b>Herr Ferrari, Sie sind jetzt seit zweieinhalb Monaten Quästor in Bozen. Ihr erster Eindruck?<BR /></b>Giuseppe Ferrari: Nachdem ich längere Zeit in verschiedenen Orten im Süden Italiens Quästor war, lerne ich nun auch den Norden kennen. Dadurch habe ich ein abgerundetes Bild der verschiedenen Gegebenheiten. Für mich war der Wechsel nach Bozen ein positiver Schritt. Im Moment bin ich noch dabei, mich im Land zurechtzufinden und meine Mannschaft kennenzulernen,<BR /><BR /><b>Apropos Kennenlernen. Wie bewerten Sie die Sicherheitslage in Südtirol?</b><BR />Ferrari: Was die Kriminalitätsrate angeht, bewegt sich Südtirol auf Augenhöhe mit anderen Regionen. Die meisten Einsätze hier betreffen Mikrokriminalität wie Drogenhandel und Diebstähle sowie Gewaltverbrechen gegen Frauen , und auch Einbrüche. Besonders wichtig ist, alle Straftaten zur Anzeige zu bringen, aber auch alles zu melden, das einem verdächtig vorkommt. Nur so können wir vor Ort verstärkt Präsenz zeigen, was vorbeugende Wirkung hat. Im Übrigen empfiehlt es sich, Schmuck und Wertgegenstände zu fotografieren. Im Falle eines Einbruchs stellen diese Fotos dann handfeste Beweise dar. Sie erleichtern unsere Ermittlungen und ermöglichen es, das Diebesgut dem rechtmäßigen Besitzer zurückzugeben, sollte der Dieb überführt werden.<BR /><BR /><b>Im Vergleich zu anderen Quästuren – welche neuen Herausforderungen bringt Ihr Amt in Bozen mit sich?</b><BR />Ferrari: Die Quästoren von Trient und Bozen sind italienweit die einzigen, die nicht nur Waffenscheine für Jäger, Sportschützen und Waffensammler ausstellen. Wir sind auch für jene Verfügungen zuständig, die das Tragen einer Waffe zur Selbstverteidigung erlauben. In diesem Punkt braucht es ein besonderes Gespür dafür, wem man eine solche Ermächtigung erteilt und wem nicht. Zudem lege ich großes Augenmerk auf den richtigen und verantwortungsvollen Umgang mit der Waffe. <BR /><BR /><b>Die einzige Besonderheit in der Bozner Quästur?</b><BR />Ferrari: Nein. Eine große Herausforderung ist auch die Mehrsprachigkeit. <BR /><BR /><b>Inwiefern? </b><BR />Ferrari: Insbesondere bei der deutschen Sprache besteht noch Luft nach oben. Allerdings: Bei den Aufnahmetests für die Polizistenausbildung gibt es keine Quoten hinsichtlich der Muttersprache. Auch entscheiden sich wegen der höheren Lebenshaltungskosten immer weniger Beamte für den Dienst in Südtirol, oder sie bleiben nicht lange und schaffen es in dieser Zeit nicht, die Sprache zu erlernen. <BR /><BR /><b>Auf welchen Schwerpunkt legen Sie besonderes Augenmerk?</b><BR />Ferrari: Besonders wichtig ist mir die länderübergreifende Zusammenarbeit mit den Kollegen in Österreich und Deutschland. Im Land möchte ich versuchen, auf die Menschen persönlich zuzugehen und vor allem junge Menschen für den Polizeidienst zu begeistern. <BR /><BR /><b>Zur Person:</b><BR />Seine Karriere im Polizeidienst begann Giuseppe Ferrari (61) im Streifendienst. Nach dem Besuch der Hochschule für Polizeiwesen in Rom samt Ernennung zum Vizekommissar der Staatspolizei absolvierte Ferrari ein Jurastudium an der Uni Parma, das er mit Auszeichnung abschloss. <BR /><BR />Es folgten verschiedene Etappen und in verschiedenen Funktionen u.a. in Piacenza, Mailand und Brescia. 2009 wurde Ferrari, kurz nach dem verheerenden Erdbeben in den Abruzzen, als Vizequästor nach L’Aquila versetzt. Vor seinem Amtsantritt in Bozen war Ferrari ab 2020 Quästor von Reggio Emilia und von Massa-Carrara.